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Studienfinanzierung Ohne Cabrio zur Privatuni

29.01.2009 ·  Dank Bildungsfonds und Studienkrediten sind Privatunis kein Biotop für die Kinder reicher Eltern mehr. Ob sich 30.000 Euro Schulden für ein Examen lohnen, sollte man sich überlegen. Doch manche Studenten schultern das gerne.

Von Julia Wittenhagen
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Für seinen Plan, Betriebswirtschaftslehre zu studieren, nahm Marc Janus schnell die private Otto Beisheim School of Management in Koblenz-Vallendar ins Visier. "Sie lag in den Uni-Rankings immer weit vorne", begründet er die Entscheidung. "Und ich hatte Freunde, die sich dort sehr gut aufgehoben fühlten." An der Wirtschaftshochschule für Unternehmensführung (WHU), wie die deutsche Variante des Hochschulnamens lautet, ist das Verhältnis von Studenten- und Dozentenzahl ausgezeichnet, Auslandspraktika und -semester sind in das kompakte Studium integriert, mehr als 50 Veranstaltungen mit Unternehmen im Jahr sorgen schon im Studium für exzellente Kontakte zu späteren Arbeitgebern. Allerdings kostet ein sechssemestriger Bachelor-Studiengang an der WHU 31.500 Euro. Wer den Master draufsatteln will, muss weitere 15.000 Euro berappen - nur für die Studiengebühr.

"Meine Eltern waren überhaupt nicht begeistert, zumal sich beide im vergangenen Jahr selbständig gemacht haben", berichtet Janus. "Das Geld dafür war nicht da." Studieren ist für die Eltern angehender Akademiker ohnehin schon teuer, sie sind nach wie vor die wichtigsten Geldgeber für Studenten - weit vor Bafög und Nebenjobs. 725 Euro stehen nach einer Erhebung des Deutschen Studentenwerks jedem Studenten in Deutschland durchschnittlich im Monat zur Verfügung. Bis zum Abschluss nach vier oder fünf Jahren kommen da leicht 30.000 bis 40.000 Euro zusammen. Wenn der Nachwuchs dann auch noch mit den Hochglanzbroschüren privater Unis nach Hause kommt, winken viele Mütter und Väter wie die Eltern von Marc Janus ab.

Stipendien, Teilerlass der Gebühren, Kooperationen mit Banken, Bildungsfonds

Der Zwanzigjährige übernahm mit Hilfe der WHU-Website "Studienfinanzierung" deshalb selbst die Regie: Stipendien, Teilerlass der Gebühren, Kooperationen mit Banken, Bildungsfonds - das ist die Palette, die die meisten privaten Bildungsanbieter inzwischen vorhalten. Rund siebzig mehr oder minder gebührenfinanzierte private Universitäten und Fachhochschulen gibt es inzwischen in Deutschland, zehn von ihnen gingen erst in den beiden vergangenen Jahren an den Start. Das Gros machen Fachhochschulen mit einem sehr spezialisierten Angebot wie zum Beispiel die FH im nordrhein-westfälischen Hamm aus; dort schlägt ein Wirtschaftsingenieur-Bachelor in Logistik oder Gebäudemanagement mit 21.600 Euro Gebühren zu Buche. "Bei uns nimmt die Finanzierungsfrage in der Studentenberatung großen Raum ein", erklärt Marketingleiter Jürgen Albers. "Darauf gehen wir ein, indem wir beispielsweise den Stundenplan so gestalten, dass der Student nebenbei arbeiten gehen kann. Entweder ist der Vormittag oder der Nachmittag frei. Außerdem sprechen wir kooperierende Unternehmen darauf an, interessante Jobs anzubieten." Am Geld, glaubt Albers, muss kein Studium scheitern. "Es gibt so viele Fördermöglichkeiten und Stipendien. Man muss sich nur frühzeitig darum kümmern - am besten noch während der Schulzeit."

Warum junge Menschen, die auch ein Studium an einer staatlichen Hochschule nur mit Bafög, Krediten oder Stipendien finanzieren können, sich freiwillig auch noch die Studiengebühren der privaten Anbieter aufhalsen? Jürgen Albers hat eine Erklärung dafür parat: "Sie finden hier ein gut strukturiertes, straffes Angebot vor, ein Maximum an Ansprechpartnern und eine familiäre Atmosphäre." Das verkürze die Studiendauer und erhöhe die Aussicht auf Erfolg im Studium und im Beruf.

