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Veröffentlicht: 20.01.2017, 13:32 Uhr

Überfordert mit dem Abschluss Immer Probleme mit der Bachelor-Arbeit

Panik, keine Planung, falsche Erwartungen: Viele Studenten sind überfordert, wenn ihr Abschluss naht. Dabei gibt es gute Strategien, das zu vermeiden.

von Annika Fröhlich
© Maria Irl Geschafft! Bachelor-Absolventen in Wirtschaftswissenschaften an der Frankfurter Goethe-Universität.

Julius Unkelbach hat sich monatelang Sorgen um seine Bachelor-Arbeit gemacht. Um die 60 Seiten lang sollte sie werden. Unkelbach studiert Geographie an der Universität Münster, die Abschlussarbeit sollte Gestaltungsmöglichkeiten für das Bahnhofsviertel der Stadt untersuchen. Unkelbach dachte, er müsse etwas zustande bringen, das einen Wert für das Institut besitzt: „Immerhin beendet man mit seiner Bachelor-Arbeit ja sein Studium“, sagt er. Doch nach dem ersten Gespräch mit seinem Betreuer merkte der 25-Jährige: Die Erwartungen des Professors waren weitaus niedriger als gedacht. Typisch irgendwie.

Denn vielen Studenten geht es ähnlich. Es ist für sie zunächst unklar, was bei der Bachelor-Arbeit eigentlich von ihnen erwartet wird. Nicht einmal dass Professoren die Bachelor-Arbeiten in der Regel gar nicht selbst betreuen und korrigieren, ist allgemein bekannt. Dabei sind Inhalt und Ablauf einer Bachelor-Arbeit aus akademischer Sicht eigentlich klar definiert. „Es geht im Grunde darum, das im Studium erworbene Wissen auf eine Problemstellung anzuwenden“, sagt Peter Kajüter, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Münster. Genauso steht es auch in der allgemeinen Prüfungsordnung der Uni unter Paragraf 11: „Die Bachelor-Arbeit soll zeigen, dass die /der Studierende in der Lage ist, innerhalb einer vorgegebenen Frist ein Problem mit wissenschaftlichen Methoden zu bearbeiten und die Ergebnisse sachgerecht darzustellen.“ Aber trotzdem ist Bachelor-Arbeit in Deutschland nicht gleich Bachelor-Arbeit. Ihr Wert ist von Fach zu Fach unterschiedlich. „Generell gilt aber: Die Bachelor-Arbeit ist ein wichtiger Bestandteil des Studiums“, sagt Kajüter.

 
Panik, keine Planung, falsche Erwartungen: Viele Studenten sind mit der #Bachelorarbeit überfordert.

Ist sie doch die erste größere wissenschaftliche Bewährungsprobe für Studenten. „Hier hilft eine gute Vorbereitung durch das Schreiben einer Seminararbeit“, rät Kajüter. Immer wieder aber stellt die Bachelor-Arbeit für Studierende eine anspruchsvolle Hürde dar. „Im Grunde ist es aber so wie mit dem Abitur“, beruhigt der BWL-Professor. „Wenn man davor steht, ist alles sehr herausfordernd. Mit einigem Abstand relativiert sich das aber. Bereits nach den ersten Semestern im Bachelor-Studium merkt man, dass das Abitur keine große Hürde war.“ Und deshalb blicke so mancher Master-Student auch mit einem Lächeln auf seine Bachelor-Arbeit zurück.

Weiter Weg zur wissenschaftlichen Veröffentlichung

Es werde auch gar nicht erwartet, dass man mit einer Bachelor-Arbeit einen bedeutsamen Beitrag zum Erkenntnisfortschritt in seinem Fach leistet. Dafür bleibe später immer noch die Promotion. „Dennoch gibt es durchaus Bachelor-Arbeiten, die mit kleineren empirischen Analysen interessante Einblicke in aktuelle Themen bieten“, sagt Wirtschaftswissenschaftler Kajüter. Bis zu einer wissenschaftlichen Veröffentlichung ist es dann aber noch ein weiter Weg.

An Lehrstühlen für geisteswissenschaftliche Fächer sind die Ansprüche ebenfalls begrenzt. Zum Beispiel bei den Philosophen. „Sicherlich ist es möglich, eine wissenschaftlich wertvolle Abschlussarbeit zu verfassen, und das auch schon für den Bachelor“, sagt Dina Emundts, Professorin für Philosophie an der Freien Universität Berlin. „Es sollte allerdings nicht das Ziel der Arbeit sein.“ Vielmehr sollten Studenten bei ihren Arbeiten in Auseinandersetzung mit Texten anderer Autoren eigene Gedanken entwickeln. Dabei ist es wichtig, sich nicht zu verlieren und einen Text mit rotem Faden zu verfassen. „Ich empfehle meinen Studenten, sich lieber Detailfragen zu widmen, statt sich direkt der ganz großen Themen anzunehmen.“

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