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Donnerstag, 23. Februar 2012
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Wettbewerb der guten Ideen Businessplan für eine heile Welt

13.10.2009 ·  Die Studentenorganisation SIFE will Unternehmertum und Gemeinwohl unter einen Hut bringen. Personalverantwortliche suchen in ihren Reihen die Elite von morgen.

Von Anna Loll
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Montagmorgen, 9.37 Uhr am Stehtisch neben einer Glaswand im größten Tagungshotel von Berlin. "Oh, wir sind alle so aufgeregt!", seufzt Luise Müller und lacht nervös. Die 23 Jahre alte BWL-Studentin und ihr Team von der Universität Mannheim haben sich gut zwei Monate lang auf diesen Augenblick vorbereitet.

Gleich werden sie in dem Raum hinter der Glaswand ihr gemeinnütziges Projekt den Juroren des "SIFE World Cup" präsentieren, wo sie gegen Teams aus vierzig verschiedenen Staaten antreten. Jede der Gruppen hat in ihrem Heimatland schon den nationalen Wettbewerb gewonnen. Jetzt, bei der Weltmeisterschaft der studentischen Organisation, kommen 16 Teams ins Halbfinale, vier in die Endrunde - und eine Gruppe wird schließlich den Pokal in den Händen halten.

Ein Herz für die Welt - und ein Sin fürs Geschäft

Die Mannheimer geben sich ehrgeizig. "Wir wollen gewinnen", sagt Moritz Suppliet. Ein feindlicher Wettbewerb finde allerdings nicht statt. Freundlich und kollegial sei die Atmosphäre zwischen den Studenten, beteuert er - typisch nordamerikanisch eben. Das ist der "World Cup" auch insgesamt, obwohl er in diesem Jahr im Berliner Bezirk Neukölln stattfindet.

Die Abkürzung SIFE steht für "Students in Free Enterprise", die Kongress-Teilnehmer bekommen von allen Seiten ein professionell-herzliches "Hi, how are you doing?" zu hören, und gefühlsmäßig eher trocken veranlagte Mitteleuropäer müssen sich auf Momente von Pomp und Emotionalität einlassen. Als Alvin Rohrs, der Präsident von SIFE, auf der Bühne steht, geht es tränenreich zu. Er spricht von seinen persönlichen Helden und zwei "World Cup"-Teilnehmerinnen, die auf der Rückkehr in ihre Heimat Nigeria ertrunken sind.

Dann verteilt er Weisheiten in die Runde der 1500 versammelten Studenten, Juroren und Beobachter: "Zu gewinnen ist großartig. Aber ein wahrer Sieg ist es nicht, einen Pokal in den Händen zu halten. Ein wahrer Sieg ist es, zu wissen, dass die Welt durch dich besser geworden ist." Wie heißt der SIFE-Leitsatz? "A head for business. A heart for the world."

Die Mannheimer Gruppe hat sowohl ihren Kopf für das Unternehmertum als auch ihr Herz für die Gesellschaft im vergangenen Jahr schon bewiesen. Eines ihrer Projekte heißt "let me work", in dem die Studenten das Cateringunternehmen Littlebird gegründet haben. Die Geschäftsidee ist, dass junge Arbeitslose Berufstätigen frisch zubereitetes Mittagessen ins Büro liefern. Die Studenten wollten den Arbeitslosen so unternehmerisches Denken nahebringen, um sie besser für den Arbeitsmarkt zu qualifizieren. Anderen dabei zu helfen, wirtschaftlich auf eigenen Füßen zu stehen, das soll schließlich das Ziel aller SIFE-Projekte sein.

Auf dem Weg ins Finale

Einfacher gedacht als getan. "Den jungen Arbeitslosen fehlten grundlegende organisatorische und fachliche Fähigkeiten", berichtet Lars Christian Kehrel in der ersten Präsentationsrunde des Mannheimer Teams vor mehr als 100 Juroren und Zuschauern. Also organisierten die Studenten Trainings für die Arbeitslosen und beseitigten Finanz- und Marketingprobleme ihres Kooperationspartners, der die Arbeitslosen an Littlebird vermittelte. Nach zwei Monaten arbeitete das Unternehmen kostendeckend, inzwischen sind vier neue Stellen entstanden. Und im nächsten Jahr steht eine Expansion an. "Wir halten fünf neue Standorte für realistisch", sagt Kehrel.

Ob sie ins Halbfinale kommen, werden die Mannheimer erst am späten Nachmittag wissen. Jörg Krell, der Präsident von SIFE Deutschland und Leiter des Vorstandsstabs der Bayer AG, einer der Juroren, will vorher jedenfalls nichts verraten. "Es ist immer eine schwere Entscheidung", sagt er nur. Entscheidend sei, wie nachhaltig die Projekte seien. Schwierig werde die Bewertung vor allem dadurch, dass die Präsentationsstile der Gruppen je nach ihrer Kultur sehr unterschiedlich ausfielen und die Studenten alle mit viel Leidenschaft dabei seien.

