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Technikjournalismus : Fundiertes Wissen statt Baggerberichte

Wer blickt da durch? Technikjournalisten sollten Fachwissen mitbringen Bild: dpa

Journalisten nähern sich technischen Themen entweder begeistert ohne kritische Distanz oder angstvoll. Was oft fehlt, ist der Mittelweg.

          Mit der Berichterstattung über Technik ist Andreas Schümchen oft nicht zufrieden. Der Professor für Technikjournalismus an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg hat beobachtet, dass hierzulande vor allem auf zweierlei Weise über Technik berichtet wird: Entweder würden neue Produkte voller Begeisterung und ohne kritische Distanz vorgestellt. „Dann gibt es sogar in der Tagesschau einen Bericht über ein neues Produkt von Apple.“ Oder es werde neuen Techniken mit großer Skepsis begegnet. Zum Beispiel werde vor Mobilfunkstrahlen gewarnt, obwohl es dafür keine wissenschaftlichen Beweise gebe. „Und wenn es keine Beweise gibt, dann ist es keine Geschichte“.

          Diese Zweiteilung der Berichterstattung spiegele wider, dass die deutsche Gesellschaft in ihrer Haltung gegenüber Technik stark gespalten sei. „Die einen sind begeistert, die anderen haben Angst vor ihr. Diese Extreme sind nicht sinnvoll.“ Für die Berichterstattung wünscht er sich einen Mittelweg: „Ein Technikjournalist sollte Technik neutral beobachten, nüchtern analysieren und dann unvoreingenommen zu einem Ergebnis kommen.“ Insgesamt sollten Journalisten technische Entwicklungen nicht nur erklären; sie sollten sie auch einordnen in gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Zusammenhänge. Stattdessen gebe es zum Beispiel im Fernsehen zu viele Sendungen für Technikbegeisterte. „Da wird dann über die größten Bagger der Welt berichtet. Das ist nicht wirklich Journalismus.“ Ansonsten gebe es vor allem Nutzwertiges wie Ratgeber.

          „Kritisch sein erfordert Fachwissen“

          Schwierigkeiten mit der Verständlichkeit könnte es geben, wenn Ingenieure, die tief in der Materie drinsteckten, über Technik schrieben, meint Schümchen. Andererseits berichteten Journalisten, die über kein solides technisches Wissen verfügten, oft zu unkritisch. „Kritisch sein erfordert Fachwissen“, sagt er. Um diesem Dilemma zu entkommen wurde 1999 an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg der erste Bachelor-Studiengang für Technikjournalismus in Deutschland gegründet. Inzwischen gibt es noch einen Bachelor-Studiengang in Gießen und für Absolventen eines Ingenieursstudiums einen Master-Studiengang in Würzburg.

          In Bonn besteht die eine Hälfte des Studiums aus einer naturwissenschaftlich-technischen Grundausbildung und die andere aus der Vermittlung journalistischer Fähigkeiten. Das Studium dauert sieben Semester, einschließlich eines Praxissemesters. Die Chancen auf dem Arbeitsmarkt sind nach Schümchens Angaben anders als im sonstigen Journalismus „konstant gut“. Der Markt sei „noch lange nicht gesättigt“. Da es aber gar nicht so einfach ist, junge Menschen zu finden, die technisch und kommunikativ begabt sind, gibt es in für dieses Wintersemester sogar noch einige freie Plätze. Konstantin Zurawski interessiert sich für Technik und für Journalismus. Vor drei Jahren hat der 27-Jährige seinen Bachelor in Technikjournalismus gemacht. Dann begann er für Viermann zu arbeiten, ein Kölner Redaktionsbüro für Wissenschaft und Technik; seit 2010 ist er dort Mitinhaber. Viermann beliefert Redaktionen, aber auch Unternehmen und Agenturen mit journalistischen Berichten für Laien.

          Echtes Interesse

          Zu einem Werdegang im Technikjournalismus rät Zurawski nur, wenn man ein echtes Interesse an Technik habe. „Man muss die Technik selbst richtig verstanden haben; nur dann kann man verständlich darüber schreiben.“ Er erinnert sich, wie er zu Beginn seiner beruflichen Laufbahn für die Zeitschrift „Bild der Wissenschaft“einen Bericht über neue Transformatoren schreiben musste, die mit Lichtgeschwindigkeit funktionieren. Darüber sprach er mehrere Stunden lang mit Forschern. Ein äußerst komplexes Thema für Laien verständlich aufzuschreiben, sei ihm als Berufsanfänger sehr schwer gefallen.

          Zurawski studierte zuvor zwei Semester Lebensmitteltechnik, bevor er merkte, dass er so tief in dieses Fach doch nicht einsteigen wollte. In Deutsch sei er nicht besonders gut gewesen, gesteht er. „Aber da muss man ja eher alte Schinken lesen als eigene Texte verfassen.“ In der Schülerzeitung hat er allerdings mitgemacht. Für ihn war aber klar: „Wenn ich Journalist werde, dann muss es etwas mit Technik und Wissenschaft zu tun haben.“

          Quelle: F.A.Z.

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