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Traumberuf App-Entwickler : Programmierer mit Liebeskummer

  • -Aktualisiert am

Mobil und vernetzt: Viele Studenten träumen vom großen Erfolg mit einer App-Idee. Bild: Rainer Wohlfahrt

App-Entwickler - das gilt als Traumberuf vieler Studenten. Aber wissen sie auch, was sie dabei erwarten würde? Ein Streifzug durch eine romantisch verklärte Szene.

          Was macht ein 15-Jähriger auf einer IT-Fachkonferenz? Er spielt mit Robotern der Technischen Universität, besucht eine Podiumsdiskussion über 3D-Druck und wagt sich in eine Praxiswerkstatt für App-Entwicklung. Um festzustellen, dass die Veranstaltung nicht auf Oberstufenschüler zugeschnitten ist. Schwamm drüber. Bennett hat sehr wohl etwas mitgenommen, Eindrücke aus Gesprächen mit Informatik-Studenten etwa. Und eine Erkenntnis: „Man kann als App-Entwickler Praxiserfahrung sammeln, sein Studium finanzieren und viel Spaß haben.“ So denken vermutlich viele. Der Oberstufenschüler aus Hamburg war mit seinem Physikkurs Gast auf dem Kongress „Solutions.hamburg“. Es ging um Praxiserfahrung, die digitale Zukunft, Berufsorientierung. Denn die Entwicklung mobiler Applikationen steht hoch im Kurs. Bei Jugendlichen, Studenten allerlei Fachrichtungen, Programmierern.

          „Wer gut ist, nimmt nur Projekte an, die Spaß versprechen“

          Ein Beispiel dafür ist die „Internetagentur Bodensee“ in Ravensburg. Als sie vor fünf Jahren von Anfragen zur Programmierung von Apps überrollt wurde, startete sie das „App Entwickler Verzeichnis“, eine Vermittlung zwischen Entwicklern und Anbietern. Inzwischen enthält die Datenbank gut 3200 Profile. „Mindestens 75 Prozent davon sind aktiv, wir fragen regelmäßig nach und räumen auf“, sagt Projektmanager Gino von Schriltz.

          Was nicht bedeutet, dass jede Anfrage auch erfolgreich verkauft wird: „App-Entwickler sind absolut gefragt. Wer wirklich gut ist, nimmt nur die Projekte an, die Spaß versprechen.“ Spaß macht nicht zwangsläufig, was das große Geld bringt, einen international renommierten Auftraggeber oder die Aussicht auf eine Festanstellung. Im Gegenteil: „Die meisten wollen sich nicht anstellen lassen, das sind introvertierte Individualisten, die schreiben lieber einen Code, als irgendwo anzurufen“, sagt von Schriltz. Das öffnet die Szene auch für Studenten.

          Man könnte also eine gute App brauchen, um geeignete Entwickler zu finden. Louis Maywald kann ein Lied davon singen. Er ist der Gründer von „heute-erleben.de“, einer App, die im November an den Start gehen soll - wenn alles gut läuft. Die App will ältere Menschen dazu einladen, gemeinsam ihr Freizeitprogramm zu planen und Fahrgemeinschaften zu bilden. Für die Arbeiten an seiner Idee beschäftigt Maywald eine Grafikdesignerin und seit der Gründung vor anderthalb Jahren acht Programmierer. „Ich musste überhaupt erst einmal checken, dass es all diese Leute gibt“, sagt der 26-Jährige.

          Unterschiedliche Programmiersprachen sind gefragt

          Wer seine Zielgruppe mobil erreichen will, kann sich eine Website bauen lassen oder eine App - was meistens aufwendiger und teurer ist. Maywalds Zielgruppe ist zudem anspruchsvoll und „tickt anders“ als die Menschen zwischen 15 und 35 Jahren, an die sich die meisten Apps richten: Wenn sich die Generation 60 plus heute einen Computer zulege, sei es meist ein Tablet, sagt Maywald. Und wenn sie vom Besucher zum Nutzer werden soll, müsse das Online-Angebot sicher und formvollendet sein. Maywald braucht daher ein möglichst fertiges Produkt, bevor er an potentielle Kunden herantritt.

          Dafür arbeitet sein Team nach Feierabend und am Wochenende virtuell zusammen: „Wir hatten nur begrenzte Ressourcen.“ Ein Teil davon ging für die Suche nach einem passenden Frontend-Programmierer drauf: So heißen die Spezialisten, die grafische Schnittstellen programmieren, also all das, was der Benutzer sieht und wo er interagieren soll, während die Spezialisten fürs Backend die Funktionsweise der Anwendung mit Datenbanken und Modulen steuern. Dabei sind unterschiedliche Programmiersprachen gefragt: „Das ist wie bei renommierten Köchen. Wer sich auf Schweinshaxe spezialisiert hat, ist nicht unbedingt in der asiatischen Küche gut“, sagt von Schriltz.

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