13.07.2007 · „Die Zeiten, in denen wir auf gute Studenten warten, sind vorbei“, sagt Håkan Samuelsson. Im November wird der Vorstandsvorsitzende von MAN seine erste Vorlesung an der TU München halten - ein Konzern unter vielen auf Werbetour.
Von Joachim HerrIm November wird Håkan Samuelsson, der Vorstandsvorsitzende von MAN, seine erste Vorlesung an der Technischen Universität München halten. Auch andere Vorstände und Führungskräfte des Nutzfahrzeug- und Maschinenbaukonzerns beteiligen sich vom kommenden Wintersemester an am Lehrprogramm. Die MAN-Vorlesungsreihe dient keinesfalls nur der Abwechslung oder gar der Unterhaltung, sondern die praxisnahen Vorträge aus dem Unternehmensalltag werden von vielen Fakultäten als Lehrveranstaltung anerkannt.
Die Auftritte der Manager sind Teil einer künftig vertieften Kooperation, die MAN und die Technische Universität München (TUM) unter dem Begriff Campus-Initiative vereinbart haben. Freilich ist MAN nicht das einzige große Unternehmen, das Partner der renommierten Hochschule mit fast 22.000 Studenten ist. Linde, BMW, VW, Audi, Siemens und Hochtief nennt TUM-Präsident Wolfgang Herrmann als weitere Beispiele. Neu sei nun aber die finanzielle Unterstützung von Studierenden durch Stipendien. "MAN sendet ein Signal", sagt Herrmann und hofft: "Die hundert Stipendien werden eine Vorbildfunktion für andere entfalten."
Bis zu 100 Stipendien
Bis zu hundert ausgewählte Studenten im Maschinenbau sowie in der Elektro- und Informationstechnik erhalten 1000 bis 3000 Euro im Jahr von MAN. "Wir werden sie nach Leistung und Motivation auswählen", kündigt Konzernchef Samuelsson an. Insgesamt lässt sich MAN die Campus-Initiative 400.000 Euro im Jahr kosten.
Das Motiv für sein erweitertes Engagement sei, die Forschung und Entwicklung von MAN zu stärken, berichtet Samuelsson. Mehr als 90 Prozent der 3000 Konzernmitarbeiter in diesem Segment sind in Deutschland tätig. "Die Zeiten, in denen wir auf gute Studenten warten, sind vorbei." MAN will sich rechtzeitig als attraktiver Arbeitgeber präsentieren. Schwierigkeiten, guten Ingenieurnachwuchs für den Standort München zu finden, habe das Unternehmen noch nicht. Samuelsson gibt aber zu, dass es MAN schwerfalle, für den Nutzfahrzeugstandort Salzgitter in Niedersachsen Nachwuchskräfte zu begeistern.
Interesse an technischen Studiengängen steigt
Unabhängig vom späteren Arbeitsort hierzulande hält TUM-Präsident Herrmann Partnerschaften der Wirtschaft mit den Hochschulen für einen wichtigen Beitrag, um Deutschland als Forschungs- und Entwicklungsstätte der Industrie zu sichern. Viele Unternehmen klagen mittlerweile über fehlende Ingenieure. Immerhin ist mit der großen Nachfrage das Interesse an einem technisch orientierten Studium gestiegen, zumindest in München. "Zum Wintersemester erwarten wir 3000 Bewerber für das Maschinenwesen", berichtet Herrmann. "Wir werden aber nur 1200 bis 1300 aufnehmen können."
Mit einigen der Studenten will MAN auch in Praxisprojekten zusammenarbeiten, die die Kooperation neben Seminaren und Werksbesichtigungen abrunden sollen. Bisher gibt es für Projekte vier Vorschläge, unter anderem auf den Gebieten Elektronik und Mechatronik. Als mögliches interessantes Thema nennt Samuelsson den Kraftstoffverbrauch von Motoren. Doch genaue Vorgaben will der Konzern den Studenten nicht machen. "Sie sollen selbst Ideen einbringen", sagt der MAN-Chef. Das Unternehmen erwartet mit Spannung Impulse von außen.