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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Was es mit "unserem Kohlendioxid" auf sich hat

Zu "Meeresspiegel steigt so stark wie nie zuvor" (F.A.Z. vom 21. Juni): Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) hat offiziell erklärt: "Infolge der Erderwärmung steigt der Meeresspiegel heute schneller als je zuvor in den vergangenen 2000 Jahren.

Zu "Meeresspiegel steigt so stark wie nie zuvor" (F.A.Z. vom 21. Juni): Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) hat offiziell erklärt: "Infolge der Erderwärmung steigt der Meeresspiegel heute schneller als je zuvor in den vergangenen 2000 Jahren. Seit Beginn der Industrialisierung geht die Kurve ,steil nach oben'." Das PIK bezieht sich dabei auf Wissenschaftler, die an der Atlantikküste der Vereinigten Staaten Ablagerungen untersucht haben, wie diese Zeitung kürzlich berichtet hat. Widerspruch ist nötig, denn die Erklärung des PIK ist sachlich falsch.

Richtig ist, dass Wissenschaftler das Gegenteil festgestellt haben: Das "Journal of Coastal Research" berichtet im Heft 27/3 (Mai 2011) auf den Seiten 409 bis 417 (sinngemäß übersetzt): "Die weltweite Temperaturerhöhung hat während der vergangenen hundert Jahre den Meeresspiegelanstieg nicht beschleunigt, tatsächlich ist er langsamer geworden." Es gibt einen einfachen Beweis für die Unrichtigkeit der Feststellung des PIK, der Meeresspiegel sei heute "schneller gestiegen als in den vergangenen zweitausend Jahren": Sowohl im Großen Barriere-Riff als auch an den Küsten karibischer Inseln findet man trockengefallene Korallenriffe, die bis etwa 3,5 Meter über den heutigen Meeresspiegel hinausragen. Als sie sich bildeten, war der Meeresspiegel entsprechend höher. Wie schnell der Meeresspiegel in der Zeit davor gestiegen ist, ist unbekannt.

Am 23. Juni teilte das PIK in einer Presseerklärung mit, dass der Eisschild in der Westantarktis bereits gekippt sein könnte, wie im Detail in seiner Publikation "Kipp-Elemente im Klimasystem: Forscher verfeinern ihre Einschätzung", erschienen in der Fachzeitschrift Climatic Change, erläutert wird: Der ". . . gegenwärtige Zustand von sechs potentiell instabilen Regionen im Klimasystem mit großen direkten Auswirkungen auf Europa . . ." wird dort behandelt, denn "Die Wahrscheinlichkeit des Kippens dieser Elemente steigt im Allgemeinen mit dem Anstieg der globalen Mitteltemperatur, als Folge des von Menschen verursachten Ausstoßes von Treibhausgasen." Für die PIK-Autoren ist dieser kausale Zusammenhang offensichtlich unbezweifelbar, obwohl er nie bewiesen wurde und nicht beweisbar ist, während es für das Gegenteil - die Menschheit verursacht den Klimawandel nicht - belastbare Indizien und Beweise gibt - beispielsweise die, dass es wieder kühler wird und der Kohlendioxid-Gehalt trotzdem noch steigt. Dazu keine weiteren Einzelheiten, nur noch so viel: Die PIK-Erklärung liest sich wie eine Übung im Gebrauch des Konjunktivs.

Das Publikum wird mit der Nachricht geängstigt, dass das letzte Jahrzehnt das wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen sei - selbstverständlich als Folge der von uns verursachten Erderwärmung. Die Detailauswertung der Temperaturdaten ergibt ein völlig anderes Bild: Seit 1700 findet in vielen Regionen der Erde eine Rückerwärmung nach der Kleinen Eiszeit statt, die ihren bisherigen Höhepunkt etwa Mitte der neunziger Jahre hatte. In dieser Zeit sind abwechselnd mehrere Erwärmungs- und Abkühlungsphasen aufeinandergefolgt, die früheren waren oft stärker; die letzte markante Erwärmungsphase fand in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts statt, also vor der vom Menschen verursachten Produktion von CO2; und seit etwa 1998 hat in den meisten Regionen der Erde eine neue Abkühlungsphase begonnen, die noch andauert und zum Teil sehr kräftig ausfällt. Die Auswertungsergebnisse werden nach Abschluss einer umfangreichen Analyse publiziert. "Unser CO2" hatte auf diese Entwicklungen keinen bestimmenden Einfluss.

Professor Dr. Friedrich-Karl Ewert, Bad Driburg

Quelle: F.A.Z.

 
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