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Tuttlingen Studium mit Jobgarantie

25.04.2010 ·  Studieren in Tuttlingen? So mancher Abiturient winkt da schnell ab. Doch die Kleinstadt-Hochschule lockt mit der Aussicht auf einen festen Arbeitsplatz.

Von Oliver Schmale
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Das baden-württembergische Tuttlingen mit seinen etwas mehr als 34 000 Einwohnern ist bislang den wenigsten als Studentenhochburg bekannt. Wie auch? Erst seit Anfang Oktober vergangenen Jahres gibt es dort den Hochschulcampus Tuttlingen. Dieser stellt eine Besonderheit dar. Denn in einer der wirtschaftsstärksten Regionen Deutschland, im Herzen der deutschen Medizintechnikindustrie, sind Kommune, Landkreis und örtliche Wirtschaft einen neuen Weg gegangen, um den dringend benötigten Nachwuchs auszubilden und damit dem drohenden Fachkräftemangel vorzubeugen. Rund 100 Unternehmen, zumeist Mittelständler, finanzieren die neue Wirtschaftsfakultät unter dem Dach der staatlichen Fachhochschule Furtwangen mit.

„Der ganze Landkreis wird dadurch zum Hochschulcampus“, schwärmt der Tuttlinger Landrat Guido Wolf (CDU) von dem neuen Modell, bei dem die Studenten aus bislang drei Bachelor-Studiengängen auswählen können:  Medizintechnik, Maschinenbau und Elektrotechnik. Das Konzept kommt bei den jungen Leuten an. 119 Studenten starteten im Oktober mit ihrer Ausbildung in der Kleinstadt auf der Schwäbischen Alb, nachdem zuvor kräftig die Werbetrommel gerührt worden war.

Nicht das Land, das für den Hochschulbetrieb traditionell zuständig ist, finanzierte das Gebäude für die Einrichtung, sondern die Kommune und der Landkreis brachten dafür im Vorfeld etwas mehr als 10 Millionen Euro auf. Im Gegenzug steuern die beteiligten Unternehmen über ein Jahrzehnt jährlich 2,5 Millionen Euro bei, um den laufenden Betrieb der Hochschule zu unterstützen. 

Die Industrie redet mit

Im Gegenzug redet die Industrie in der Ausbildung der angehenden Ingenieure mit. Am Anfang sahen manche Kritiker die Freiheit der Lehre gefährdet, wie sich Studiendekan Peter Anders erinnert, der das Modell mitentwickelt hatte. Doch die Diskussionen haben sich inzwischen gelegt.  Der Lehrplan sei maßgeblich von der Industrie geprägt, erzählt Anders. Sechs Industrievertreter seien Mitglieder in der Studienkommission. Wenn fünf gegen ein Vorhaben seien, habe sich das Thema erledigt. „Das gibt es sonst nicht“, sagt der Professor, der wie seine Kollegen vom Land bezahlt wird.  Er betont den besonderen Praxisbezug während der Ausbildung. „Die Leute kommen  permanent und regelmäßig  in die Industrie.“ Die Firmen stellen neben Praktika der Hochschule auch Schulungsmaterial  sowie technische Hilfsmittel für den Unterricht zur Verfügung.

Mit von der Partie in Tuttlingen ist beispielsweise das Medizintechnikunternehmen Aesculap. Vorstandsvorsitzender Hanns-Peter Knaebel sagt: „Die Studierenden sammeln Erfahrungen in den kooperierenden Industrieunternehmen, profitieren von deren Forschungsequipment und arbeiten mit den neuesten technologischen Standards.“ Der ständige Kontakt mit der Industrie soll auch dafür sorgen, dass die angehenden Ingenieure nach dem Ende ihres Studiums den Arbeitsplatz praktisch sicher in der Tasche haben.

„Wer nach dem siebten Semester immer noch durch die Gänge schleicht, hat etwas falsch gemacht“, meint Studiendekan Anders. Deshalb wirbt auch der Oberbürgermeister von Tuttlingen, Michael Beck, ganz offensiv mit der Quasi-Jobgarantie um die jungen Leute, damit sie in der Kleinstadt ihre Ausbildung starten.

„Wir haben eine unglaublich starke Wirtschaftsstruktur.“ Neben der Medizintechnik dominieren der Maschinenbau und die Metallverarbeitung. Beck ist sich sicher, dass junge Menschen ihren Studienort auch nach den Jobchancen aussuchen und nicht mehr nur nach dem Image eines Ortes. Der CDU-Politiker gibt aber auch unumwunden zu: „Wir werden keine Hochschulstadt wie Tübingen oder Freiburg. Da müssen wir uns nichts vormachen.“ Es tue der Stadt aber gut, wenn sich einige Studenten in Tuttlingen niederließen. Im Jahr 2011 sollen zwei neue Studiengänge hinzukommen. Fernziel sind einmal 840 Studierende in Tuttlingen.

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