http://www.faz.net/-gyl-94bw4

Umzug für immer : Erst Auslandsstudent, dann Auswanderer

  • Aktualisiert am

Spannende interkulturelle Erfahrungen: Jost Blöchl kocht in China Bild: privat

Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) hat Generationen von Studenten ins Ausland vermittelt. Manche kehren nicht zurück. Fünf von ihnen erzählen, warum.

          Nowosibirsk

          Ende der 1980er Jahre lernte man in den Schulen der DDR Russisch als erste Fremdsprache, meist ohne besonderen Elan, bei Lehrern, welche die Sowjetunion vorrangig aus Büchern kannten. Während der Wende fast vergessen, bekam Russisch im Studium dann wieder eine Bedeutung. Kommilitonen planten ihre Auslandssemester in den Vereinigten Staaten oder Spanien. Ich entschied mich für Russland, damit das Vokabelpauken von damals nachträglich noch einen Sinn bekam.

          Russland war in diesem Moment aus den schlimmsten Krisen herausgewachsen, ein neuer Präsident namens Wladimir Putin stellte das Land neu auf. Eine Mittelschicht bildete sich heraus, der Autoverkehr stieg – ein ideales Arbeitsfeld als Verkehrsingenieur mit dem Spezialgebiet Verkehrsökologie. Denn für Begriffe wie Nachhaltigkeit gab es im Russischen nicht mal eine Übersetzung.

          Verkehrsökologen beschäftigten sich mit auslaufendem Öl, aber nicht mit Verkehrsplanung. Sowohl mein Dresdner Professor als auch der DAAD unterstützten die Idee einer Diplomarbeit über „Ökologische Verkehrsentwicklungen in Nowosibirsk“. Journalisten griffen die eigenartigen Ideen des deutschen Studenten gern auf – auch wenn sie über Stadtbahn-Konzepte, Park & Ride oder kostenpflichtige Straßenbenutzung eher lächelten. Meiner russischen Partnerin zuliebe blieb ich dann in Nowosibirsk. Inzwischen bezeichne ich sowohl Russland als auch Deutschland als Heimat.

          Norbert Schott

          Einige meiner Ideen sind inzwischen Konsens, beispielsweise experimentiert Nowosibirsk endlich mit einer Fußgängerzone. Meine Kinder wachsen zweisprachig auf, in meinem Freundeskreis finden sich sowohl Russen als auch Deutsche. Beruflich hat es mich in die IT verschlagen. Seit über zehn Jahren leite ich für ein Schweizer Software-Unternehmen das Entwicklungszentrum in Nowosibirsk. Ohne meine Sprachkenntnisse, das technische Studium und die interkulturelle Erfahrung wäre die Zusammenarbeit mit Kollegen und Geschäftspartnern in dieser Form sicher nicht möglich.

          Norbert Schott

          Kapstadt

          2002 erhielt ich ein DAAD-Stipendium, um meinen „Honours Degree“ im Fach Ethnologie (Social Anthropology) an der University of Cape Town (UCT) zu absolvieren. Nach dem erfolgreichen Abschluss kehrte ich an die Uni Köln zurück, um noch meinen Magister fertigzustellen. Dann begann die Vorbereitung meiner Doktorarbeit, für die ich Ende 2004 ein Kurzzeit-Stipendium des DAAD bekam. Es erlaubte mir, alle nötigen Daten für den Antrag meines Forschungsprojekts in Südafrika zu sammeln. Die nächsten drei Jahre verbrachte ich mit meiner Feld- und Literaturforschung für mein Projekt, das Teil eines größeren Sonderforschungsbereichs im südlichen Afrika war. Als dieses Projekt Ende 2007 auslief und meine Doktorarbeit noch weit von der Fertigstellung entfernt war, entschloss ich mich, dennoch in Kapstadt zu bleiben. Gerade hatte ich meine sozialen Kreise in Südafrika aufgebaut, da wollte ich in Köln nicht wieder von neuem anfangen.

          Weitere Themen

          Nacht, Gesang und Apokalypse

          Leben in zwei Welten : Nacht, Gesang und Apokalypse

          Ich bin Georgierin und habe gleichzeitig nur einen deutschen Pass, weil ich meinen georgischen abgeben musste. Trotzdem will man dauernd von mir hören, wie georgisch ich bin. Kann man sein eigenes Sein erklären?

          Ich liebe Helene Fischer. Na und?

          Junge Schlagerfans : Ich liebe Helene Fischer. Na und?

          Schlagermusik ist nur etwas für alte Menschen? Unser Autor ist Ende zwanzig und Schlagerfan. Das kommt bei anderen nicht immer gut an – aber er steht dazu und erklärt, warum der Schlager zu Deutschland gehört.

          Topmeldungen

          Maybrit Illner und ihre Gäste

          TV-Kritik: Maybrit Illner : Herbstlicher Phrasennebel

          Wer will sich kurz vor der Wahl schon zu weit aus dem Fenster hängen? Maybrit Illners Gäste blieben kleinmütig. Ob das reicht, daran gibt es Zweifel.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.