Stoßgebete vor der Präsentation

Manche Teams umarmen sich, andere beten kurz, bevor sie die Bühne betreten. Den Mitgliedern aus Kasachstan und Swaziland kann man an dem angespannten Ernst in ihren Gesichtern ablesen, wie viel es ihnen bedeutet, auf Augenhöhe mit Studenten aus den Vereinigten Staaten oder Frankreich ihre Projekte zu präsentieren. Ihre Reise- und Verpflegungskosten für die Teilnahme müssen sie übrigens genauso selbst zahlen wie die Studenten aus der "Ersten Welt".

Viele namhafte Unternehmen unterstützen SIFE. Hier entdecke man die Führungskräfte von morgen, begründet Jörg Krell das Engagement seines Unternehmens. "Wir haben hier Zugang zu jungen Menschen, die sich unternehmerisch und sozial engagieren. Eine faszinierende und unterstützenswerte Kombination."

Der Lebenslauf ist nicht alles

"Diese Studenten tun mehr als andere", lobt auch Wolfgang Zieren, der dem Vorstand von KPMG Deutschland angehört. Das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen ist nicht nur einer der internationalen Hauptsponsoren von SIFE, in Zukunft will es auch für jedes deutsche Team einen Coach aus den eigenen Reihen zur Verfügung stellen. "Wir brauchen Hochschulabsolventen, die nicht nur Geld verdienen, sondern auch etwas für die Gesellschaft tun wollen", begründet Zieren diese Entscheidung.

Ihr gehe es nicht um den Pluspunkt im Lebenslauf, betont Luise Müller. Sie wolle Benachteiligten helfen. "Nur für den Lebenslauf wäre SIFE viel zu viel Aufwand." Im Durchschnitt fünf Stunden je Person und Woche hat das 40 Teilnehmer zählende Mannheimer Team in seine fünf Projekte investiert. Besonders bereichernd sei das Gefühl, mit seinem an der Uni gelernten Wissen etwas bewegen zu können, sagt Till Steinmaier, der wie Müller zum Präsentationsteam gehört. "Da hört man bei der nächsten Vorlesung gleich ein bisschen besser zu." In Berlin zahlt sich das Engagement aus: Die Mannheimer schaffen es tatsächlich ins Halbfinale und in die Endrunde. Auf der Bühne fallen sie sich freudestrahlend in die Arme. "Wir haben unser Ziel erreicht!", jubelt Luise Müller. "Wir sind als erstes deutsches Team auf der ganz großen Bühne!"

Idealismus für die Chefetage

Der Pokal allerdings geht am Ende nach Ägypten. Die Studenten der Französischen Universität in Kairo haben unter anderem in einem Armenviertel der Hauptstadt verschiedene Projekte auf den Weg gebracht. "Ich kann gar nicht in Worte fassen, was der erste Platz für uns bedeutet", sagt Lina Hassanein, eine zwanzigjährige Managementstudentin. Mehr als zwei Jahre hätten sie dafür gearbeitet. "Aber wir wollen den Sieg nicht für uns behalten. Wir wollen einen Unterschied in der Gesellschaft bewirken", verspricht sie.

Wird einem nicht schwindlig von so viel Heile-Welt-Idealismus? "Leute, die in der Sache 100 Prozent ihren Job beherrschen, gibt es genug", kontert Manfred Krause aus dem Vorstand der Bank HSBC Trinkaus die Frage. "Wir brauchen aber Führungskräfte, die auch die Konsequenzen ihrer Entscheidungen verstehen und verantwortungsvoll abwägen." Finanzkrise hin, Kostendruck her - nur mit dem Blick auf das Gemeinwohl sei eine langfristig erfolgreiche Strategie möglich. Stehe SIFE auf einem Lebenslauf, sagt Krause, falle eine Bewerbung deswegen mehr als positiv auf. "Die SIFE-Studenten sind die Führungspersonen von morgen."

SIFE (Students in Free Enterprise) ist eine 1975 in den Vereinigten Staaten gegründete Studentenorganisation mit 38 000 Mitgliedern an 1800 Hochschulen in 50 Ländern. Ihr Grundgedanke ist, erfolgreiches Unternehmertum mit sozialem Engagement zu verknüpfen.

Mitmachen können Studenten aus allen Fachrichtungen, unterstützt werden sie von Beratern aus der Wirtschaft. Der erste SIFE-World Cup, ein Wettbewerb der besten Projekte der Organisation, fand 2001 statt. Mehr im Netz unter: www.sife.de

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