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Studieren im Ausland (9) : Zürich - charmanter Streber

Doch selbst im Vergleich zu London oder New York sind die Lebenshaltungskosten in Zürich hoch. Regelmäßig landet die Stadt in den Listen der teuersten Städte der Welt auf den vordersten Rängen. Die Abteilung Studienfinanzierung schätzt die Kosten für Studium und Leben auf mindestens 2000 Schweizer Franken im Monat. Das sind mehr als 1800 Euro. Und das liegt nicht nur an den hohen Mieten. Kein Einkauf im Supermarkt kostet unter 20 Franken, für ein großes Bier ist man selbst in der Studentenkneipe schnell bei 8 Franken. Eine Weile habe er schon gebraucht, bis er sich an das hohe Preisniveau in Zürich gewöhnt hatte, berichtet Grischa Klimpki - und das, obwohl er von Anfang an genug Geld verdiente. „Man darf nicht den Fehler machen und umrechnen.“ Denn der ständige Vergleich würde viel kaputtmachen.

Man vergisst schnell, dass man im Ausland ist

Auch an die helvetische Distanziertheit müsse man sich erst einmal gewöhnen. Wie viele andere Deutsche, die neu nach Zürich kommen, berichtet er von anfänglichen Schwierigkeiten, sich mit den Einheimischen in der Stadt richtig anzufreunden. Er habe Glück gehabt mit seinem internationalen Team am Institut. Dort habe er schnell Anschluss gefunden. Doch Grischa Klimpki erzählt auch, dass ihm die Integration trotz anfänglicher Hürden auch leichter als anderen Kollegen aus dem Ausland gefallen sei. Er begründet das vor allem mit der Tatsache, dass er in Zürich keine richtige Sprachbarriere überwinden musste, sondern täglich seine Muttersprache spricht. Zwar habe es ein paar Wochen gedauert, sich an die Schweizer Mundart zu gewöhnen, die sich deutlich von deutschen Dialekten - und vor allem vom Hochdeutschen - unterscheidet. Andererseits würde niemand verlangen, dass er als Deutscher Mundart spricht. Denn Hochdeutsch - oder Schriftdeutsch, wie die leicht abgeänderte Schweizer Variante heißt - ist die offizielle Sprache des Landes. Und so vergesse man in Zürich auch schnell mal, dass man eigentlich im Ausland ist.

Wie eigen die Schweiz dann doch ist, zeigt sich nicht nur in ihrer Sprache, sondern auch in ihren Bräuchen und ihrer Kultur. Was im Alltag in der internationalen Großstadt nicht weiter auffällt, wird an manchen Tagen besonders deutlich. Nach und nach erfährt ein Hinzugezogener etwa von Sportarten, die in Deutschland nur die wenigsten kennen: zum Beispiel vom Hornussen, am ehesten vergleichbar mit Baseball oder Kricket, das vor allem im Schweizer Mittelland gespielt wird. Oder vom Schwingen, einer Version des Ringens, das in der gesamten deutschsprachigen Schweiz verbreitet ist und das alle drei Jahre auf dem „Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest“ einen Schwingerkönig hervorbringt.

Besonders deutlich wird die Eigentümlichkeit Zürichs allerdings am stadteigenen Feiertag „Sechseläuten“. An einem Montag im April versammelt sich Jung und Alt auf dem Sechseläutenplatz am Zürichsee, um den Frühlingsbeginn zu zelebrieren. Dabei sieht das Publikum zu, wie eine Horde von Männern auf Pferden in traditioneller Kluft um einen überlebensgroßen Schneemann aus Pappmaché reitet. Wenn der „Böögg“ - so der Name der zentralen Figur - zum Höhepunkt schließlich angezündet wird, läuft eine Stoppuhr, bis er explodiert. Das ganze Spektakel hat sogar einen Erkenntniswert: Je schneller der Schneemann den mit Knallkörpern gefüllten Kopf verliert, desto schöner wird der Sommer.

Pralles Leben

Ob Joggen in den Wäldern des Uetliberges, Kaffee trinken auf dem Idaplatz oder Picknicken am Ufer des Zürichsees - das Leben der Zürcher findet draußen statt. Ein beliebtes Spiel ist Boule. Wann immer die Sonne scheint, rollen die Silberkugeln über den feinen Schotter auf der Josefswiese oder am Helvetiaplatz.

Für Wasserratten gibt es zwei Pflichttermine im Jahr. Beim Limmatschwimmen im August treiben Jung und Alt auf Gummikissen durch die ansonsten zum Baden gesperrte Innenstadt. Die 4500 Startberechtigungen sind begehrt: In diesem Jahr waren sie innerhalb von acht Minuten ausverkauft. Die Seeüberquerung im Juli ist hingegen nur etwas für geübte Schwimmer: 1,5 Kilometer legen die Teilnehmer vom Mythenquai bis zum Strandbad Tiefenbrunnen zurück.

Das Kulturangebot der Stadt hingegen ist nichts für den schmalen Geldbeutel. Ein Tipp: Studenten erhalten im Schauspiel Zürich eine Stunde vor Vorstellungsbeginn Restkarten in allen Preiskategorien für nur 18 Franken. Das Zürcher Kunsthaus mit Werken der Schweizer Künstler Alberto Giacometti und Ferdinand Hodler ist am Mittwoch für alle Besucher frei.

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