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Studienkredite : Nach dem Abschluss 50.000 Euro Schulden

Auch ein guter Vorschlag: Der Asta-Vorsitzende der Uni Frankfurt bevorzugt aber den „Mindestlohn fürs Studieren“. Bild: Jens Gyarmaty

Einen Kredit aufnehmen, um zu studieren - für junge Leute, die weder Geld von den Eltern noch vom Staat bekommen, ist das oft die einzige Möglichkeit. Doch sie birgt Risiken.

          „Ich brauche das Geld jetzt“, sagt Jakob Hausmann. Er braucht es nicht für Drogen, nicht für Partys, sondern zum Studieren. Denn das ist teuer in Frankfurt: 450 Euro für das Zimmer in Bornheim, 400 Euro für Essen, Handy, Kleidung, Kino. „Leben halt“, sagt Hausmann, der seine finanziellen Nöte nicht mit seinem richtigen Namen in Verbindung gebracht sehen will. Um alles bezahlen zu können, hat er einen Kredit aufgenommen.

          Livia Gerster

          Redakteurin im Ressort Politik der F.A.Z.

          Knapp 883 Euro im Monat betragen laut Deutschem Studentenwerk die Lebenshaltungskosten von Studenten in Frankfurt. Wer weder Bafög noch Zuschüsse von den Eltern bekommt, kann so viel Geld kaum durch einen Nebenjob aufbringen. Designstudent Hausmann fotografiert Models für einen Kleiderladen - doch zum Leben reicht das nicht. Hauptberuflich muss er schließlich Leistungspunkte für den Bachelor sammeln.

          Viele Studenten entscheiden sich für KfW-Bank

          Als ihm das Bafög im 3. Semester gestrichen wurde - wegen „irgendeiner Steueränderung“ -, haben ihm Freunde den Studienkredit der staatlichen Förderbank KfW empfohlen. Mit dem ausgefüllten Antrag ging Hausmann zur Volksbank, zwei Wochen später hatte er 600 Euro auf dem Konto. „Ging total easy“, sagt er. Seit zwei Jahren lebt er von dem Darlehen, nach seinem Bachelor muss er knapp 30.000 Euro zurückzahlen.

          Natürlich sei das eine Bürde, gibt Hausmann zu. Aber man könne die Rückzahlung ja hinauszögern: „Wird schon irgendwie gehen“, sagt er mehr ungeduldig als zuversichtlich. Er denkt nicht gerne an die Schulden von morgen, sondern lieber an die Freiheit von heute. Und er findet gut, dass die KfW-Bank ihn mit Geld versorgt, ohne Kontoauszüge oder Sicherheiten einzufordern.

          15.000 solcher Darlehen hat die KfW im vergangenen Wintersemester bundesweit vergeben. Auch andere Banken bieten Studienkredite an, etwa die Frankfurter Volksbank und einige Sparkassen, doch die Großbanken haben das Angebot mittlerweile eingestellt. Das große Geschäft, das sie gewittert hätten, sei nicht aufgegangen, sagt Ulrich Müller vom Gemeinnützigen Centrum für Hochschulentwicklung. Die meisten Studenten vertrauten dem Staat und entschieden sich für die KfW. Die lässt ihre Kunden jeden Monat neu entscheiden, wie viel sie ausgezahlt bekommen. Nach dem Studium haben sie 23 Monate Zeit, bevor sie mit der Rückzahlung beginnen müssen, und 25 Jahre, um den Kredit zu tilgen.

          Ein Kredit für eine schöne Studienzeit

          Doch der Studienkredit kann zu einer teuren Falle werden, wie Noemi Hernández vom Studentenwerk Frankfurt sagt. Sie berät Studenten in Finanzfragen und stellt fest, dass sie die Verschuldung unterschätzen. Wegen der langen Laufzeit und variabler Zinsen verlören viele den Überblick - und fänden sich nach dem Studium plötzlich in einer prekären Lage wieder: kein Job, aber hohe Schulden.

          Davor graut es auch der Wiesbadener FH-Studentin Marlis Hein, die eigentlich anders heißt. Ihr Vater wurde gerade arbeitslos, doch wegen dessen Abfindung erhält sie kein Bafög. Sie stand vor der Alternative, entweder zu Hause zu wohnen und vier Stunden zu pendeln oder eine Ausbildung zu machen. Dann erfuhr sie vom KfW-Studienkredit und der Möglichkeit, sich ihren Traum vom „richtigen Studentenleben“ doch noch zu erfüllen.

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