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Studium Jeder Fünfte geht ohne Abschluss

Angst vor dem Examen, Geldmangel, familiäre Probleme: Für einen Studienabbruch gibt es viele Gründe. Wer sich nicht früh genug die richtigen Fragen stellt, wirft später oft die Brocken hin - die Abbruchquote liegt bei 20 Prozent.

© F.A.Z. - Tresckow Vergrößern

Schon dem Anfang wohnte kein Zauber inne. Am ersten Tag ihres Studiums fand sich Susanne Riedel im vollbesetzten Audimax der Uni Würzburg wieder - gemeinsam mit 500 anderen BWL-Studienanfängern. "Wir wurden sofort ins kalte Wasser geschmissen", erinnert sie sich. Nach dem Motto "Schwimm oder geh unter!" sei den Betriebswirtschaft-Frischlingen erst einmal Angst gemacht worden. "Das ist hier nicht wie in der Schule", habe es geheißen. "Hier müssen Sie sich gehörig anstrengen." Dann wurden Infoblätter verteilt, darunter auch der Stundenplan für das erste Semester. "Alles war total unpersönlich", berichtet die Einundzwanzigjährige. Sie dagegen hatte gehofft, dass sie jemand durch die erste Zeit an der Uni begleiten und dass es eine Orientierungswoche geben würde.

Stattdessen ging es in den Vorlesungen sofort voll zur Sache. "Die haben gleich mit Begriffen um sich geschmissen, von denen wir noch nie was gehört hatten." Abgefragt wurde der Stoff dann in sechs Prüfungen. Susanne Riedel bestand fünf. In VWL fiel sie trotz guter Vorbereitung durch. "Ein kompletter Blackout", sagt sie heute. Die verpatzte Klausur war für sie der Einstieg in den Ausstieg. "Ich spürte einen immer größeren Druck, dem ich irgendwann nicht mehr gewachsen war", versucht sie das im Nachhinein zu erklären. "Obwohl ich eigentlich ein fröhlicher Mensch bin, habe ich mich völlig zurückgezogen und keine Freunde mehr getroffen. Ich saß nur noch in meinem Zimmer und habe gepaukt." Der Arzt diagnostizierte eine Depression und beurlaubte sie umgehend vom Studium. Nach monatelangem Ringen und vielen Gesprächen mit der Familie und Freunden steht jetzt ihr Entschluss fest: Studienabbruch.

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Erheblicher volkswirtschaftlicher Verlust

Sie ist kein Einzelfall. Von 100 deutschen Studienanfängern eines Jahrgangs bleibt gut ein Fünftel auf der Strecke, meist zwischen dem siebten und achten Semester. Die Abbruchquote an den deutschen Unis liegt bei 20 Prozent, an den Fachhochschulen sind es 22 Prozent. Die Unterschiede je nach Fachrichtung sind nach einer vergangene Woche veröffentlichten Studie des Unternehmens Hochschul-Informations-System gravierend: Während an den Unis die Mediziner und Lehramtsstudenten mit 5 und 8 Prozent vergleichsweise niedrige Abbruchquoten haben, steigen besonders häufig Physiker (36 Prozent) und Informatiker (32 Prozent) aus; an den Fachhochschulen die Elektrotechniker (36 Prozent).

Infografik / Studienabruch / Schlechte Zahlen für Fachhochschulen und Bachelor © F.A.Z. Vergrößern

Die hohe Zahl der Studienabbrecher bedeutet einen erheblichen volkswirtschaftlichen Verlust. Nach jüngsten Berechnungen des Stifterverbandes für die deutsche Wissenschaft kosten sie den Staat jedes Jahr 2,2 Milliarden Euro. Bedenkt man die privaten Investitionen der Studenten und das ihnen entgangene Mehreinkommen, kommen nach dieser Rechnung noch 7,6 Milliarden Euro indirekte volkswirtschaftliche Kosten hinzu (Studienabbrecher kosten den Staat Milliarden).

Moment des persönlichen Scheiterns

Viele Studenten erleben den Abbruch als einen Moment des persönlichen Scheiterns. Die Folgen sind Orientierungslosigkeit und Selbstzweifel - eine schwere Hypothek für den weiteren Bildungsweg. Besonders hart kommt es für diejenigen, für die eine Alternative zum gewählten Studienfach indiskutabel ist, weil sie zum Beispiel später die Praxis oder den Betrieb der Eltern übernehmen sollen. In "Prüfungsangstgruppen" spielt der Berliner Uni-Psychologe Holger Walther mit ihnen den schlimmsten Fall durch: "Was ist, wenn ich durchfalle? Wie würde mein Leben nach der Enttäuschung weitergehen?" Das beschert vielen Angst-Kandidaten ein Aha-Erlebnis: "Die merken plötzlich, dass ein Abbruch für sie nicht wirklich schlimm wäre, sondern dass daraus auch die Erlaubnis erwachsen kann, eine Alternative zu versuchen, die schon lange im Hinterkopf schmort. Im Sinne von: Ich mache jetzt endlich mit einem Kumpel eine Bar auf!"

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Veröffentlicht: 29.02.2008, 03:00 Uhr