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Studiengänge für Erzieher Bachelors für die Bärchengruppe

Vor zehn Jahren gab es kaum einen Studiengang für Erzieher. Nun sind es mehr als 80. Der Krippenausbau bringt eine Bildungsexpansion mit sich. Die Kinder wollen aber trotzdem noch gewickelt werden.

© Peter von Tresckow Vergrößern

Als im vergangenen Spätherbst die ersten 18 Absolventen des Studiengangs „Pädagogik der frühen Kindheit“ in Koblenz ihre Zeugnisse bekamen, waren auch zwei Politikerinnen zugegen. Neben den 17 Absolventinnen und einem Absolventen saßen die rheinland-pfälzische Familienministerin Irene Alt (Grüne) und die zuständige Bildungsstaatssekretärin Vera Reiß (SPD) im Festsaal. Die Abschlüsse seien „Teil einer neuen Sozialpolitik, in der Bildung als zentrale Ressource gesellschaftlicher Entwicklung gewürdigt wird“, sagte der Hochschuldekan.

In Kitas ist es bekannterweise wichtig, dass die Erzieher zu den Krippenkindern lieb sind, sensibel für deren Bedürfnisse und dass sie die Ein- bis Dreijährigen zuverlässig wickeln, füttern und ins Bettchen bringen. All dies sind wertvolle Aufgaben, jedoch: Praxis par excellence. Trotzdem erfasst die Akademisierung auch den Beruf der Kleinkinderzieher. In nicht einmal 10 Jahren entstanden mehr als 80 Studiengänge, vor allem an Fachhochschulen. Wieso?

„Erziehungspartnerschaft“ statt einfach nur Spielen

Karola Schmidt, die tatsächlich anders heißt, ist freundlich, aber wirkt, als müsse sie ihre Genervtheit über solch eine naive Frage verbergen: „Ja, das hat man eben früher gesagt: Ich spiele gern mit Kindern und werde Erzieherin, aber das können Sie heute vergessen, da gehört viel mehr dazu.“ Sie war eine der ersten Absolventinnen, als sie 2008 ihre Urkunde als Bachelor im Fach „Bildungs- und Sozialmanagement“ der Hochschule Koblenz in der Hand hielt. Dort kann man nun auch zwei weitere ähnliche Fächer mit leicht verschiedenen Schwerpunkten studieren. In Studiengängen wie diesen lernen die Erzieher Statistik, um neueste wissenschaftliche Studien lesen zu können, Bindungs- und Entwicklungstheorien wie die von Piaget, oder auch Grundlagen des Sozialmanagements. „Heute muss man die Abläufe in einer Kita professionell planen, sonst gibt es Chaos“, sagt Schmidt.

Der Beruf hat sich in den vergangenen Jahren enorm verändert: Die Kinder sind heute in der Regel bis 17 Uhr in der Einrichtung, die Eltern bringen sie manchmal schon im Alter von wenigen Wochen. Inklusion und professionelle Sprachförderung werden heute von Erziehern verlangt, von „Erziehungspartnerschaft“ mit den Eltern ist die Rede, „individueller Entwicklungsbegleitung“. Kita-Erzieher müssten Konzepte entwerfen und Dienstpläne unter Berücksichtigung des Forschungsstandes entwerfen. „Dass die Beziehung der Erzieher zu den Kleinkindern intakt ist, darauf kommt es an“, sagt Schmidt.

10 bis 15 Prozent sollen bald einen akademischen Abschluss haben

Von Magdeburg bis München gibt es nun Studiengänge, die „Angewandte Kindheitswissenschaften“ heißen, oder „Bildung und Erziehung im Kindesalter“. 10 bis 15 Prozent der Erzieher sollen bald über einen akademischen Abschluss verfügen, heißt es. Angestrebt ist eine Teilakademisierung. Nicht jede Erzieherin soll studieren.

Die Entwicklung hat zwei Ursachen. Vor fast 10 Jahren schreckte eine Studie der OECD die deutsche Politik auf, es ging um die Wissenslücken deutscher Grundschüler. Die Erklärung war, man habe, anders als skandinavische Länder, „frühkindliche Bildung“ vernachlässigt. Fortan sollte im Kindergarten nicht mehr nur gespielt werden. Dazu kam später die Krippen-Offensive unter Ursula von der Leyen (CDU), die in einem bundesweiten Rechtsanspruch ab diesem Sommer Verwirklichung finden soll. 2011 erkannte die Familienministerkonferenz Bachelorabschlüsse der Kinderbetreuung an.

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