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Vorbereitungsjahr an der Universität Trainieren kommt vor Studieren

16.09.2011 ·  Ein kostenpflichtiges Vorbereitungsjahr an der Hochschule soll Lerndefizite bei immer jüngeren Abiturienten beheben und den künftigen Studenten Orientierung geben.

Von Birgitta vom Lehn
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Wegen der verkürzten Schulzeit kommt für viele Abiturienten die Phase der Berufsfindung zu früh; gleichzeitig klagen die Universitäten über mangelnde Grundkenntnisse in einzelnen Fächern. Ein Vorbereitungsjahr an der Universität, das dem eigentlichen Studium vorgeschaltet wird, soll Abhilfe schaffen. „Nach dem Abitur habe ich erst mal einen sozialen Freiwilligendienst in Israel gemacht. Anschließend wusste ich nicht, was ich machen sollte. Meine Interessen sind breit gestreut“, sagt die 20 Jahre alte Paula Möhlenkamp. Sie habe nur gewusst, dass sie später international arbeiten möchte. Möhlenkamp ist gerade als eine von elf Teilnehmern auf den Campus der Bremer Jacobs Universität gezogen, um dort ein „Foundation Year“ zu absolvieren. Vor einem Jahr hob die private Universität das Projekt mit 15 Teilnehmern aus der Taufe. 13 von ihnen bleiben nun und beginnen ein Bachelorstudium.

Der 18 Jahre alte Shreyans Bhandari ist einer von ihnen: Er brauchte das Foundation Year, weil er in seiner indischen Heimat nur zwölf Jahre zur Schule gegangen war, die guten amerikanischen Universitäten aber insgesamt 16 Jahre „Education“ sehen wollen, bevor man sich dort für einen Master einschreiben kann. Also hat Bhandari ein Bildungsjahr in Bremen nachgeholt. Das Foundation Year bereitet mit Sprachtraining, Grundlagenkursen in Ingenieur-, Natur- und Wirtschaftswissenschaften und intensiver persönlicher Betreuung auf das Studium vor. Billig ist das Training nicht: Zu 18.000 Euro Studiengebühren kommen 4000 Euro für Unterkunft und Verpflegung und 1000 Euro für Campus-Gebühren.

Für viele Abiturienten komme die Entscheidung, was sie studieren wollten, zu früh, sagt Antonia Gohr von der Jacobs Universität. Vielen Eltern gefalle aber auch nicht, wenn ihre Kinder ein Jahr mit Reisen und Trödeln zubrächten. So bezahlten sie lieber ein Vorbereitungsstudium, in dem man schon Credit Points für das anschließende Studium sammeln könne. „Viele sind einfach noch sehr jung, wenn sie Abitur machen. Mit der verkürzten Schulzeit wird sich die Situation weiter verschärfen. Und in den neuen strukturierten Studiengängen kann man dann nicht mehr groß herumprobieren“, erläutert Gohr. Hinzu komme, dass oft die Englisch- und Mathekenntnisse der Abiturienten nicht ausreichten. Viele unterschätzten, dass man selbst in Sozialwissenschaften gute Mathematikkenntnisse benötige. „Die osteuropäischen Absolventen kommen mit einer hervorragenden Matheausbildung zu uns. Sie sind im Schnitt ein bis zwei Jahre weiter.“ Auch seien sie meistens „erstklassig“ auf die internationale Aufnahmeprüfung SAT vorbereitet, die an amerikanischen Universitäten verlangt wird.

„Studium naturale“

An der TU München gibt es ein ähnliches Angebot wie in Bremen: das einjährige „Studium naturale“. Einen Zusammenhang mit der Schulzeitverkürzung sieht man an der Isar aber nicht. TU-Vizepräsident Peter Gritzmann begründet die Einführung des vor einem Jahr etablierten Projekts so: „Viele Schüler, die in der Oberstufe Naturwissenschaften abgewählt oder ein altsprachliches Gymnasium besucht haben, erhalten mit dem Studium naturale die Möglichkeit, ihre Chancen auf ein naturwissenschaftliches Studium zu verbessern.“ Das Schnupperjahr bietet eine intensive Grundlagenvermittlung in Physik, Biologie, Chemie und Mathematik und kostet 1000 Euro. Im nächsten Jahr will die TU auch ein „Studium technikum“ anbieten.

Im ersten Jahrgang gab es im Studium naturale 26 Teilnehmer. Mit dem doppelten Abiturjahrgang in diesem Sommer schnellte die Bewerberzahl auf 150 hoch. 100 von ihnen erhalten einen Zuschlag. „Wer einen Abiturdurchschnitt von mindestens 2,5 hat, kommt in die Lostrommel,“ erklärt Gritzmann. Das Vorbereitungsjahr sei ein Trend, der Markt sei da, sagt Gohr von der Jacobs Universität. „Die Unis füllen die Lücke zwischen Schule und Studium mit kostenpflichtigen Programmen.“ An den staatlichen Schulen war das 13. Schuljahr freilich kostenlos.

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