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Vorbereitung aufs Berufsleben Bachelors machen mehr Arbeit

30.09.2010 ·  Die Fähigkeiten der Bachelor-Absolventen werden von Arbeitgebern schlechter bewertet als die ihrer Diplom-Kollegen. Sie brauchen mehr Einarbeitung, haben aber ähnlich gute Karrierechancen.

Von Lisa Becker
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Seit einigen Jahren wird heftig diskutiert, ob die Absolventen der Bachelorstudiengänge schlechter auf das Berufsleben vorbereitet werden als diejenigen Akademiker, die noch ein Diplom gemacht haben. In der Öffentlichkeit herrscht der Eindruck vor, dass Bachelorabsolventen im Nachteil sind. Eine nun durchgeführte Befragung des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln unter Unternehmen, die Bachelors eingestellt haben, gibt weiteren Aufschluss.

Den Unternehmen war es besonders wichtig, dass sich Berufseinsteiger gut in neue Fachgebiete einarbeiten können und dass sie an der Hochschule erworbenes Wissen auf neue Probleme anwenden können. Doch äußerten sich viele mit Blick auf beide Kompetenzen kritisch, am schlechtesten schätzten sie die Fähigkeit der Berufseinsteiger ein, ihr Wissen im Beruf anwenden zu können. Sieben von zehn Befragten waren mit den Bachelorabsolventen in dieser Hinsicht unzufrieden, gut 20 Prozent sahen sogar sehr große Lücken. Nicht besonders positiv war auch das Urteil darüber, wie gut es den Berufseinsteigern gelingt, sich in neue Fachgebiete einzuarbeiten: Die Hälfte war unzufrieden. Das lässt aufhorchen. Denn nach einer Befragung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages sind Defizite in diesen Bereichen der Hauptgrund, warum sich jedes dritte Unternehmen schon in der Probezeit von Jungakademikern wieder trennt.

Kommunikation und selbständiges Arbeiten mangelhaft

Von zentraler Bedeutung sind für die Unternehmen die sozialen Kompetenzen („soft skills“). Besonders schlecht schätzten sie die Fähigkeit ihrer neuen Mitarbeiter ein, Probleme zu lösen. Unzufrieden waren sie auch mit ihrer Kommunikationsfähigkeit und der Fähigkeit zum selbständigen Arbeiten. Am positivsten schätzten sie die Kooperationsfähigkeit ein, doch überwogen auch hier die unzufriedenen die zufriedenen Stimmen, zumindest leicht.

Doch war man mit Absolventen von Diplomstudiengängen zufriedener? Nach IW-Angaben legen Studien nahe, dass die Situation nicht viel besser war und dass es ähnliche Defizite gab. Andererseits gaben viele Unternehmen in der jetzigen Befragung an, dass die Einarbeitung der Bachelorabsolventen aufwendiger ist als die Einarbeitung der Diplomabsolventen. Selbst unter den Unternehmen, die mit den Fachkompetenzen der Neuen recht zufrieden sind, waren es rund 40 Prozent.

Bachelor-Absolventen haben keine schlechteren Gehalts- und Karrierechancen

Die Fähigkeiten der Bachelors werden offensichtlich etwas schlechter bewertet. Das führt aber nicht dazu, dass sie schlechtere Einstiegs-, Verdienst- und Aufstiegsmöglichkeiten haben als Akademiker mit einem Diplom; auch das zeigt die Umfrage. So ist das Einstiegsgehalt ähnlich hoch. Fast 40 Prozent der Absolventen technischer Studiengänge verdienten zum Einstieg zwischen 40.000 und 50.000 Euro, die Hälfte zwischen 30.000 und 40.000 Euro. Von den Absolventen in den Wirtschaftswissenschaften verdienten 63 Prozent zwischen 30.000 und 40.000 Euro und 23 Prozent zwischen 40.000 und 50.000 Euro. Dass die Absolventen der neuen Studiengänge keine schlechteren Gehalts- und Karrierechancen haben, könnte nach Ansicht der IW-Ökonomen an dem zum Teil schon existierenden Mangel an Fachkräften liegen, aber auch daran, dass die Unternehmer eher auf das Entwicklungspotential neuer Mitarbeiter achteten als auf die Defizite beim Berufseinstieg.

Einen guten Einblick in den Berufsbeginn gibt auch eine Befragung des Darmstädter Beratungsunternehmens Univativ unter 1000 jungen Akademikern, die Hälfte Diplomabsolventen. Gut 60 Prozent sagten, dass sie ins kalte Wasser geworfen wurden. Arbeitstechniken, Methoden- und Fachwissen erwiesen sich für viele als unzureichend. Über Einarbeitung oder ein Coaching zu Berufsbeginn berichteten nur wenige. Ihre wichtigste Empfehlung: Neben dem Studium so viel Praxisluft schnuppern wie möglich. Auch raten sie zu einem Auslandsaufenthalt und zum Aufbau eines beruflichen Netzwerkes schon im Studium.

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Jahrgang 1966, Redakteurin in der Wirtschaft

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