20.01.2013 · Vor zehn Jahren gab es kaum einen Studiengang für Erzieher. Nun sind es mehr als 80. Der Krippenausbau bringt eine Bildungsexpansion mit sich. Die Kinder wollen aber trotzdem noch gewickelt werden.
Von Jan GrossarthRichtlinien für Lesermeinungen
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...oder besser die Wissenschaft, wie sie sich selbst gerne nennt, sollte ersteinmal etwas wissenswertes schaffen, bevor sie damit die Leute einlullt! Ich würde meine Kinder lieber einer Person mit klarem Verstand anvertrauen, als einer Person, die Pädagogik studiert hat! Also mir machen solche Verdummungsstrategien, wie sie hier in Deutschland praktiziert werden wirklich Angst.
Früher gab es auch schon eine Differenzierung im
Kindergartensektor. Da gab es Vorpraktikanten, Praktikanten,
Kinderpflegerinnen (Berufsfachschule, 2 Jahre) und Erzieherinnen
(Berufskolleg, 3-4 Jahre). Wenn man dann eine Leitung braucht, kann man
eine studierte Sozialpädagogin anstellen (theoretisch auch einen
Sozialpädagogen, wenn man einen findet). Warum also sollte man nun
die Erzieherinnen auch alle studieren lassen und anschließend so
gut bezahlen, wie die höher Qualifizierten.
Apropos studieren: Wo will man denn all die Abiturientinnen für den
vergleichsweise schlecht bezahlten Job hernehmen? Entweder, man braucht
für den B.A. gar kein Abitur - dann ist es kein Studium. Oder man
braucht es, dann muss man sich fragen: Braucht man heute schon
Akademikerinnen, um im Regelkindergarten Ringelreihen zu tanzen? Eine
verkehrte Welt!
"...Ralf Haderlein, ..., wirbt für den weiteren Ausbau der
akademischen Lehre. Basis der Erziehung sei der Beziehungsaufbau zum
Kind, dann folge sichere Bindung, dann Bildung. „Wickeln ist etwa
eine hohe kommunikative Form des Beziehungsaufbaues“, sagt er...."
Ab da habe ich aufgehört..
Wie sehr doch Dinge nach Belieben umbenannt werden, um sie - je nach
Bedarf - für oder gegen etwas einzusetzen.
Bei frisch gebackenen Vätern nennt man das Wickeln schlicht
"Wickelvolontariat" und er kriegt einen Exotenorden dafür.
Frisch gebackene Mütter schickt man dafür in die Wüste,
indem man ihnen mantraähnlich vorhält, dass sie
a) ein Steuerverlust für den Staat sind, weil sie keine Steuern
zahlt. Das rechnet sich der Staat übrigens feierlich als
"Kinderförderung" an.
b) sie beruflich abqualifiziert, weil sich in die Köpfe gefressen
hat, dass Mütter an Hirnmasse einbüßen, wenn sie Kinder
bekommen und sich um Wickeln und Co. kümmern.
c)sie eine faule Socke ist, weil sie ja "nicht arbeitet"
Studium demnächst auch für Fliesenleger?
Mit den Inhalten: Geometrie, mathematische Theorie der Parkettierung der Ebene, Chemie der Dispersions- und Harzkleber, Mineralogie, BWL. Denn auch Fliesenlegen ist eine anspruchsvolle Tätigkeit geworden, die in unserer Gesellschaft noch zu wenig gewürdigt wird. Einfach nur Fliesenkleber auf den Estrich schmieren und Fliesen andrücken, das war einmal. Außerdem brauchen wir mehr Akademiker. Allerdings wird die Fliesen weiterhin der Pole legen, weil ein studierter Bachelor of Floor Tiling zu teuer sein wird.
Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 21.01.2013 11:11 UhrExakt
"upgrading vocationally oriented education" ... ist
übrigens OECD-Deutsch für das finnische Wunder der wundersamen
Akademikervermehrung.
Allerdings täusche man sich nicht: Während "der
Markt" immer noch entscheidet, wieviel einem "bachelor of
floor tiling" zu zahlen ist, entscheidet das beim
ÖD-Akademiker die Besoldungsstufe. Gleiche Arbeit = plus 20-25% Gehalt.
In den letzten rd. 15 Jahren ist der Anteil der Personalkosten (inkl.
Pensionen) an den Ausgaben des Landes NRW von 50 auf 60% gestiegen. Das
ist noch Luft nach oben !
Skandinavien liegt in den Ergebnissen der PISA-Studie hinter Deutschland. Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, liegt Schweden hinsichtlich der mathematischen Kompetenz auf der Stufe von Bremen.
FRÜHkindliche Bildung ist wichtig!?
Vermutlich sind Frau Familienministerin Irene Alt, Frau Bildungsstaatssekretärin Vera Reiß oder Herr Prof. Ralf Haderlein "nur" das geworden was sie sind, weil sie in ihrer frühen Kindheit (1-3 Jahre) leider keine studierten Erzieherinnen und Erzieher als "Erziehungspartner" an ihrer Seite hatten.
Inklusion, Sprachförderung, psychologische Unterstützung,
Erziehung, Bildung - und das alles mit einem berufsbegleitenden Bachelor
für anschließend rund 2000.- brutto.
Dieser Anspruch an die Arbeit und Bezahlung eines Erziehers / einer
Erzieherin kann der Realität niemals standhalten.
Wie hat eine Bekannte, Erzieherin mit Fachhochschulabschluss, nach der
Geburt ihres ersten Kindes gesagt? "Mit einem eigenen Kind ist doch
alles ganz anders, da ist man vorsichtiger und passt mehr auf."