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Studium in Amerika Vier Jahre College, 100.000 Dollar Schulden

 ·  Fast zwei Drittel der Absolventen eines vierjährigen Collegestudiums in Amerika müssen heute Ausbildungskredite bedienen. Die finanzielle Last für Amerikas Studenten wird immer drückender. Präsident Barack Obama will's richten.

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Robert Applebaum hat „die“ Idee, wie die amerikanische Wirtschaft angekurbelt werden kann: durch den Erlass von Studienschulden. „Verantwortungsbewusste Menschen, die nichts weiter getan haben, als nach höherer Bildung zu streben, hätten dann Tausende zusätzlicher Dollar, die sie monatlich ausgeben könnten, um der Wirtschaft Schwung zu verleihen“, wirbt der 35 Jahre alte Anwalt aus dem Bundesstaat New York. Knapp 100.000 Dollar Schulden aus dem Studium schleppt Applebaum selbst mit sich herum - nachdem er schon fünf Jahre lang seine Studienkredite abbezahlt hat.

Als er 1998 seinen Abschluss an der Fordham University Law School machte, waren es „nur“ Verbindlichkeiten von rund 75.000 Dollar. Doch der Schuldenberg wuchs, da sich Applebaum in seinem ersten Job als Staatsanwalt mit einem Jahresgehalt von 36.000 Dollar nicht in der Lage sah, die Kredite zu bedienen. Sein Verdruss über die Altlasten steigerte sich, als die amerikanische Regierung Hilfsprogramme für Banken, Versicherungen und Autobauer auflegte. Washington solle lieber Amerikanern helfen, die sich für ihr Studium verschulden mussten, schimpfte Applebaum. Über Facebook begann er für einen Erlass der Verbindlichkeiten zu werben. Die Initiative „Forgivestudentloandebt“ (siehe: Forgivestudentloandebt.com) fand reges Interesse. Auf Facebook hat Applebaum mittlerweile fast 200.000 Mitstreiter.

Immer mehr Kredite, immer höhere Summen

Kein Wunder: Fast zwei Drittel der Absolventen eines vierjährigen Collegestudiums in Amerika müssen heute Ausbildungskredite bedienen. 1993 waren es weniger als die Hälfte, hat die unabhängige Bildungseinrichtung „Institute for College Access & Success“ ermittelt. Außerdem haben sich die geliehenen Beträge in den vergangenen zehn Jahren im Durchschnitt verdoppelt, von knapp 9300 auf 19.200 Dollar. Inflationsbereinigt ist das ein Anstieg um 58 Prozent. Insgesamt summieren sich die Verbindlichkeiten fürs Studium auf mehr als 500 Milliarden Dollar. Zugleich verzeichnet das Bildungsministerium einen alarmierenden Anstieg der Fälle, in denen Studienkredite nicht länger bedient werden können.

Vielen Amerikanern bleibt aber keine andere Wahl, als sich für den Collegeabschluss zu verschulden. Nach Schätzungen des Bildungsministeriums zahlten Bachelorstudenten an einem staatlichen College 2007/08 knapp 12.000 Dollar für Studiengebühren, Unterbringung und Verpflegung. An privaten Colleges waren es knapp 29,000 Dollar. Gegenüber 1997/98 ist das - inflationsbereinigt - ein Anstieg von 30 beziehungsweise 23 Prozent. Das Durchschnittseinkommen ist dagegen im gleichen Zeitraum inflationsbereinigt nur um 5,6 Prozent gestiegen. Die Leidtragenden dieser Entwicklung sind vor allem Kinder aus einkommensschwachen Familien. „Sie haben den Traum vom Studium schon lange vor der gegenwärtigen Krise aufgegeben“, sagt Sara Y. Goldrick-Rab, Professorin für Bildungspolitik und Soziologie an der University of Wisconsin.

Auch Studenten aus gutsituierten Familien brauchen Finanzhilfen

Verschärft wird die Lage für Studenten aus Familien mit geringem oder mittlerem Einkommen dadurch, dass sie zunehmend mit Kommilitonen aus gutsituierten Familien um Finanzhilfen konkurrieren müssen. „Es ist nicht ungewöhnlich, dass sich Familien mit einem Jahreseinkommen von 200.000 Dollar um Unterstützung bewerben, vor allem wenn sie mehrere Kinder haben, die aufs College gehen“, berichtet Rodney Oto, der Direktor der Abteilung für Studienhilfe am feinen Carleton College in Northfield, Minnesota.

Zugleich macht es die Wirtschaftskrise den Universitäten schwieriger, Studenten zu unterstützen. Viele Bundesstaaten haben staatlichen Hochschulen die Mittel gekürzt oder Streichungen angekündigt. Auch die privaten Universitäten bekommen die Krise zu spüren: Das Stiftungsvermögen der Harvard-Universität etwa ist zwischen Juni und Dezember 2008 um 22 Prozent geschrumpft. Viele Privatuniversitäten sehen sich gezwungen, mehr Studienplätze an Studenten zu vergeben, deren Familien spenden können. „Talentierte Kinder von Geringverdienern werden in der Bildungshierarchie fallen“, prophezeit deshalb der auf Bildungsfragen spezialisierte Ökonom und Präsident des Williams College in Massachusetts, Morton Owen Schapiero.

Umso ambitionierter klingt nun das Versprechen von Präsident Barack Obama. Er will mit einem Maßnahmenpaket aus Steuererleichterungen und Reformen bei der Kreditvergabe dafür sorgen, dass sich jeder Amerikaner eine Collegeausbildung leisten kann. Vor allem sieht sein Haushaltsentwurf zusätzliche Milliarden für die Unterstützung bedürftiger Studenten vor. Vor zwanzig Jahren deckte das Pell-Stipendium für Studenten aus einkommensschwachen Familien 55 Prozent der Kosten für das vierjährige Studium an einem staatlichen College ab. Heute sind es nur noch 32 Prozent. Obama will den Höchstbetrag für die zuletzt 5,5 Millionen Pell-Stipendiaten deshalb um knapp 770 Dollar auf 5550 Dollar erhöhen. Insgesamt sollen Studenten und deren Familien 2010 staatliche Unterstützung in Höhe von 130 Milliarden Dollar bekommen, 32 Prozent mehr als 2008. Das klingt vielversprechend. Aber noch hat der Kongress das Vorhaben nicht abgesegnet.

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