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Studienfach-Wahl Was wir nicht mehr studieren würden

Das Studium, unsere schönste Zeit. Wären nur die Vorlesungen und Klausuren nicht gewesen. Oder wäre alles ein bisschen anders gelaufen. Ein kleiner Anti-Ratgeber. Mit Leseraktion.

© Peter von Tresckow

Volkskunde

Wenn sogenannte Orchideenfächer mit Weltfremdheit, mangelndem gesellschaftlichen Nutzen und fehlenden Berufsperspektiven assoziiert werden, ist die Volkskunde das Mauerblümchen unter den Orchideen. Das spürte der Volkskunde-Student nicht nur daran, dass er sich ständig mit seinen (wenigen) Kommilitonen vor der Hauptverwaltung der Uni Bonn einzufinden hatte - um für den Fortbestand des Faches zu protestieren. Das Volkskundliche Seminar verströmte derweil so viel Muff und war so vollgestellt mit Zettelkatalogkästen, dass etwaiger Elan beim Betreten im Nu verflogen war. “Was studierste?“, ist wohl die häufigste Frage, die dem Studenten gestellt wird. Ich ertappte mich dabei, wie ich bald „Politik und Neuere Geschichte“ antwortete. Und das zweite Nebenfach verschwieg: Volkskunde. Für mich klingt das immer noch wie ein Schulfach aus Zeiten der Gebrüder Grimm. Ich wollte spöttischen Nachfragen entgehen und hatte keine Lust, die „Ich erklär jetzt mal Volkskunde“-Rede abzuspulen. Die ging ungefähr so: „Die Volkskunde wird andernorts klugerweise Europäische Ethnologie, Kulturwissenschaften oder Kulturanthropologie genannt, weil es besser klingt. Die Volkskunde beschäftigt sich mit Phänomenen der Alltagskultur, die Volkskunde kann alles sein, alles machen.“ Fürs Alleskönnen rühmte man sich also in der Volkskunde. Tatsächlich aber beschäftigte man sich in den Seminaren der Alles-Wissenschaft Volkskunde dann Stunde um Stunde mit der eigenen Fachgeschichte im Dritten Reich - man setzte somit den Studierenden die engstmöglichen Grenzen. Sobald die Sprache darauf kam, dass die Volkskunde sich im Dritten Reich widerstandslos vereinnahmen ließ, senkten Studierende und Dozenten (besser gesagt: der eine Dozent) die Blicke und schauten betreten drein. Dankbar hingegen bin ich der Volkskunde, das sie mir, ohne mich groß zu behelligen, den Magisterabschluss ermöglichte. Und dass sie schließlich ihrem Alleskönner-Anspruch doch noch gerecht wurde: Mein (einziges) Thema im Hauptstudium: „Die Fangesänge des MSV Duisburg“. (Alex Westhoff)

Betriebswirtschaftslehre

„Mit BWL kann man alles machen.“ Dieser Satz ist wie ein Monument, durch stete Wiederholung in den Rang einer Tatsache erhoben. Auch ich hielt dieses Studienfach in den ersten Semestern für eine gute Wahl. Da ging es noch um das große Ganze. Einführung in die Betriebswirtschaftslehre, ins Öffentliche Recht, die Volkswirtschaftslehre, dazu Vorlesungen aus dem Studium generale, alles höchst interessant. Doch je weiter das BWL-Studium in Mainz voranschritt, desto mehr bekam es den Charakter einer betrieblichen Ausbildung. Klein-klein statt groß. Es galt, sonderlichste Geschäftsvorgänge auf T-Kontenblättern ordnungsgemäß zu verbuchen, Barwerte von Finanzgeschäften zu berechnen, die steuerrechtliche Behandlung einer GmbH & Co. KG von der einer KGaA zu unterscheiden. Nach den Vorlesungen wurde nicht mehr hitzig diskutiert, wie realistisch die Annahme eines Homo oeconomicus ist. Stattdessen: Auswendiglernen. Die Reihen lichteten sich, Kommilitonen verabschiedeten sich zu den Geisteswissenschaften, andere ganz. Um mich herum saßen fast nur noch angehende Unternehmensberater und Wirtschaftsprüfer, die ihre Berufung schon mal im Aktenkoffer vor sich her trugen. Im Nachhinein war der größte Vorteil dieses Studiums, dass es nach acht Semestern vorbei war. Mag sein, dass man mit BWL alles machen kann. Aber um alles machen zu können, muss man nicht BWL studieren. (Julia Löhr)

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