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Das andere Studentenleben : Kinder, Küche, Kolloquium

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Mit Kind zum Abschluss: Da warten viele Hürden. Bild: Getty

Studieren mit Kind oder Babybauch: Die Doppel-Belastung zehrt an den Nerven – und manchmal wird selbst den Stärksten alles zu viel. Ein Ortsbesuch an der LMU München.

          U-Bahn-Halt Universität, ein kalter Morgen Ende November. Geschiebe die Rolltreppe rauf, Kaffeebecher in Handschuhhänden, Kopfhörer auf Pudelmützen. Eine Welle aus Winterjacken, Rucksäcken und Baumwollbeuteln rollt zum Haupteingang der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität (LMU). Alex ist wie immer mittendrin, er ist längst Uni-Kenner: Ob Hörsaal, Mensa oder Bibliothek, er kennt sich aus. Dabei ist Alex erst vier Monate alt.

          Alex’ Mama heißt Julia Busch und studiert Jura. Nebenbei arbeitet sie in der Beratung für Studierende mit Kind. Das winzige Altbaubüro im Uni-Hauptgebäude ist höher als breit. Hier sitzt die 30-Jährige mit dem blondem Wuscheldutt und der schwarzen Brille am Schreibtisch. Neben ihr Baby Alex in der Trage, noch ganz vergnügt, mit den gleichen graublauen, wachen Augen wie seine Mama. Julia hat Studentinnen am Telefon, die fragen: Ich bin schwanger, kann ich dann überhaupt weiterstudieren? Oder: Wo kann ich mein Kind betreuen lassen, während ich an der Uni bin? Oder auch: Wie kann ich mein Studium mit Kind finanzieren? Kompetent und einfühlsam informiert Julia und gibt Ratschläge. „Es ist wichtig, flexibel zu bleiben, sich nicht etwas vornehmen und dann sehen, es klappt nicht, und dann total darüber zerbrechen.“

          Das Wort Burn-out mag die Jurastudentin nicht, das klinge immer so abgedroschen. Aber sie selbst war auch schon drei Tage einfach „ausgeknockt“, alles tat ihr weh. Das war vor dreieinhalb Jahren, nach der Geburt von Finn, Sohn Nummer eins. „Er war ungeplant, aber gewollt, sagen wir immer.“ Julia lächelt. Ein Baby, das immer wach war, immer laut, immer Mamas Aufmerksamkeit brauchte. In das Seminar hat sie Baby Finn trotzdem mitgenommen. „Und wenn er laut geworden ist, bin ich rausgegangen.“ Aber dann kam der K. o., sie hat drei Tage bei ihren Eltern übernachtet. Einfach mal nur schlafen.

          „In der Arbeitswelt wird es nicht einfacher“

          Da ist Sohn Nummer zwei ganz anders: ein Sonnenschein-Baby, mit dem die zweifache Mutter sogar ihre Arbeit in der Studienberatung weitermachen kann. Nur wenn er müde wird, fängt er an zu quengeln. Julia hat mit Kind Nummer zwei nicht bis nach dem Studium warten wollen, damit der Altersunterschied nicht zu groß ist. „Ich habe mir gesagt, im Referendariat oder auch in der Arbeitswelt wird es nicht einfacher.“ Und das, obwohl der Papa auch noch studiert: Er macht gerade seinen Anglistik-Bachelor.

          Und wie funktioniert das alles? Ein Patentrezept gibt es nicht. Bei den mehr als 2000 Studierenden mit Kind an der LMU ist jeder Fall anders. Wenn nötig, verweist Julia die Ratsuchenden an die beiden Mitarbeiterinnen der Zentralen Studienberatung, Abteilung Studieren mit Kind, Tür schräg gegenüber. Hildegard Adam hat die Stelle vor gut 15 Jahren aufgebaut, im Moment unterstützt Annette Doll die Pionierin. Insgesamt 20 Stunden können die beiden promovierten Studienberaterinnen wöchentlich investieren. Bis zum Jahr 2020 sind die Mittel gesichert, in welchem Umfang es danach weitergehen kann, ist fraglich. Ganz wichtiger Tipp für alle studierenden Eltern: Networking! Einmal im Semester können sich Uni-Mamas und Uni-Papas jeweils über Urlaubssemester, Krippen oder Kindergärten und über alles rund ums Geld informieren. Bei den offenen Treffs geht es ums Kennenlernen und Sichaustauschen. Solche Treffen gibt es auch für schwangere Studentinnen. Da war Allegra Skiebe dabei, die alles noch vor sich hat.

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