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Studiengänge Bachelor statt Diplom: Das neue Studium

19.09.2006 ·  Die Studenten sollen schneller und praktischer werden. Viele Unternehmen freuen sich auf Bachelor und Master. Architekten, Juristen und Mediziner sperren sich. In kleinen Betrieben sind die Abschlüsse oft noch gar nicht bekannt.

Von Winand von Petersdorff
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Es geht gleich zur Sache: Den Maschinenbaustudenten der TU Darmstadt wird in der ersten Woche des ersten Semesters bereits abverlangt, in Teams eine Meerwasserentsalzungsanlage oder einen Großgrill zu planen. "Sie sollen erleben, wie Ingenieursarbeit in der Industrie aussehen kann", sagt Professor Eberhard Abele. Die Zeit drängt. Den Studenten bleiben bis zum Abschluß als Bachelor nur sechs Semester.

Anwendungsorientiertes Wissen ist der Fachbegriff, mit dem sich die altehrwürdigen Hochschulen herumschlagen. Deutschlands Universitäten befinden sich mitten im großen Umbruch. Die Umstellung der Diplom- und Magisterstudiengänge auf das angelsächsische System mit Bachelor und Master als Abschluß soll bis 2010 abgeschlossen sein. Zwei Stufen sieht das neue System vor: Zuerst der Bachelor (BA), ein Studiengang mit in der Regel sechs Semestern; dann der Master (MA) als Studiengang mit vier Semestern.

Anwendungswissen

Im Bachelor-Studiengang vermitteln die Universitäten neben der Theorie Anwendungswissen, um die Kandidaten auf das Berufsleben vorzubereiten. So steht es zumindest auf dem Papier. Zugleich sollen die Studenten mit dem Bachelor einen ersten akademischen Abschluß erlangen, der für das Berufsleben qualifiziert. Die Idee hinter diesen Neuerungen lautet: Die akademischen Abschlüsse müssen international vergleichbar werden, die deutschen Studenten sollen schneller studieren, und die Abbrecherquote muß schrumpfen. Denn jeder vierte Student in Deutschland streicht vorzeitig die Segel.

Wird der Bachelor von potentiellen Arbeitgebern als Abschluß eines Schmalspurstudiengangs eingestuft oder als hochwertiger akademischer Titel? Personalchefs von 22 Großunternehmen, darunter bekannte Namen wie RWE, Eon, Adidas, die Deutsche Bahn, die Otto-Gruppe, Roland Berger oder Procter & Gamble haben gemeinsam eine Erklärung unter dem Titel "More bachelors and masters welcome" veröffentlicht. Der entscheidende Satz lautet: "Wir werden vermehrt attraktive Tätigkeitsfelder und Entwicklungsperspektiven sowohl für Bachelor- als auch für Master-Absolventen anbieten." Mit anderen Worten: Bachelors bekommen bei diesen Adressen eine Karrierechance.

Positive Erwartungen

Der Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Frankfurter Goethe-Universität unterstreicht die positive Einschätzung. 56 Prozent der befragten Personalverantwortlichen der führenden deutschen Unternehmen stehen den Bachelor-Studiengängen positiv gegenüber, beim Master sind es sogar mehr als 70 Prozent. Und die Personalberatung Alma Mater hat in einer schriftlichen Befragung herausgefunden, daß die meisten Firmen bereit sind, Bachelors genauso zu vergüten wie Diplom-Absolventen.

Doch es gibt auch eine Menge Konzerne, die noch keine Richtlinien für die Behandlung von Bachelors haben. Nestlé setzt bei ihren Toptrainees in der Regel einen Master oder ein Diplom voraus. Eine weitere Einschränkung kommt von Unternehmen, die vor allem Ingenieure einstellen. "Der Bachelor allein ist zu wenig", formuliert ein leitender Entwicklungsingenieur eines Autobauers. Die führenden Technischen Universitäten in Deutschland machen sich deshalb für den Master als Regelstudiengang stark.

Wer sich stur stellt

Stur stellen sich auch die Architektenkammern. Sie weigern sich, Bachelor-Absolventen als Architekten anzuerkennen. Das kommt faktisch einem Berufsverbot gleich. "Ich würde ohnehin nicht zum Architekturstudium raten", sagt Expertin Elisabeth Sundermann mit Blick auf die katastrophale Arbeitsmarktsituation. Auch Juristen und Mediziner sperren sich erfolgreich gegen den Bachelor-Arzt oder den Bachelor-Anwalt. Gleichwohl haben Universitäten und die private Bucerius Law School Bachelor-Studiengänge im Angebot. Doch viel Resonanz findet das bislang noch nicht. Die meisten Studenten bleiben beim herkömmlichen juristischen Staatsexamen, um als Anwalt oder Richter arbeiten zu können.

Vor allem in kleineren Unternehmen sind die neuen Abschlüsse noch gar nicht bekannt. Doch das dürfte eine Frage der Zeit sein: "In fünf Jahren kräht kein Hahn mehr nach dem Diplom", sagt Elisabeth Sundermann von der TU Darmstadt. Sie rät deshalb den Studienanfängern, sich gleich an den guten Universitäten für Bachelor-Studiengänge einzuschreiben, auch wenn einige Universitäten in einer Übergangszeit noch Diplom-Studiengänge anbieten.

Einen Haken hat die deutsche Variante des zweistufigen Systems. In vielen Fächern bauen die Master-Studiengänge auf den Bachelor-Studien auf. Die Vorstellung, der Student könne auf seinen Wirtschafts-Bachelor beispielsweise einen Master Engineering draufsetzen, muß man deshalb zumeist aufgeben.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 17.09.2006, Nr. 37 / Seite VVP15
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Jahrgang 1963, stellvertretender Ressortleiter Wirtschaft.

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