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Veröffentlicht: 19.10.2012, 06:00 Uhr

Studienabbrecher Das verflixte erste Semester

Ein Drittel der Studenten bricht zu Beginn das Studium ab. Die Hochschulen steuern mit besserer Betreuung entgegen. Doch Forscher sagen, dass ein Suchsemester gar nicht schlimm ist.

© Peter v. Tresckow

Eigentlich wollte Simon Peuker Musiker werden: „Aber an den Musikhochschulen habe ich die Aufnahmeprüfungen nicht bestanden“, erzählt der 21-Jährige, der sich kurzerhand umorientiert hat und nun an der Universität Osnabrück einen Bachelor-Studiengang in Umweltsystemtechnik und Biologie beginnt. Viel lieber noch hätte Peuker Biologie mit Sport kombiniert. „Aber dafür war der NC zu hoch.“ In seinem ersten Semester will sich der Studienanfänger die gewählte Fächerkombination erst einmal in Ruhe anschauen. „Wenn mir Umweltsystemtechnik nicht gefällt, dann wechsele ich zu Biologie und Gesundheitswesen auf Lehramt.“ Die Wahrscheinlichkeit, dass er seine erste Fächerwahl bis zum Ende durchzieht, schätzt der frischgebackene Student auf 50 Prozent. „Ich finde diese Umorientierungsphase völlig normal. Das brauchen junge Menschen einfach.“

Sollte Simon Peuker das Studienfach wechseln, wird er als einer von vielen tausend Studienabbrechern in die Statistik eingehen, die Hochschulen und Politikern seit einigen Jahren die Sorgenfalten auf die Stirn treibt. Mit der Bologna-Reform hatte man den hohen Abbrecherquoten eigentlich den Kampf angesagt. Die Zahlen belegen jedoch, dass dieses Ziel nicht erreicht worden ist: So liegt die Abbrecherquote in den ingenieurwissenschaftlichen Fächern der Universitäten derzeit bei 48 Prozent. „Wir haben seit dem Wechsel auf das Bachelor/Master-System insbesondere in den Naturwissenschaften, der Mathematik und den Ingenieurwissenschaften einen Anstieg der Abbruchquoten feststellen können“, sagt Ulrich Heublein vom Hochschul-Informations-System (HIS). „In den übrigen Fächern sind die Zahlen in etwa auf dem gleichen Niveau geblieben.“ Auch das Statistische Bundesamt legt ernüchternde Zahlen vor: In den Diplom-Studiengängen gaben zuletzt 34 Prozent der männlichen und 45 Prozent der weiblichen Mathematik-Studierenden im ersten Semester auf. Bologna hin oder her - für viele stellt der Übergang in eine Hochschulwelt mit mehr als 12.000 Studiengängen offenbar eine kaum zu bewältigende Herausforderung dar.

Immer mehr Hochschulen steuern gegen

Um den Exodus, der vor allem im verflixten ersten Semester stattfindet, zu stoppen, steuern immer mehr Hochschulen gegen: Mit zusätzlichen Beratungsangeboten versuchen sie, Studienanfänger rechtzeitig bei der Wahl der passenden Fächerkombination zu unterstützen. Das geht so weit, dass einzelne Bundesländer für ihre Hochschulen die Wiedereinführung des im Zeitalter der Spezialisierung vielgeschmähten Studium generale erwägen. So würde Bayerns Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) „eine Verlängerung der Gesamtstudienzeit um ein Semester in Kauf nehmen“, um die hohe Abbrecherquote zu bekämpfen. „Wir müssen mehr gegen die hohe Schwundquote an vielen Hochschulen unternehmen“, sagt Heubisch. Dazu gehöre ein Orientierungssemester zu Beginn des Studiums. Mittlerweile haben nicht nur Hochschulen das Problem erkannt - auch potentielle Arbeitgeber greifen ein: So hat der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) eine Qualitätsprüfung eingeführt, die „besonderes pädagogisches Geschick“ an den Hochschulen zur Verhinderung von frühzeitigen Studienabbrüchen identifiziert und fördert.

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