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Studieren im Ausland (12) : Innsbruck – Medizinerparadies in den Bergen

Der Gipfel des Studentenlebens: Jeder Vierte bis Fünfte kommt aus Deutschland. Bild: Franz Oss

Vormittags Piste, nachmittags Uni: Am Inn liegen erstklassige Ausbildung und alpines Lebensgefühl dicht beieinander. Deutsche Studenten fühlen sich besonders stark angezogen.

          Eine Szene wie im „Tatort“: Zwei Gerichtsmedizinerinnen mit Kittel und Mundschutz untersuchen die Kleidung eines Opfers auf Spuren. Sie verdunkeln das Labor, leuchten den Büstenhalter auf der Arbeitsplatte mit einer Speziallampe ab, fotografieren mit Makroobjektiven, entnehmen Faserproben. „Mit Sexualdelikten haben wir am meisten zu tun“, sagt Richard Scheithauer, der Direktor des Instituts für Gerichtliche Medizin an der Medizinischen Universität Innsbruck. „Im Fernsehen schaffen sie in 45 Minuten, wozu wir zwei Wochen brauchen. Aber wir bemühen uns.“

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.

          Scheithauer ist ein bescheidener Professor, dabei gehört sein Institut zu den erfolgreichsten Einrichtungen in Europa. Es ist nicht nur das DNS-Zentrallabor für das Innenministerium in Wien und deshalb in jeden österreichischen Kriminalfall mit genetischen Spuren involviert. Es genießt überdies einen hervorragenden internationalen Ruf. So haben die Tiroler die Gebeine der 1918 ermordeten russischen Zarenfamilie untersucht und konnten die in einem Grab gefundenen Knochen zwei vermissten Kindern der Romanows zuordnen. Ein Coup gelang ihnen auch, als sie nachwiesen, dass ein in der Weimarer Fürstengruft gefundener Schädel entgegen großen Erwartungen nicht von Friedrich Schiller stammte. Ein anderer spektakulärer Erfolg war die Identifizierung des Skeletts des englischen Königs Richard III. fast 530 Jahre nach seinem Tod auf dem Schlachtfeld. Von aktueller Bedeutung ist die Untersuchung von Ascheresten aus Mexiko, die Aufschluss geben könnten über die Ermordung von 43 Studenten.

          Studieren im Ausland
          Korrespondenten der F.A.Z. beleuchten die Hochschulszene in vielen aufregenden Studentenstädten.


          Scheithauers Zurückhaltung passt zu einer Hochschule, die in Forschung und Lehre Bemerkenswertes leistet, ohne viel darüber zu reden. Die Unfallchirurgie zum Beispiel gehört zu den größten und bekanntesten Traumazentren Europas, was nicht zuletzt an den vielen Skiunfällen in der Nähe liegt und an der großen Tiroler Rettungshubschrauberstaffel. In der Handchirurgie gelang im Jahr 2000 eine der frühesten beidseitigen Handtransplantationen. Empfänger war ein Polizist, den eine Rohrbombe verstümmelt hatte. Und wo sonst gibt es eine Kopfschmerzambulanz für Patienten, die unter dem Fallwind Föhn leiden? Der Psychiatrie angeschlossen ist sogar eine Eifersuchtsambulanz für pathologische Partnerschaftsprobleme.

          Zugleich eine alte und eine junge Einrichtung

          Dass man so wenig aus Innsbruck hört – auch in den medizinischen Rankings –, hat damit zu tun, dass sich die Medizinische Universität viel mit sich selbst und ihrem Sonderstatus beschäftigt. Denn sie ist zugleich eine alte und eine sehr junge Einrichtung: 1674 gegründet, gehörte die Medizinische Fakultät 330 Jahre lang zur Leopold-Franzens-Universität in derselben Stadt, bis sie von dieser Muttereinrichtung getrennt und 2004 selbständig wurde. Damit sollte sie näher an die Krankenhausträger heranrücken – die Landesklinik Innsbruck ist zugleich Universitätsklinik –, doch ist der Bruch bis heute umstritten.

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