„Der Aufwand hat sich gelohnt“

"Ich habe eine unglaublich gute Ausbildung in viel kürzerer Zeit bekommen, als das an jeder öffentlichen Uni möglich gewesen wäre", sprudelt es etwa aus Diana Schumann heraus, die an der International School of Management (ISM) in Dortmund ihr Diplom abgelegt hat und nun in Nizza an der Côte d'Azur ihren Master draufsetzen möchte. "Wir wurden in kleinen Gruppen individuell gefördert. Tutorien wurden nach Bedarf angeboten, Wartezeiten für bestimmte Vorlesungen gab es auch nicht." Dass ihre Eltern als Polizist und Hausfrau mit vier Kindern nicht in der Lage sein würden, ihr das Studium zu finanzieren, war der heute Vierundzwanzigjährigen schon früh klar. Und obwohl sie auch selbst schon einen kleinen Sohn hat, ließ sie sich von 3780 Euro Studiengebühren im Semester nicht abschrecken. Stattdessen bewarb sie sich erfolgreich um ein ISM-Stipendium im Grundstudium, bekam im Hauptstudium ein zinsloses Darlehen und stemmte die laufenden Kosten mit einem 400-Euro-Job im Hotel und gut bezahlten Praktika. "Der Aufwand hat sich gelohnt", zieht sie Bilanz. "Ich habe schon mehrere Jobangebote. Eine private Hochschule spielt eben in einer ganz anderen Liga als eine öffentliche, was den Zugang zur Wirtschaft und zum Erfolg angeht." Allein das sei das Geld wert. Für ihren 11.000 Euro teuren Master-Studiengang hat Schumann jetzt einen KfW-Kredit aufgenommen und Bafög beantragt. "Über die Rückzahlung mache ich mir überhaupt keine Sorgen."

Marc Janus zieht seinerseits den sogenannten Generationenvertrag vom Fondsanbieter Brain Capital einem Kredit vor, um sein Studium an der WHU zu finanzieren. Wäre er Bafög-berechtigt, hätte er auch die Chance gehabt, eines der Stipendien zu bekommen, die die WHU an 15 Prozent ihrer rund 130 Studienanfänger im Jahr vergibt. Dafür, dass ihm jetzt stattdessen der Fonds die Studiengebühren vorstreckt, wird Janus nach seinem Abschluss für eine feste Zahl von Jahren einen bestimmten Prozentsatz seines Bruttogehalts in den Fonds zurückzahlen. "Alles, was über die ursprüngliche Auszahlungssumme hinausgeht, ist dann quasi mein Solidarbeitrag für die nächste Studentengeneration", erklärt er das Prinzip. "Dafür habe ich die Option, die Rückzahlung auszusetzen, falls ich beispielsweise promovieren möchte. Bei einem Kredit wäre das nicht möglich."

„Für uns zählen Begabung und Begeisterung“

Dass ein Studium nicht am Geld scheitern solle, betont auch Beate Booß von der WHU, wo ein Semester im Bachelor-Programm 5250 Euro Gebühren kostet. "50 Prozent unserer Studenten finanzieren sich anders als über die Eltern", sagt die Studienberaterin. Deshalb sieht sie die WHU auch nicht als eine Elitehochschule an. "Elite hat für mich etwas mit Abschotten zu tun. Das tun wir aber nicht. Jeder kann sich bewerben, auch wenn die Aufnahme bei uns als schwierig gilt." Den Ausschlag geben dann die Abiturnote und außergewöhnliches Engagement sowie ein zweitägiger persönlicher Auswahlprozess, in dem es etwa um Verantwortungsbereitschaft, Teamgeist und Belastbarkeit geht. "Für uns zählen Begabung und Begeisterung."

Ein gutes Ergebnis im Aufnahmetest erhöht außerdem die Chancen, in eines der Förderprogramme der European Business School in Oestrich-Winkel zu kommen. Das Interesse daran hat zuletzt deutlich zugenommen. "Dieses Jahr hat sich ein Drittel aller Erstsemester mit dem Wunsch einer Finanzierungsberatung an uns gewandt", berichtet Daniela Frey, die das Studentenbüro der EBS leitet. "Das haben wir noch nie erlebt." Von den 230 Studenten eines Jahrgangs können nach ihrer Einschätzung 15 bis 20 Prozent nicht auf ihre Eltern als Finanziers der Studiengebühren zurückgreifen. "Doch in dem Maße, wie immer mehr Banken mit Bildungskrediten auf den Markt kommen, wird es offensichtlich salonfähig, in seine Bildung selbst Geld zu investieren."

Ein tüchtiges Maß an Selbstbewusstsein nötig

Was WHU und EBS für die Wirtschaftswissenschaften sind, ist die Bucerius Law School für die Rechtswissenschaften. Ein Studium an der privaten Hochschule in Hamburg kostet 39.600 Euro. Dennoch will auch der Bucerius-Geschäftsführer Hariolf Wenzler seine Studenten nicht finanziell, sondern intellektuell von anderen unterschieden wissen. "Wir bilden sie mit Fremdsprachen, Wirtschaftswissenschaften und Studium generale zu mehr als nur guten Juristen aus. Unsere Zielgruppe sind sehr begabte, talentierte junge Menschen, die genau dieses Konzept reizt." Nur für wen dieses Mehr entscheidend sei, für den lohne sich auch der finanzielle Aufwand.

Außerdem braucht es aber auch ein tüchtiges Maß an Selbstbewusstsein, um sich unbeeindruckt von den vielen Cabrios auf dem Parkplatz in der im Durchschnitt eher gut situierten Studentenschaft der meisten Privathochschulen zurechtzufinden. Interessenten sollten deshalb genau prüfen, ob sie sich in dieser besonderen Atmosphäre in den nächsten Jahren wohl fühlen werden. Denn auch das ist wichtig für den Erfolg, den die privaten Bildungsanbieter so gerne versprechen.

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