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Uni-Klausuren am Computer : Geklickt, getippt, bestanden

Hohe Konzentration: So lösen in Mainz Studierende Klausuren am Bildschirm Bild: dpa

Universitäten lassen ihre Studenten immer öfter Prüfungen am Computer lösen. Das spart Korrekturzeit und das Entziffern unleserlicher Handschriften. Es birgt aber auch ganz neue Risiken.

          Die Stimmung ist angespannt. Achtzig Hände ruckeln an den Computermäusen, legen Konzeptpapier zurecht, greifen noch kurz zur Mineralwasserflasche. Die studentische Hilfskraft mit den blau-grün gefärbten Haaren geht von Rechner zu Rechner, dreht hier noch mal am Bildschirm, dort noch mal am Kabel. „Geht es Ihnen allen gut?“, fragt vorn der Dozent, und nach zustimmendem Gemurmel: „Dann geben Sie jetzt Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein.“

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Im Raum N33 an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz beginnt gerade die Klausur „Öffentliche Finanzen“. Es ist eine von rund 64.000 schriftlichen Prüfungen zum Ende des Semesters an der Hochschule. Und es ist eine von rund 16.000 Klausuren, die in Mainz mittlerweile in elektronischer Form ablaufen, eine sogenannte E-Klausur. Das bedeutet: Die Fragen kommen nicht auf Papier zu den Prüflingen, sondern über den Uni-Server. Im Klausurraum sitzt jeder Student vor einem Bildschirm und gibt seine Antworten über Tastatur und Maus ein. Jeder Prüfling erhält die Aufgaben in einer unterschiedlichen Reihenfolge, um die Gefahr des Abschreibens zu minimieren. Wikipedia, Google, E-Mail-Programme oder sonstige externe Internetseiten funktionieren während der Prüfung nicht - die Systeme der Uni sperren all das.

          Dass Klausuren nicht mehr mit Papier und Stift, sondern vor dem Bildschirm bestritten werden, ist an manch fortschrittlicher Hochschule gängige Praxis geworden. Mainz gehört mit einem E-Klausuren-Anteil von rund einem Viertel dazu, auch Bremen, eine der Hochschulen, die schon sehr früh auf dem Gebiet experimentierten, bringt es auf rund 16 Prozent Prüfungen vor dem Bildschirm. Andere große Universitäten sind noch nicht ganz so weit. Köln beispielsweise kommt auf weniger als 10.000 elektronische Prüfungen im Jahr - nicht gerade viel für eine Universität mit rund 50.000 Studierenden, die je mindestens vier Klausuren jährlich schreiben. Die Uni Hamburg hat gar ein Projekt zur großflächigen Umsetzung von E-Klausuren vor drei Jahren wieder eingestampft. „Eine Umfrage bei den Fakultäten brachte damals überhaupt keine gute Resonanz“, berichtet der dortige Uni-Vizepräsident Holger Fischer. „Die Fakultäten wollten lieber ihr Papier behalten. Da haben wir das Vorhaben nicht weiterverfolgt.“ Schließlich wären die Ausgaben für neue Prüfungs-PCs und Räumlichkeiten sechsstellig gewesen, schätzt Fischer, dazu hätte er dauerhaft zwei zusätzliche Stellen schaffen müssen. Trotzdem hofft er, dass sich unter den Professoren in Zukunft die Meinung zu den E-Klausuren dreht. „Denn eigentlich bringt eine traditionelle Papierklausur überhaupt keine Vorteile.“

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