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Uni-Forscher : Der lange Weg zu Lisa-H

Beschwörung des Erfindergeistes: Hessens Wissenschaftsminister Boris Rhein bei den Frankfurter Biophysikern. Bild: Wonge Bergmann

Ob Messgerät für Blutverdünner oder Satellitenantenne aus Flüssigkristall: Uni-Forscher haben immer wieder Ideen, die kommerziell verwertbar sind. Bis ein Produkt marktreif ist, kann allerdings ein Jahrzehnt vergehen.

          Lisa-H steht auf einem Tisch im Seminarraum des Instituts für Biophysik und lässt ihre Vorfahren alt aussehen. Lisas Großmutter, zehn Jahre älter als sie selbst, ist ein Laptop, der an eine klobige graue Messeinheit gekoppelt ist. Die Software für dieses Versuchsgerät hat ein Student geschrieben, der sonst Computerspiele programmierte. Aber Lisas Großmutter hat ihren Job gut gemacht. Bei 50 Herzoperationen hat sie die Konzentration des Gerinnungshemmers Heparin im Blut der Patienten bestimmt – und somit bewiesen, dass diese Technik es wert ist, weiterentwickelt zu werden.

          Sascha Zoske

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Also machten sich die Frankfurter Biophysiker daran, Lisas Mutter zu konstruieren. Dafür gab es Geld vom Land Hessen, das die „Veredelung“ von Patenten aus seinen Hochschulen finanziell fördert. Lisas Mutter sieht schon wesentlich mehr nach einem Medizingerät aus: ein weißer Kasten, in den ein Display und die Technik für die optische Analyse der Blutprobe integriert sind. Lisa-H, die Endversion, ähnelt von außen ihrer Mutter, ist aber nur noch halb so groß. Um zu diesem marktreifen Produkt zu kommen, arbeiteten die Uni-Forscher mit der Firma Franz Köhler Chemie zusammen. Seit Anfang 2016 ist Lisa-H zugelassen.

          Werner Mäntele hat die drei Geräte-Generationen aufstellen lassen, um zu zeigen, wie aus einem wissenschaftlichen Versuchsaufbau alltagstaugliche Technik wird. Der Biophysik-Professor ist überzeugt, dass Lisa-H den Herzchirurgen eine wertvolle Hilfe sein wird. Bisher dosierten Ärzte bei Eingriffen das Medikament Heparin, das Blutgerinnsel verhindert, mehr oder minder nach Gefühl. Würden dabei Fehler gemacht, könne das für den Patienten sehr gefährlich werden. Mit Lisa-H sei bei der Heparin-Gabe eine „Punktlandung“ möglich; Notoperationen wegen Nachblutungen ließen sich dadurch verhindern. Für ungefähr 5000 Euro wird das Messgerät zu haben sein. Die Entwicklungskosten schätzt Mäntele auf 500.000 bis 750.000 Euro. Für neue Medizintechnik sei das sehr wenig, fügt er hinzu. „Normal sind fünf bis 50 Millionen.“

          Eine Million für einen Patentverbund

          Hessens Wissenschaftsminister Boris Rhein (CDU), der sich Mänteles Entwicklung in der Goethe-Uni vorführen ließ, möchte noch öfter Geschichten wie die von Lisa-H hören. Das Land stellt deshalb rund eine Million Euro für einen Patentverbund zur Verfügung, in dem sich hessische Hochschulen gemeinsam um die Vermarktung ihrer Erfindungen bemühen. Bis Ende 2019 sollen mit dem Geld maximal 40 Projekte unterstützt werden, aus denen markttaugliche Anwendungen hervorgehen könnten. Koordiniert wird der Verbund von der Uni Kassel. Deren Kanzler Oliver Fromm lobt die Vorreiterrolle, die Hessen mit dieser Förderung einnehme: „Das bietet kein anderes Bundesland.“ Fromm weiß, wie schwer es ist, aus einer Idee ein Patent und schließlich ein Produkt zu machen. Wenn eine Uni für eine Patentanmeldung zahle, sei das eine „hoch risikoreiche Investition“. Lohnen könne sie sich, wenn die Hochschule später von Lizenzeinnahmen profitiere.

          Bevor überhaupt Geld fließt, müssen die Wissenschaftler den Mut aufbringen, sich selbst als Erfinder zu sehen. „Die Leute legen die Latte oft zu hoch“, meint Deniz Bayramoglu, Leiter des Patent- und Innovationsmanagements der TU Darmstadt. Dabei müsse man kein zweiter Leonardo da Vinci sein, um den Gedanken an ein Patentverfahren zu wagen. Auch „Mini-Verbesserungen“ an Produkten oder Methoden könnten sich kommerziell lohnen.

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