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Studieren im Ausland (7) : Singapur: Auf dem Tropenübungsplatz

Runde Sache: Auch die Architektur der Technischen Universität Nanyang verrät den Ehrgeiz des Stadtstaates beim Aufbau einer Bildungsinfrastruktur. Bild: Reuters

Der Stadtstaat Singapur investiert kräftig in Bildung, ködert die besten Unis der Welt und sogar Nobelpreisträger. Die Insellage hat jede Menge Vorteile - aber Vorsicht, wenn die Politik ins Spiel kommt.

          Alles war bestens vorbereitet, und doch hat Sibel Javas ein paar Tage gebraucht, bis sie „ja“ gesagt hat. Und auch dann ließ sie sich noch eine Hintertür offen: „Ich habe zunächst geplant, nach einem Jahr wieder zurück nach Deutschland zu gehen.“ Sie tat es nicht, sondern beendet nun, vier Jahre später, ihre Chemie-Promotion an der National University of Singapore (NUS). „Heute bin ich froh darüber. Aber es war nicht immer einfach“, erzählt die 32 Jahre alte Deutschtürkin. Einfach war und ist es in Singapur nicht, aber doch einfacher als an vielen anderen Studienorten.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          „Singapur hat immer noch ein Interesse daran, gute Forscher, Hochschullehrer und Studenten in die Stadt zu holen“, sagt Thorsten Wohland. Der deutsche Biophysiker lehrt und forscht seit 14 Jahren an der NUS und ist seit diesem Jahr ordentlicher Professor dort. „Die Singapurer machen das schon richtig gut: Sie haben immer wieder die Besten, bis hoch zu Nobelpreisträgern, in die Stadt geholt, stellen hervorragende Labore zur Verfügung und sorgen auch für die notwendige Finanzierung.“ Der Aufbau der Forschungslandschaft wird massiv von der Regierung vorangetrieben. Die sechs staatlichen Universitäten klettern Jahr für Jahr in den im Angelsächsischen so wichtigen Ranglisten höher. Die Tropeninsel lässt sich das viel Geld und Mühe kosten. Denn mit nur gut 5 Millionen Einwohnern bleibt ihr nichts anderes übrig, als in Bildung zu investieren. Bekannt ist das Eiland, seit der Brite Sir Stamford Raffles es im 19. Jahrhundert zum Handelsstützpunkt ausbaute. Später kamen die Banken, die Singapur zu einem führenden Finanzstandort in Asien machten. Niedrige Steuern und hohe Sicherheit zogen wohlhabende Investoren und ausländische Konzerne an. Deren Mitarbeiter verlangten nach guten Schulen und Universitäten für ihre Kinder. Heute leben hier rund 8000 Deutsche, fast 1500 deutsche Unternehmen steuern von Singapur aus ihr Geschäft oft in ganz Asien.

          Für die vielen Ausländer ist die Asien-Metropole der Tropenübungsplatz: Die britische Vergangenheit, die Weltoffenheit der Stadt, der strukturierte Aufbau machen ein Einleben leicht. Es gibt zwar noch Zensur und Todesstrafe, doch hat der Staat zugleich eine Kunst- und Theaterszene hochgezogen, phantastische Museen gebaut, noch mehr in Natur investiert. Singapur hat seine Chance genutzt, sich zur asiatischen Weltstadt zu mausern. Dazu gehören auch Spitzenuniversitäten.

          „Mindestens zehn Hochschulen von Weltrang“ sollten hier ihren Sitz haben

          Mitten im Zentrum, auf dem damals teuersten Baugrund, entstand 2002 die Singapore Management University (SMU). Die Regierung wollte mit dem Bau ein Zeichen setzen. Und deshalb wurde wenige Jahre später gegenüber der SMU die School of Arts (SOTA), eine weiterführende Schule mit künstlerischem Schwerpunkt, gebaut. In Singapur sollten „mindestens zehn Hochschulen von Weltrang einen Sitz haben“, verkündete die staatliche Wirtschaftsförderung, die sich auch der Ansiedlung von Hochschulen widmet. Nach dem Verteidigungshaushalt rangiert der Bildungsetat an zweiter Stelle im Staatsbudget. Die Ausgaben für Bildung machen rund ein Fünftel des Gesamthaushaltes aus.

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