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Studienanfänger Zahl der Erstsemester auf Rekordstand

19.03.2009 ·  Die Bildungspolitik ist fast am Ziel: Knapp 40 Prozent eines Jahrgangs nehmen ein Studium auf. Am stärksten steigt die Zahl der angehenden Ingenieurwissenschaftler.

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Noch nie hat es in Deutschland so viele Studienanfänger gegeben wie im vergangenen Jahr: Rund 386.500 Männer und Frauen haben sich nach Auskunft des Statistischen Bundesamtes an den rund 400 Hochschulen des Landes immatrikuliert, 9000 mehr als im bisherigen Spitzenjahr 2003. Rund 192.300 der Erstsemester waren Frauen (plus 5,8 Prozent) und etwa 194.200 Männer (minus 0,7 Prozent). Die Studienanfängerquote – also der Anteil eines Jahrgangs, der sich für ein Studium entscheidet – stieg von 37,1 auf 39,3 Prozent und liegt nun nur noch knapp unter dem von Bildungspolitikern ausgegebenen Ziel von 40 Prozent. Zum Vergleich: 1994 nahmen nur 25,9 Prozent eines Jahrgangs ein Studium auf.

Mehr Techniker, weniger Geisteswissenschaftler

„Wir sind auf dem richtigen Weg“, kommentierte Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) die Zahlen am Donnerstag in Berlin. Sie dürfte auch mit den Details der Hochschulstatistik zufrieden sein. Denn besonders deutlich hat die Zahl der Studienanfänger in den Ingenieurwissenschaften zugenommen, für die Politik und Wirtschaft in den vergangenen Jahren mit Blick auf den befürchteten Fachkräftemangel der Branche stark geworben haben. 75.800 angehende Techniker haben sich 2008 eingeschrieben, 9,2 Prozent mehr als fünf Jahre zuvor. Populärer sind seit 2003 auch die Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften geworden, hier stieg die Anfängerzahl um 6,2 Prozent auf 132.700. Dagegen waren Mathematik und Naturwissenschaften mit 64.900 Studienanfängern (minus 4,8 Prozent) sowie Sprach- und Kulturwissenschaften mit 68.000 erstmals Immatrikulierten (minus 11,5 Prozent) nicht so gefragt wie damals.

Deutliche Unterschiede sind auch zwischen den Hochschulformen auszumachen: Vom Anstieg der Anfängerzahlen profitieren mit einer Zunahme von 21,5 Prozent vor allem die Fachhochschulen. Die Universitäten hingegen erreichten mit rund 238.100 Studienanfängern den Rekordwert von 2003 nicht. Ein möglicher Grund dafür: Die Ausbildung an den Fachhochschulen gilt als praxisnäher, deshalb bevorzugen manche Unternehmen ihre Absolventen. Eine Rolle könnte aber auch das neue Studiensystem à la Bologna mit den Abschlüssen Bachelor und Master spielen: Wer an einer Fachhochschule studiert, muss mit einem solchen Abschluss nicht mehr den Zusatz „(FH)“ hinter seinem Titel führen. Zudem kann man mit einem FH-Bachelor an vielen Universitäten ein Master-Studium aufsatteln.

Fachhochschulen profitieren vom Bologna-Prozess

Seitdem sich die Bildungsminister von 29 europäischen Staaten im Juni 1999 auf den sogenannten „Bologna-Prozess“ geeinigt haben, sind in Deutschland rund drei Viertel aller Studienangebote auf die Bachelor-/Masterstruktur umgestellt worden. Der Anteil der in diesen Studiengängen eingeschriebenen Studenten stieg nach Auskunft des Bundesbildungsministeriums zuletzt von 12,5 Prozent im Wintersemester 2005/2006 auf gut 30 Prozent im Wintersemester 2007/2008; das waren mehr als 600.000 Studenten.

Nach offizieller Lesart fördert der Bologna-Prozess die Mobilität der Studenten, weil sie das Bafög leichter mit ins Ausland mitnehmen können als früher und im Ausland erworbene Studienleistungen besser anerkannt werden. Kritiker bemängeln hingegen, dass die von jeder Hochschule in Eigenregie vorgenommene Einteilung der Studieninhalte in Module und der gestiegene Zeitdruck einen Wechsel des Studienorts erschweren. Außerdem seien viele Studenten überlastet, weil in den kürzeren Bachelor-Studiengängen teils gleich viel Stoff wie in den früheren Magister- und Diplomstudiengängen behandelt werde.

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