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Unternehmensgründer : Obstbrei mit Lifestyle-Charakter

Inga Koster, Marco Knauf und Nicolas Lecloux (v.l.) sind die Gründer von True Fruits in Bonn Bild: Edgar Schoepal

„Keiner konnte sich vorstellen, dass jemand diesen Babybrei trinkt“, erzählen die drei Studenten, die das Fruchtsaftgetränk Smoothie zu ihrem Erfolg gemacht haben: Eine Studentenklitsch auf dem Weg in die Gewinnzone.

          Der erste Smoothie war harte Arbeit: Wochenlang pressten und pürierten die drei Studenten der Betriebswirtschaftslehre Inga Koster (29 Jahre), Marco Knauf (30) und Nicolas Lecloux (27) zu Hause kistenweise Obst. So lange, bis ihr dickflüssiger Obstsaft die gewünschte sämige Konsistenz besaß und gut schmeckte. Die Zutaten: eine halbe pürierte Banane, 13 gemahlene Himbeeren, 7 gemahlene Brombeeren, 22 gemahlene Heidelbeeren, Saft von einer halben Orange und einem Apfel. Das war der Anfang. Heute verkaufen die drei jeden Monat 500 000 kleine Flaschen mit Fruchtmus und beschäftigen 12 Mitarbeiter. Ihre Marke True Fruits gilt unter den als Smoothies bezeichneten Saftgetränken als Marktführer an Tankstellen, Flughäfen, Kiosken und Kantinen. Und kann mit so großen Namen wie Chiquita, Knorr, Schwartau, Valensina, Granini, Bauer (Mövenpick) und der britischen Innocent mithalten.

          Christine Scharrenbroch

          Freie Autorin im Wirtschaftsteil.

          Gestartet ist True Fruits als Studentenklitsche, wie Knauf in den gelb gestrichenen Büroräumen in einer ehemaligen Tapetenfabrik in Bonn-Beuel kokett formuliert: "Am Anfang wussten wir gar nichts." Während eines Auslandssemesters in Schottland waren Koster und Knauf auf das Kultgetränk gestoßen und zu regelmäßigen Abnehmern geworden. Knauf, seit seiner Jugend Abonnent der Zeitschrift "Die Geschäftsidee", witterte seine Chance, da Smoothies (das englische Wort bedeutet so viel wie geschmeidig, sämig, weich) zu der Zeit in Deutschland noch nicht angeboten wurden. Zurück an der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg, überzeugten die BWL-Studenten einen Professor, dazu ein Forschungsprojekt ins Leben zu rufen. Biologie- und Chemiekommilitonen wurden mit ins Boot geholt.

          Ein zäher Beginn

          Ein Semester lang entwickelten sie Rezepte, bestimmten pH-Werte, kontaktierten Glashütten und klärten Fragen zur Unternehmensgründung. Eine Grafikstudentin entwarf die elegante Glasflasche, die 2007 den internationalen Verpackungspreis World Star gewonnen hat. Am schwierigsten gestaltete sich die Suche nach einem Abfüller: "Keiner konnte sich vorstellen, dass jemand diesen Babybrei trinkt." Die meisten Hersteller hielten das Getränk für zu teuer, wollten es mit Wasser verlängern. Nach vielen vergeblichen Kontakten stießen sie bei der Streker Natursaft GmbH in Groß-Aspach bei Stuttgart auf Interesse.

          Mit dem im Rahmen ihrer Diplomarbeit entwickelten Business-Plan gewann Koster bei einem Wettbewerb den zweiten Platz. Durch die Presseberichte wurde ein Bonner Unternehmer auf das Projekt aufmerksam. Gemeinsam mit einem Freund stellte er 150.000 Euro als Startkapital zur Verfügung, 100.000 Euro gab eine Sparkasse. Im Juni 2006 gründeten Koster, Knauf und Lecloux die True Fruits GmbH, im November brachten sie Smoothies in vier Geschmacksrichtungen auf den Markt - und mussten sich gleich mit Abmahnungen der Konkurrenz herumschlagen. Der Grund: Die Kennzeichnung auf der Flasche war laut Fruchtsaftverordnung einen Millimeter zu klein geraten.

          Vor allem aber prallten sie zunächst überall ab. Bei den großen Handelsketten wurden sie gar nicht erst vorgelassen. Durch private Kontakte plazierten sie ihr Produkt schließlich bei einem Bonner Rewe-Supermarkt. Die Fläschchen verkauften sich glänzend. Nach und nach kamen weitere selbständige Rewe-Händler dazu, die Koster, Knauf und Lecloux anfangs alle einzeln und später mit dem Logistikunternehmen Dachser belieferten. Als es mehr als hundert waren, erklärte sich die Rewe-Zentrale bereit, das Produkt ins Sortiment aufzunehmen. Ähnlich lief es auch bei den Aral-Tankstellen. Dass die Kunden bereit sind, zwischen 2,49 Euro und 3,99 Euro für einen Viertelliter Obstpüree auszugeben, liegt laut Koster am Stil des Produkts. Das moderne Design mache den Smoothie zu einem Lifestyle-Getränk. Hauptzielgruppe seien junge Berufstätige, die sich in der Mittagspause etwas Gutes tun wollen.

          Mehr Wettbewerb erwartet

          An der Fortsetzung des Smoothie-Trends hegen die jungen Gründer keinen Zweifel, rechnen aber auch mit noch mehr Wettbewerbern. Trotzdem prophezeit Knauf selbstbewusst: "Wir werden uns in den nächsten Jahren locker verdreifachen." In diesem Jahr klettert die Zahl der verkauften Flaschen von 2,5 Millionen auf 7 Millionen. Auch in Österreich und der Schweiz ist das Fruchtgetränk im Handel. Die Gewinnzone soll True Fruits Ende dieses Jahres erreichen.

          "Wir haben immer weitergemacht, obwohl wir oft nicht wussten, wie der nächste Schritt sein würde", sagt Knauf mit sichtlichem Stolz. Bei Rückschlägen habe einer den anderen aufgemuntert. Sein jetziges Arbeitstempo allerdings könne er "höchstens noch fünf Jahre durchhalten". Gerade ist der Vertriebs-Geschäftsführer wieder auf der Suche nach weiteren Mitarbeitern. In die Szenekneipen, in denen seine Smoothies geschlürft werden, kommt er daher nur selten.

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