13.03.2007 · Amerikanische Unternehmen werben immer aggressiver um Hochschulabsolventen. Das treibt die Einstiegsgehälter in Rekordhöhen von fast 190.000 Dollar.
Wer in den Vereinigten Staaten auf einen MBA-Abschluss (Master of Business Administration) zusteuert, kann sich vor Stellenangeboten kaum retten: Die Personalverantwortlichen von Goldman Sachs Group, Citigroup und anderen Banken sind so aggressiv wie Football-Profis, berichtet Chris Eitzmann, der im Mai seinen Abschluss an der Tuck School of Business des Dartmouth College machen wird. „Wenn man erst einmal ein Angebot erhalten hat, rufen sie drei- oder viermal am Tag an“, sagt er. „Sie wollten sogar mit meiner Frau sprechen.“
Der heftige Wettbewerb um die frischgebackenen MBA treibt auch die Einstiegsgehälter in die Höhe: wer einen Abschluss der renommierten Harvard Business School in der Tasche hat, verdient im ersten Arbeitsjahr durchschnittlich 186.174 Dollar, ein Abschluss an der Graduate School of Business der Stanford University bringt im Schnitt 183.000 Dollar jährlich. Die Gehälter und Eintrittsprämien für MBA-Absolventen erreichten im vergangenen Jahr ein Rekordhoch, sagt Bob Ludwig, Sprecher des Graduate Management Admission Council in McLean, Virginia. Im Schnitt erzielten die Absolventen ein Gehalt von 92.360 Dollar und erhielten für die Unterzeichnung ihres Arbeitsvertrags einen Bonus von 17.603 Dollar. Dazu kommen noch Mitarbeiteraktien und ähnliche Vergünstigungen.
Unternehmen sind am Campus präsent
„Für MBAs ist jetzt eine richtig gute Zeit“, kommentiert Andy Chan, stellvertretender Dekan und Direktor des MBA Career Management Center in Stanford bei Palo Alto in Kalifornien. Inzwischen begrenzen die Universitäten bereits die Zahl der Anwerbeveranstaltungen, die potentielle Arbeitgeber auf dem Universitätsgelände durchführen dürfen. „Die Unternehmen sind auf dem Campus viel mehr präsent“, erklärt Roxanne S. Hori, Direktorin der Berufsberatung für Absolventen der Kellogg School of Management an der Northwestern University in Evanston, Illinois. Banken und Beratungsgesellschaften seien besonders aktiv, führt sie aus. An der Wharton School der University of Pennsylvania haben manche Unternehmen innerhalb von zwei Monaten jeweils zehn bis 15 Veranstaltungen abgehalten, berichtet Michelle Antonio, Leiterin der Berufsberatung an der Universität. Deswegen gestattet die Wharton School jetzt nur noch drei Veranstaltungen im akademischen Jahr. „Wir wollten den Eindruck einiger Studenten korrigieren, die meinten, sie müssten alle 15 Veranstaltungen eines Unternehmens besuchen, um ihr Interesse an dem Arbeitgeber zu zeigen“, sagt Antonio. Das hat die Personalabteilungen dazu getrieben, nun gemeinsam mit Studentenvereinigungen Veranstaltungen aufzuziehen. Einige Unternehmen belegen bereits Tische bei der Coffeeshop- Kette Starbucks, um dort bei einem Kaffee um neue Mitarbeiter zu werben, beschreibt Hori. Citigroup verbindet gesellschaftliche Ereignisse mit Weiterbildung, wie beispielsweise Fallstudien.
70 Banker werben um 400 Studenten
„Wir kamen zu dem Schluss, das es wichtig ist, dass unsere Veranstaltungen auch für die Weiterbildung etwas bringen, dann stellen sie auch für die Studenten einen Wert dar“, erklärt Caitlin McLaughlin, weltweite Leiterin Personalbeschaffung für den Bereich Märkte und Bankgeschäft bei Citigroup. Zu Veranstaltungen auf dem Campus der Wharton School mit 300 bis 400 MBA-Studenten schickt Citigroup bis zu 70 Banker. Richard Schmalensee, Dekan der Sloan School of Management am Massachusetts Institute of Technology in Cambridge, Massachusetts, sieht die Jagd nach MBA-Absolventen als Beispiel, wie Angebot und Nachfrage einen Markt bestimmen. „Die Nachfrage nach solchen Talenten ist raketenartig in die Höhe geschossen“, bestätigt Paul Danos, Dekan der Tuck School an der Universität Dartmouth in Hanover, New Hampshire.
Wow!
Daniel Spalthoff (dspalthoff)
- 14.03.2007, 11:16 Uhr