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Studien- und Berufswahl : Starthilfe für Sinnsucher

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Am Beispiel Entwicklungshilfe: Auch dieses Kinderdorf in Zentralafrika kann sicher Unterstützung gebrauchen - die Frage ist nur, wie sie am effektivsten ist. Bild: obs

Helfen und Gutes tun: Viele Studenten fragen sich bei ihrer Berufswahl, wie sie das am besten schaffen. In die Entwicklungshilfe zu gehen ist nicht unbedingt die Lösung - sondern lieber etwas zu machen, das man richtig gut kann.

          In 80.000 Stunden kann man 53.333 Fußballspiele anschauen, 3333 Tage Urlaub machen oder 320.000 Saunagänge à 15 Minuten absolvieren. Adriano Mannino will diesen Zeitraum nutzen, um die Welt ein bisschen besser zu machen. Denn 80.000 Stunden entsprechen in etwa auch der Zeit, die jeder Mensch im Laufe seines Lebens bei seiner Arbeit verbringt. Der 28 Jahre alte Mannino ist Mitbegründer der „Stiftung für Effektiven Altruismus“, deren Anhänger sich der Idee verschrieben haben, Menschen, die unter Hunger, Krankheit oder Armut leiden, zu helfen - durch Spenden oder ihre Arbeitskraft. Mannino und seine Mitstreiter haben eine Frage im Hinterkopf, die sich sicher viele Menschen stellen. Ganz besonders Schul- und Hochschulabsolventen, aber auch diejenigen, die schon mitten im Berufsleben sind: Wie setze ich meine Zeit und Fähigkeiten so ein, dass etwas Sinnvolles dabei herauskommt? Und wie gelingt es mir, dass andere von meiner Arbeit profitieren? Das sind die Kernziele, die sich hinter der sperrigen Formel „Effektiver Altruismus“ verbergen.

          Wer aber glaubt, Mannino und seine Stiftungskollegen wollten möglichst viele Menschen dazu überreden, als Entwicklungshelfer in Dritte-Welt-Länder zu gehen, liegt falsch. „Wer zum Beispiel gut in Mathematik ist, würde seine Talente in der Entwicklungshilfe nicht ausleben können“, sagt Mannino. „Für diese Person kann es viel sinnvoller sein, in einer Bank zu arbeiten, dort viel Geld zu verdienen und einen Teil dieses Geld an sinnvolle Projekte zu spenden. Das Geld kann mit dazu beitragen, dass in dem Hilfsprojekt neue Stellen für Mitarbeiter entstehen.“

          Das ist die Grundidee des effektiven Altruismus: Es geht nicht darum, selbst mit benachteiligten Menschen zu arbeiten, sondern darum, einen Beitrag zu leisten, der ihr Leben verbessert. Naturwissenschaftler können nach diesem Verständnis helfen, indem sie an Mitteln für bislang unheilbare Krankheiten arbeiten. Politiker, indem sie sich mit Gesetzen und Reformen für Benachteiligte oder die Umwelt einsetzen - und Banker oder andere Gutverdiener, indem sie einen Teil ihres Einkommens spenden. Ziel ist es, so zu handeln, dass das eigene Tun den größtmöglichen Nutzen hervorbringt.

          Kosten-Nutzen-Rechnung für wohltätige Zwecke

          Dafür halten Mannino und sein Team Listen bereit, die ständig aktualisiert werden. Inhalt: Welche Projekte in der Entwicklungshilfe wirken momentan am besten? Welchen Krankheiten, die viele Menschen betreffen, schenkt die Wissenschaft zu wenig Aufmerksamkeit? Um welche Umweltprobleme kümmert die Welt sich zu wenig? Das Lieblingsbeispiel des australischen Philosophen Peter Singer, der als wichtigster Vertreter des effektiven Altruismus gilt, geht so: Die Ausbildung eines Blindenhundes kostet in den Vereinigten Staaten rund 42.000 Dollar. Die Behandlung eines Patienten, der wegen einer Entzündung seiner Augen erblindet, kostet in Entwicklungsländern höchstens 40 Dollar und ist in 80 Prozent der Fälle erfolgreich.

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