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Studieren im Ausland (4) : Schanghai - Abenteuer in einer anderen Welt

Die Fudan-Universität, an der diese Studenten ihren Abschluss feiern, ist berühmt für ihre Studiengänge in Literatur und Sozialwissenschaften. Bild: Reuters

Wer in der chinesischen Wirtschaftsmetropole Schanghai studieren will, muss leidensfähig sein. Es warten windige Berater und andere Fallen - aber der Aufenthalt kann sich trotzdem lohnen.

          Als jüngst das Bundespräsidialamt die erste Amtsreise des deutschen Staatsoberhaupts durch China plante, suchten die Beamten einen geeigneten Platz in der Volksrepublik, an dem der frühere ostdeutsche Pastor seine geplante Grundsatzrede halten konnte, in der Joachim Gauck den Kommunismus verdammen wollte. Die chinesische Hauptstadt Peking war der herrschenden Kommunistischen Partei zu nah am politischen Zentrum. Also flog Gauck nach Schanghai, Chinas Wirtschaftsmetropole. Dort, im größten verfügbaren Vorlesungssaal der Universität Tongji, die vor fast 110 Jahren von der deutschen Regierung als „Deutsche Medizinschule“ gegründet wurde, mahnte Gauck nach ein paar Einleitungsworten die chinesische Regierung, eine Universität müsse ein „Ort freier Forschung und freier und offener Debatten“ sein.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Genau dies ist auch nach Ansicht vieler chinesischer Professoren in Gefahr, seit eine Kampagne zur Reideologisierung unter Chinas Präsident Xi Jinping die Hochschullehrer des Landes offiziell davor gewarnt hat, Lehrbücher zu verwenden, die „westliche Werte verbreiten“. Seit neuestem müssen die Professoren Listen ausfüllen, welches Material nichtchinesischer Herkunft sie in ihren Veranstaltungen einsetzen. Klar begrüßt werden von der Pekinger Führung die Schriften nur eines Denkers aus dem Westen: Karl Marx, dessen riesige Steinstatue Gauck auf dem Tongji-Campus in Schanghai begrüßte.

          Der Glanz der Stadt, von deren mondäner Uferpromenade aus der Blick auf eine der atemberaubendsten Wolkenkratzer-Skylines der Welt hinausreicht, legt Zeugnis ab von der Modernität eines der Zentren der neuen Welt. Wahr ist allerdings ebenso, dass Schanghai in China liegt, einem Land, in dem nach vielen Jahren der steten Öffnung ein wieder stärker zu vernehmender reaktionärer Geist vorherrscht. Wer als deutscher Gaststudent ein oder mehrere Semester in China verbringt, erlebt eine Nation, die sich von der westlichen Welt fundamental unterscheidet. Genau das ist für viele der Grund, herzukommen.

          Studieren im Ausland
          Korrespondenten der F.A.Z. beleuchten die Hochschulszene in vielen aufregenden Studentenstädten.


          23 Hochschulen gibt es in der Stadt

          Denn Schanghai ist ein Abenteuer. Bars, Restaurants und Clubs gibt es hier im Überangebot und in jeder Preisklasse: An 23 Hochschulen in der Stadt können nach Angaben der chinesischen Regierung Ausländer studieren. Den besten Ruf hat wohl die Fudan-Universität, die berühmt ist für ihre Studiengänge für Literatur, Sozialwissenschaften, Geschichte und Journalismus. Die Hochschule Jiaotong, die gerade erst ihren 120. Geburtstag gefeiert hat, genießt ein nicht minder großes Ansehen in den naturwissenschaftlichen Fachbereichen wie Ingenieurwissenschaften oder Biologie. Auf die Plakate, mit denen sie für ihr Jubiläum warb, druckte die Jiaotong-Universität ein Foto ihres prächtigen Eingangstors, das an die Verbotene Stadt in der Hauptstadt Peking erinnert. Auch gute chinesische Ökonomen haben hier studiert. Chinas früherer Präsident Jiang Zemin, der aus Schanghai stammt, ist ein Jiaotong-Absolvent und war für Elektroingenieurwesen eingeschrieben.

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