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Ausländische Studierende : Nach Deutschland gekommen, um zu bleiben

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Deutsche Hörsäle sind gut gefüllt - und auch bei ausländischen Studierenden wird Deutschland immer beliebter. Bild: ZB

Deutschland wird bei Studierenden aus dem Ausland immer beliebter – und die meisten wollen bleiben. Was studieren sie? Was schätzen sie an Deutschland? Und wie finanzieren sie ihr Studium?

          Nicht nur bei ausländischen Arbeitnehmern wird Deutschland immer populärer. Auch viele Studierende aus anderen Ländern wollen ihre akademischen Meriten an einer deutschen Hochschule erwerben. Rund jeder zehnte Studierende in Deutschland ist aktuell ein ausländischer Studierender. Das geht aus einer neuen Analyse hervor, die das Deutsche Studentenwerk gemeinsam mit dem Bundesbildungsministerium und dem Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) veröffentlicht hat.

          Besonders in den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) ist die Zahl der ausländischen Studierenden gewachsen: zwischen 2012 und 2016 um die Hälfte. Damit studiert rund jeder Zweite der 252.000 ausländischen Studierenden ein MINT-Fach. Absolventen dieser Fächer sind derzeit auf dem deutschen Arbeitsmarkt sehr gefragt: Aufgrund des demografischen Wandels altern die Belegschaften; der Wettbewerb der Unternehmen um junge MINT-Talente ist daher groß.

          Dazu passen Befragungsergebnisse zu den Motiven der ausländischen Studierenden, nach Deutschland zu kommen: Mehr als die Hälfte (56 Prozent) macht das nämlich wegen der Möglichkeit, nach dem Studienabschluss in Deutschland zu arbeiten, schreiben Studentenwerk und DZHW. Die Arbeitsmarktchancen werden von den ausländischen Studenten offenbar weiterhin als gut eingeschätzt.

          In Deutschland arbeiten

          Auch Befragungsergebnisse aus anderer Quelle deuten darauf hin, dass viele nach ihrem Abschluss in Deutschland arbeiten wollen: Nach einer Umfrage unter gut 4300 Besuchern der Webseite „Studying-in-Germany.org“ planen fast 70 Prozent, sich nach ihrem Studienabschluss hierzulande eine Arbeitsstelle zu suchen und für längere Zeit zu bleiben, da Deutschland in ihren Augen bessere Karrieremöglichkeiten bietet, als ihr Heimatland. Lediglich gut 16 Prozent planen, nach dem Abschluss sofort wieder nach Hause zurückzukehren. Gut 14 Prozent wollen zunächst Deutschland bereisen, bevor sie wieder in ihr Heimatland zurückkehren.

          Die Zahlen sind hoch, was auch deshalb nahe liegt, weil die Internetseite „Studying-in-Germany.org“ Teil eines internationalen Netzwerkes ist, das Studierenden aus aller Welt, die über ein Studium im Ausland nachdenken, Informationen zu den Studien- und Lebensbedingungen verschiedener Länder auf der ganzen Welt anbietet. Dort findet sich also hauptsächlich eine international ohnehin interessierte Klientel.

          Keine Studiengebühren, hohe Qualität der Lehre

          Trotzdem gibt die Befragung Hinweise auf weitere Gründe für ein Studium in Deutschland: Bei der Wahl Deutschlands als Studienstandort spielt für mehr als 35 Prozent der Befragten der Umstand, dass hierzulande häufig keine Studiengebühren gezahlt werden müssen, wenig überraschend die größte Rolle. Gut 29 Prozent gaben immerhin an, dass die hohe Qualität der Lehre an deutschen Hochschulen ausschlaggebend für ihre Wahl sei.

          Ein Fünftel der Befragten wiederum sagte, dass ihre Wahl davon beeinflusst wurde, dass viele Kurse mittlerweile auch auf Englisch angeboten werden und das wiederum auch viele andere internationale Studierende anlocke. Mehr als 15 Prozent fanden zu guter Letzt Deutschland attraktiv, weil sie es als ein schönes Land beurteilten, dass sie gerne erkunden möchten.

          Die Analyse von Studentenwerk und DZHW gibt zudem Hinweise auf die wirtschaftliche Lage der ausländischen Studierenden. Sie wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst, etwa vom Familienstand und vom angestrebten Abschluss. Drei Viertel der Studierenden (73 Prozent) sind unverheiratet und streben gleichzeitig einen Bachelor-, Master- oder traditionellen Abschluss (Diplom, Magister, Staatsexamen) an. Im Sommersemester 2016 hatten Studierende dieser Gruppe durchschnittliche Einnahmen in Höhe von 776 Euro pro Monat. Ausländische Studierende haben durchschnittlich 140 Euro weniger zur Verfügung als inländische Studierende. Etwa die Hälfte der ausländischen Studierenden arbeitet neben dem Studium.

          Nach den Befragungsergebnissen der Studenten-Infoseite sehen die ausländischen Studierenden die Möglichkeiten der Studienfinanzierung in Deutschland positiv. Mit mehr als 37 Prozent geben viele Befragte an, sich das Studium durch einen Teilzeitjob finanzieren zu wollen und diese Möglichkeit der Finanzierung an Deutschland sehr zu schätzen.

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