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Studie Weiter deutlich mehr Akademikerkinder an Unis

19.06.2007 ·  Nach wie vor entscheiden in Deutschland soziale Herkunft und Vorbildung der Eltern maßgeblich über die Aufnahme eines Studiums. Das geht aus der neuesten Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes hervor.

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Wer in Deutschland studiert, hängt auch heute noch extrem stark von der sozialen Herkunft ab. Während von 100 Akademikerkindern 83 den Hochschulzugang schaffen, sind es nur 23 von 100 Kindern aus Familien ohne akademische Tradition. Zu diesem Ergebnis kommt die am Dienstag in Berlin veröffentlichte 18. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks (DSW) zur wirtschaftlichen und sozialen Lage der Studierenden. Kinder aus Beamtenfamilien, in denen mindestens ein Elternteil studiert hat, haben demnach eine fünfeinhalb Mal so große Studienchance wie Kinder aus Arbeiterfamilien (lesen Sie den Überblick Wie sich gute Bildung in Deutschland „vererbt“).

DSW-Präsident Rolf Dobischat bezeichnete die Ergebnisse als „beschämend für eine Demokratie“. Die soziale Selektivität des deutschen Bildungs- und Hochschulsystems müsse endlich überwunden werden. Er forderte eine sofortige BAföG-Erhöhung, um mehr junge Menschen zum Studium zu bewegen. Derzeit erhält rund ein Viertel der zwei Millionen Studierenden die Förderung. Der DSW-Untersuchung zufolge geben 79 Prozent der Geförderten an, ohne diese Förderung nicht studieren zu können.

Jeder fünfte bleibt unter dem Bafög-Höchstsatz

Studierende haben der Untersuchung zufolge im Durchschnitt 770 Euro zur Verfügung. Allerdings liegt demnach jeder fünfte Studierende mit seinem Monatsbudget unter dem BAföG-Höchstsatz von 585 Euro. Jeder Dritte habe weniger als 640 Euro, was die Familiengerichte als Orientierungswert für den Elternunterhalt festgelegt haben. Nur rund 60 Prozent gingen zudem im Sommersemester 2006 davon aus, dass ihre Studienfinanzierung gesichert war.

Demnach sähen rund 40 Prozent ihr Studium als unsicher an, betonte Dobischat. Das seien keine guten Grundlagen für ein erfolgreiches Studium. Er forderte die Bundesregierung auf, das Bafög nach sechs Jahren Stillstand zu erhöhen. Die Freibeträge müssten um 8,7 Prozent, die Bedarfssätze um 10,3 Prozent angehoben werden. Derzeit beziehen rund ein Viertel der zwei Millionen Studenten Bafög. Laut Sozialerhebung könnten 79 Prozent der Geförderten ohne Bafög nicht studieren.

Größte Ausgaben für Miete und Lebensmittel

Das Monatseinkommen eines Normalstudenten ist seit der letzten DSW-Erhebung im Jahr 2003 praktisch unverändert geblieben. Damals lag es bei 767 Euro. Zugleich sei aber die Kaufkraft in diesen drei Jahren um knapp fünf Prozent zurückgegangen. Am meisten belasten den studentischen Geldbeutel die Ausgaben für Miete und Nebenkosten. 34 Prozent ihres Geldes müssen Studenten durchschnittlich für die eigenen vier Wände ausgeben, monatlich 266 Euro. Das waren gegenüber 2003 rund sechs Prozent mehr. Wer sich für ein Zimmer im Studentenwohnheim entscheidet, muss mit einer Miete von durchschnittlich 201 Euro rechnen. Für Untermieter werden der Statistik zufolge 234 Euro fällig. Relativ günstig kommen auch Mitglieder von Wohngemeinschaften weg: Für die Miete müssen sie im Schnitt 246 Euro investieren. Mit 316 Euro haben Studierende, die allein eine Wohnung angemietet haben, am meisten zu bezahlen.

Das DSW weist aber auf die teilweise beträchtlichen regionalen Unterschiede hin. So wird den Angaben zufolge von Studierenden in Ostdeutschland etwa für die Miete weniger verlangt als in den alten Bundesländern.

Unterm Strich haben Lebensmittel den zweitgrößten Anteil an den Ausgaben: 147 Euro geben Hochschüler hier zu Lande monatlich dafür aus. Dahinter rangieren die Kosten für öffentliche Verkehrsmittel oder ein Auto mit 82 Euro, gefolgt von Ausgaben für Freizeit, Kultur und Sport (62 Euro). Die eigene Krankenversicherung, Medikamente und Arztkosten schlagen mit 54 Euro zu Buche. Kleidung belastet den Geldbeutel mit durchschnittlich 50 Euro im Monat. Telefonieren und Internetnutzung werden mit 43 Euro veranschlagt. Schlusslicht der Liste sind schließlich Fachliteratur und andere Lernmittel 35 Euro.

Regierung verspricht mehr Geld

Der parlamentarische Staatssekretär im Bundesbildungsministerium, Andreas Storm (CDU), bekräftigte das Vorhaben der Bundesregierung, die BAföG-Sätze und Freibeträge erhöhen zu wollen. Dies soll nach seinen Worten zusammen mit dem jüngst beschlossenen Hochschulpakt von Bund und Ländern zur Schaffung zusätzlicher Studienplätze dabei helfen, die Zahl der Akademiker in Deutschland zu erhöhen. „Wir wollen eine Studienanfängerquote von 40 Prozent erreichen“, erklärte Storm. Die Quote lag im Jahr 2005 bei 37 Prozent.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) hatte erst Anfang Juni angekündigt, dass Bafög-Empfänger erst ab 2008 mehr Geld bekommen sollen. Die Bafög-Sätze sollten in den nächsten zwei Jahren um insgesamt zehn Prozent erhöht werden. 2008 solle es die erste Erhöhung geben, die zweite Stufe sei für 2009 geplant. Die Freibeträge beim Bafög sollen zur gleichen Zeit um acht Prozent steigen.

Für die Sozialerhebung des DSW befragte das Hochschul-Informations-System (HIS) rund 17.000 Studierende im Sommersemester 2006. Die vom Bundesbildungsministerium geförderte Untersuchung findet alle drei Jahre statt.

Quelle: FAZ.NET mit Material von AFP, AP
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