03.06.2010 · Die Kritik an der verkürzten Gymnasialzeit reißt nicht ab. Fachleute fordern, besser in der Oberstufe als in der Mittelstufe zu kürzen. Außerdem sorgen sie sich um die Mathematikkenntnisse der G8-Schüler.
Von Lisa BeckerRichtlinien für Lesermeinungen
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Wenn man es schon ökonomisch begründen muß ...
... dann sollte man ganz einfach mit 4 Jahren einschulen. Dann könnten Eltern wieder früher einer Arbeit nachgehen und die Schüler würden sehr viel früher zum Abitur gelangen.
Unsere Kürzungsversuche klappen alle nicht
viereggtext: Die Bildungslage ist verheerend, besonders in ländlichen Gebieten. Es sind so viele Ausfälle offensichtlich, dass man manchmal fragt, wié es sein kann, dass einer in der 11. Gym ist und immer noch nicht M, D, E, F kann. Also hilft unserem System die reduzierte Bildung gar nicht. Spätestens beim Bachelor wird klar, dass zu wenig gewusst wird. Auch dort will man wieder aufstocken. Unser System ist nicht konstruiert, um ebenmal schneller und besser zu werden. Das ginge nur mit enormer Strenge inklusive steigender Unmut auf der Straße. Und das will keiner.
Internationale Vergleichbarkeit
Die Autorin schreibt, dass es doch auch "in anderen Ländern funktionier[e] die Schüler nach zwölf [...] Jahren zum Abitur zu führen." Sie übersieht dabei, dass die deutsche gymnasiale Oberstufe zumindest zu G9-Zeiten Funktionen erfüllte, die in vielen anderen Ländern erst im ersten Studienjahr geleistet werden. Amerikanische Kollegen berichteten uns regelmäßig, dass das, was sie in Deutschland im Leistungskurs beobachteten, in den USA in der Regel erst am College denkbar sei. Ähnliche Berichte gab es von Kollegen, die Unterrichtserfahrung in Frankreich, Italien und England sammelten, ebenso von Schülern, die ein Auslandsjahr absolviert haben.
Will man also die mit Macht die Oberstufe in Deutschland inhaltlich abspecken, muss man sich auch klar machen, dass die dadurch entfallenden Inhalte künftig von den Universitäten aufzufangen sind.
Klein Fritzchen steigert das Brutto-Sozialprodukt...
Also wenn ein Jahr weniger Ausbildungszeit, das Brutto-Sozialprodukt steigert, dann müssten zwei Jahre weniger einen noch größeren Geldregen auslösen; usw. Ich denke, das Modell (steckt überhaupt eins dahinter?) was zu der Meinung führt, das schnellere Bildung zu mehr materiellem Wohlstand führt, die Wirklichkeit zu stark vereinfacht - eine Klein-Fritzchen-versucht-zu-denken-Modell. Es ist so einfach gestrickt, dass es zu gar nichts taugt. Alle Schlüsse die man aus so einem Modell zieht, könnte man genauso gut aus einer Kristallkugel ziehen.
Eigentlich ist es aber egal, ob das Modell was taugt oder nicht. Die eigentliche Frage ist, ob wir funktionierende Arbeitsmaschinen Marke China züchten wollen oder ob unsere Gesellschaft sich auf ihre Stärken besinnen sollte und kreative, selbstbewusste Persönlichkeiten in den globalen Wettbewerb entlassen will.
Deutschland und Europa werden nicht mit 0815-Massenware von 0815-Angestellten und -Arbeitern aus 0815-Schulen die Märkte der Welt erobern. Dazu braucht es mehr als Durchschnitt und deswegen muss die Qualität der Bildung im Vordergrund stehen. Gestresste Kinder und Jugendliche sind nicht glücklich und das ist wohl eine schlechte Voraussetzung für qualitativ hochwertige Bildung.
Was ich bei dieser ganzen Aufregung nicht verstehe ist, dass sich bei der Umsetzung von G8 in Hessen, Bayern, etc. anscheinend niemand auf die Erfahrungen der Bundesländer hinsichtlich Lehrpläne usw. gestützt hat, die schon immer ein G8 hatten.
In Sachsen und Thüringen gab es seit 1990 und auch davor keine 13. Klasse. Ich selbst habe ein G8 durchlaufen und bin weder schlechter in Mathe gewesen als meine Kommilitonen aus G9-Ländern (eher im Gegenteil), noch hatte ich Probleme damit, im Alter von 13 bis 14 Uhr (Ende 7. Stunde) zu lernen oder ggf. eine Klassenarbeit zu schreiben.
Es wird immer wieder beklagt, dass Schulabgänger nicht arbeitsfähig seien. Ja, meine Güte, wer sein Leben lang mittags um 12 aus der Schule heimkam, für den ist ein 8- Stunden-Arbeitstag natürlich eine gehörige Umstellung!
Auch verstehe ich die Aufregung um Nachmittagsunterricht (wohl bemerkt - länger als bis 15 Uhr ging es bei mir nie) vs. Freizeit nicht. Erstens ist es so, dass man schon auch etwas tun muss für den höchsten Schulabschluss in diesem Land und zweitens kann ich aus der eigenen Erfahrung sagen, dass wir das in Sachsen auch ohne Murren, psychische Schäden und mit einer sehr erfüllten Freizeit neben der Schule hinbekommen haben.
Auch Schueler muessen ihren Beitrag leisten
Ein wesentlicher Punkt gegen G8 sei, dass die Kinder einen grossen Stress erleiden. Nun, ich lebte als Schueler in Sueddeutschland wo die Schulwelt angeblich in Ordnung sei und habe dort ein Abitur gemacht. Ich erinnere mich noch sehr gut, dass ich sehr viel Freizeit hatte. Ein wenig mehr Unterricht haette meine Psyche nicht beschaedigt.
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Als Vater liegen mir derzeit 4 Kinder auf der Tasche. Zwei meiner Kinder machen G9. Ich habe nicht den Eindruck das diese ueberlastet sind. Eine Verkuerzung dieser Zeit um 1 Jahr waere fuer mich eine finanzielle Entlastung.
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Demzufolge unterstuetze ich die Reform des Gymnasiums auf 12 Jahre. Es muss allerdings sichergestellt sein, dass man den Schulstoff und Unterricht sinnvoll auf diese Zeit anpasst. Das heisst mehr Schulstunden/je Zeiteinheit zum Erlernen des gleichen Lehrinhalts. Fuer die Staatshaushalte sollte dies eigentlich keine wesentliche Ersparnis sein.
Vandale