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Studieren im Ausland (6) : Kopenhagen - Studien für Glückssucher

  • -Aktualisiert am

Noch Fragen? Bibliothek der Universität Kopenhagen. Bild: Imago

Dänen gelten als besonders zufrieden. Die Universität Kopenhagen ist ein guter Ort, um herauszufinden warum. Manches Angebot lässt andere Hochschulen alt aussehen.

          Juliane Jansen, Jahrgang 1988, gehörte noch vor kurzem zu den ungefähr 600 deutschen Studenten, die in jedem Semester an der größten Universität Kopenhagens, der University of Copenhagen (UCPH), eingeschrieben sind. Sie absolvierte dort im Jahr 2015 ihren Master an der sogenannten Science-Fakultät, wollte nach ihrem Bachelor in International Economics an der Universität in Tübingen unbedingt im englischsprachigen oder zumindest im englischlehrenden Ausland studieren - und stellte fest, dass dafür vor allem skandinavische Universitäten in Frage kommen. Denn die verlangen, anders als zum Beispiel die amerikanischen oder englischen Hochschulen, keine Studiengebühren. Außerdem konnte sie in Kopenhagen ihren Wunsch-Studiengang, nämlich Agrarökonomie, mit den Schwerpunkten internationaler Handel und Entwicklung studieren und bekam ein Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD). Klingt wie ein Volltreffer in der Studienortwahl.

          „Dänemark ist ein Geheimtipp für diejenigen, die den horrenden Kosten in Großbritannien aus dem Weg gehen wollen und die - natürlich auf Englisch - erstklassige Studienbedingungen vorfinden möchten“, sagt Wolfgang Gairing vom DAAD. Jedes Jahr schickt seine Organisation zehn bis fünfzehn Stipendiaten nach Kopenhagen, die mit einer monatlichen Unterstützung zwischen 800 und 1150 Euro gefördert werden. Außerdem übernimmt der DAAD Versicherungsleistungen und gewährt Reisekostenzuschüsse.

          In einer Stadt wie Kopenhagen lohnt sich die finanzielle Unterstützung umso mehr, denn obwohl dort keine Studiengebühren fällig sind, ist bei den meisten Studenten das Geld knapp: Allein die Miete kostet monatlich umgerechnet gut und gerne 600 Euro - natürlich in Kronen, der Landeswährung. Alles darunter ist günstig. Auch Juliane Jansen musste sich erst an diese finanziellen Maßstäbe in Dänemark gewöhnen. „Nachdem wir drei Monate gesucht hatten, fanden zwei Freunde und ich eine Wohnung mit neunzig Quadratmetern für 11 800 Dänische Kronen, also ungefähr 1600 Euro warm“, sagt sie. „Das kam uns am Anfang recht teuer vor.“ Allerdings stellten sie nach und nach fest, dass rund 530 Euro Miete pro Kopf für Studenten in Kopenhagen eher günstig sind. Selbst Wohnheimzimmer, die über die UCPH - die zweitgrößte Universität des Landes hinter Aarhus - an Studenten vermittelt werden und bei denen man häufig sechsmonatige Wartezeiten in Kauf nehmen muss, kosten bis zu 600 Euro Miete monatlich.

          Studieren im Ausland
          Korrespondenten der F.A.Z. beleuchten die Hochschulszene in vielen aufregenden Studentenstädten.


          Hohe Lebensqualität

          Finanziell müssen Studenten, was die Lebenshaltungskosten angeht, einen hohen Preis zahlen - darin unterscheidet sich die dänische Hauptstadt nicht von anderen Metropolen, die allesamt zu harten Kalkulationen zwingen. Dafür können sie immerhin im Land der „glücklichsten Menschen der Welt“ leben, die die Dänen auch im Jahr 2016 laut „World Happiness Report“ wieder sind. Dieser Bericht, der jährlich vom Earth Institute der Columbia-Universität für die Vereinten Nationen erstellt wird, versucht, das Glück der Menschen anhand ihrer sozialen und ökonomischen Zufriedenheit zu erfassen. Ob die Dänen tatsächlich die glücklichsten Menschen der Welt sind, lässt sich anhand einer solchen Erhebung natürlich nur schwer feststellen, aber eines ist sicher: Die Lebensqualität speziell in Kopenhagen ist sehr hoch. Und wer von einer deutschen Schule oder Universität kommt und an die Ergebnisse der Untersuchung glaubt, verbessert sich erheblich: Denn Deutschland liegt laut aktuellem Glücksreport nur auf Platz 16 unter allen Ländern der Welt.

          „Die Dänen genießen ihr Leben und nehmen sich sehr viel Zeit für die Familie. Trotzdem, oder gerade deshalb, haben sie die höchste Pro-Kopf-Produktivität in der Europäischen Union“, sagt Florian Kock, der bereits seit dem Jahr 2011 in Kopenhagen lebt. Er absolvierte seinen Master an der Copenhagen Business School (CBS) und promoviert dort seit 2015 im Bereich Internationales Marketing. Kock kennt die Perspektive der Lernenden und der Lehrenden, seitdem er an der CBS als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig ist.

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