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Studium : Zu viel Englisch ist auch nicht gut

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Bild: Tresckow

Viele Professoren unterrichten heute auf Englisch. Doch unter den Hochschulen regt sich auch Widerstand. Sie befürchten, dass Deutsch als Wissenschaftssprache bedeutungslos wird.

          Als Oliver Barnstedt aus dem Labor an der Bremer Jacobs University kommt, hat er kurz zuvor einem E.Coli-Bakterium ein Gen eingesetzt. „Jetzt werden wir testen, wie dieser Mutant in der Antibiotika-Therapie wirkt“, erklärt der 24 Jahre alte Biologiestudent. Obwohl Barnstedts kompletter Campusalltag an der Bremer Jacobs University auf Englisch stattfindet, fällt es dem jungen Forscher nicht schwer, hinter verschlossenen Labortüren auf Deutsch umzuschalten. „Ich finde es angenehm, dass es eine einzige führende Wissenschaftssprache gibt“, sagt Barnstedt. Forscher könnten sich auf der ganzen Welt verständigen, und Studierende hätten keine Barrieren beim Lesen neuster Erkenntnisse, die sie oft aus dem Internet herunterladen. „Nur wenn ich meinen Großeltern von meinem Studium erzähle, wird es manchmal kompliziert“, erzählt der Student. „Dann muss ich zwei Mal übersetzen - erst von der Wissenschafts- in die Laiensprache und dann noch ins Deutsche.“

          Die Jacobs University in Bremen ist stolz auf ihre Internationalität: Die Studierenden auf dem Campus nach amerikanischem Vorbild kommen aus 112 Ländern der Welt, nur 30 Prozent sind Deutsche. „Dies hat zwingend zur Voraussetzung, dass aller Unterricht auf Englisch stattfindet“, sagt Peter Wiegand, Sprecher der Vorzeige-Institution. „Auf Deutsch würde unser Konzept einer internationalen Hochschule mit breitem Fächerspektrum überhaupt nicht funktionieren.“ Viele Studienbewerber würden nach Großbritannien oder Amerika abwandern, gäbe es das Englischangebot in Bremen nicht, ist Wiegand überzeugt. Im Modell der Jacobs University, auf der selbst der Campusalltag und die Hochschulverwaltung auf Englisch abgewickelt werden, sieht er die Zukunft internationaler Hochschulen in Deutschland.

          Verdoppelung in den vergangenen fünf Jahren

          Damit ist die Jacobs University ein Extrembeispiel. Doch ist sie auch Teil einer sprachpolitischen Entwicklung, die zunehmend Kritik heraufbeschwört: Forschung und Lehre finden in Deutschland immer öfter auf Englisch statt. Schon in der Hälfte aller Bachelor-Studiengänge, die sich Internationalität auf die Fahnen geschrieben haben, wird nur in Englisch unterrichtet. Unter den Master-Programmen sind es gut 70 Prozent; das ist eine Verdoppelung in den vergangenen fünf Jahren. Erst im Wintersemester 1997/98 wurden auf Initiative des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) zum ersten Mal englischsprachige Studiengänge an deutschen Hochschulen eingeführt. Man wollte renommierte Wissenschaftler und begabte Studierende nach Deutschland locken. Doch warnen Kritiker inzwischen vor dem Untergang der Wissenschaftssprache Deutsch. Sie befürchten, dass deutsche Studierende die Fähigkeit verlieren, der Öffentlichkeit ihre Wissenschaft zu vermitteln.

          So veröffentlichte die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) im vergangenen November eine „Empfehlung zur Sprachenpolitik an den deutschen Hochschulen“, in der es als „Wettbewerbsverzerrung“ bezeichnet wird, dass nicht englischsprachige Veröffentlichungen immer weniger berücksichtigt werden. HRK-Präsidentin Margret Wintermantel spricht sich für eine Förderung von Mehrsprachigkeit an deutschen Hochschulen aus, die durch mehr Personal, neue Sprachzentren, Übersetzer und Dolmetscher gewährleistet werden könne.

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