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Veröffentlicht: 02.08.2009, 07:00 Uhr

Uni oder FH Der ewige Zweikampf

Uni oder FH, wer ist stärker? Der Bologna-Prozess lässt den Unterschied zwischen den Hochschularten verschwimmen. Gleich sind sie deshalb aber noch lange nicht.

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© F.A.Z. / Tresckow

Nur eine halbe Stunde zu Fuß sind die Büros von Karsten Weihe und Katja Lenz voneinander entfernt, einmal quer durch die Darmstädter Innenstadt. Fachkollegen sind die beiden Professoren überdies: Weihe lehrt Informatik an der Technischen Universität, Lenz an der Fachhochschule, die wie viele andere ihrer Art inzwischen die Vorsilbe „Fach-“ aus ihrem Namen gestrichen hat. Und im Nachhinein will Weihe es auch nachbarschaftlich-freundschaftlich gemeint haben, was er auf einer Podiumsdiskussion, an der beide Wissenschaftler im Frühjahr teilnahmen, über die beiden Bildungsstätten zu bemerken hatte. Aber deutlich genug waren seine Worte: „Dass die Bachelor-Abschlüsse kaum vergleichbar sind“, sagte Weihe, „sehen wir an den Absolventen der Hochschule Darmstadt, die dann bei uns im Master-Studium scheitern.“ Das saß. Lenz, die zuvor in die entgegengesetzte Richtung argumentiert hatte, versuchte gar nicht erst zu kontern. Plötzlich schien alles wieder so zu sein wie früher.

Sebastian Balzter Folgen:

„Die Fachhochschulen hatten immer einen Minderwertigkeitskomplex gegenüber den Universitäten“, analysiert der Soziologe Dirk Kaesler, ein kritischer Beobachter des deutschen Hochschulsystems, das Verhältnis. Anfangs mussten die seit dem Ende der sechziger Jahre entstandenen Fachhochschulen, deren Vorläufer auf einzelne Berufe zugeschnittene Schulen waren, tatsächlich heftig um ihre Anerkennung als akademische Lehr- und Forschungsstätten ringen.

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Neidisch blickten viele von ihnen auf den großen Bruder Uni, der ihnen seinerseits oft mit Geringschätzung begegnete; die bessere Besoldung der Uniprofessoren und ihr geringeres Lehrdeputat verschärften das Ungleichgewicht. Doch nicht zuletzt die parallele Einführung der Bachelor- und Master-Studiengänge an beiden Hochschularten und der an vielen FHs vollzogene Schwenk zum englischen Titel „University of Applied Sciences“ haben die Außenwahrnehmung verändert. „Von außen kann man heute fast keinen Unterschied mehr erkennen“, sagt Kaesler. Und das Kräfteverhältnis hat sich in mancher Hinsicht sogar gedreht.

Infografik / Studenten Absolventen / Uni und FH im Vergleich © F.A.Z. Vergrößern

Promotionsrecht bleibt Fachhochschulen vorenthalten

Zwar entscheidet sich immer noch die Mehrzahl der rund 300.000 Studienanfänger je Wintersemester für eine der gut 100 Universitäten im Land. In manchen Fächern wie den Ingenieurwissenschaften allerdings haben die fast 200 deutschen Fachhochschulen ihnen den Rang abgelaufen. Und als die Online-Plattform MeinProf.de ihre Nutzer vor zwei Jahren zum ersten Mal über ein „Hochschulranking für Lehrqualität“ abstimmen ließ, gingen die drei ersten Plätze allesamt an Fachhochschulen: Aschaffenburg, Koblenz und Landshut hießen die Gewinner. Zur Neuauflage im vergangenen Jahr gingen 310.000 Bewertungen ein, abermals lag die FH Aschaffenburg ganz vorn. „Jetzt kann ich nachvollziehen, wie sich ein Trainer fühlt, dessen Mannschaft die olympische Goldmedaille gewonnen hat“, sagte ihr Präsident Wilfried Diwischek nach der Bekanntgabe der Ergebnisse.

Doktorhüte aber darf der Meistertrainer aus Mainfranken nach wie vor nicht verteilen: Das Promotionsrecht bleibt Fachhochschulen vorenthalten, daran ändern die von Land zu Land unterschiedlichen Promotionszugänge für FH-Absolventen und einzelne Kooperationen zwischen Uni- und FH-Professoren nichts. „Außerhalb der Universitäten gibt es keine Promotionen“, hält Bernhard Kempen, der Präsident des Deutschen Hochschullehrerverbands, die Position dieser Interessenvertretung der Universitätsprofessoren fest. „Punkt.“ Eine Rangfolge will er damit aber nicht verbunden sehen. „Die Hochschularten stehen nicht über- oder unter-, sondern nebeneinander, den unterschiedlichen Begabungen der Studenten entsprechend“, sagt Kempen, der in Köln Jura lehrt. Dass die Fachhochschulen den Abstimmungen zufolge die Bedürfnisse ihrer Studenten besser im Blick haben als die Unis, beunruhige ihn zwar nicht, sagt Kempen. „Aber es beschäftigt uns schon. Wir arbeiten daran.“

Unis können sich bei den FHs so manches abschauen

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