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Sonntag, 12. Februar 2012
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Studentisches Wohnen Professor im Wohnturm

18.08.2010 ·  Er will wissen, was die Studenten von ihrer Hochschule halten. Jeden Sommer zieht der Vizepräsident der Uni Frankfurt deshalb ins Wohnheim. Eine lehrreiche Erfahrung.

Von Sebastian Balzter
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Fünfzehn Quadratmeter, schwarz-grau-weißer PVC-Fußboden, zwei Herdplatten - so wohnt kein Professor. Auch Manfred Schubert-Zsilavecz, der Vizepräsident der Frankfurter Universität, lebt mit seiner Frau und fünf Kindern gewöhnlich komfortabler als zurzeit. Aber wenn die Familie in die Sommerferien fährt, zieht der Pharmakologe ins Studentenwohnheim. Zum zweiten Mal lässt sich Schubert-Zsilavecz nun auf dieses Experiment ein, für den Sommer 2011 hat er sich die dritte Runde fest vorgenommen. „Das kann ich auch meinen Kollegen und allen Bildungspolitikern nur empfehlen“, sagt der gebürtige Steiermärker. „Damit sie das Hochschulleben auch einmal aus der Perspektive der Studenten wahrnehmen.“

Nur rund 3000 Wohnheimplätze gibt es in Frankfurt. Das reicht nicht einmal für jeden fünfzehnten Studenten der verschiedenen Hochschulen; freie Plätze gibt es nur jetzt, in der vorlesungsfreien Zeit. Die notorisch hohen Mieten in der Bankenstadt verschärfen die Situation, und nach Schubert-Zsilavecz' Erfahrung taugen die in jüngster Zeit populär gewordenen „Public Private Partnership“-Projekte für studentischen Wohnraum nur bedingt - seine derzeitigen Nachbarn könnten sich diese Angebote jedenfalls nicht leisten. „Wir brauchen in der Stadt mehrere hundert zusätzliche Wohnungen für 150 bis 250 Euro Miete im Monat“, fordert er deshalb.

„Das hat was von einem kommunistischen Gewerkschaftsheim“

Viel mehr stellt das Studentenwerk auch Schubert-Zsilavecz für seine „Wohneinheit“ im sechzehn Stockwerke hohen Betonturm je Monat nicht in Rechnung. Das Zimmer ist spartanisch eingerichtet. Der verschrammelte Boden, die orange Kochzeile und der vom Vormieter gut eingesessene Drehstuhl verströmen einen herben Charme. „Das hat was von einem kommunistischen Gewerkschaftsheim“, räumt der Professor ein. „Aber der Schein trügt, die Atmosphäre ist freundschaftlich.“Vor allem die Spontaneität gefalle ihm in dem 1972 errichteten Wohnheim an der Ginnheimer Landstraße. Das Studentenleben sei zwar nicht mehr so entspannt wie früher, aber für ad hoc einberufene Feiern sei doch noch Zeit.

Dass die Arbeit darunter nicht leiden muss, zeigt ein Blick auf den Schreibtisch: Ein blauer Ordner mit Anträgen zur Exzellenzinitiative liegt griffbereit, am Laptop entsteht ein Aufsatz über eine neue anti-entzündliche Substanz.

Mit 49 Jahren ist Schubert-Zsilavecz mit Abstand der Älteste auf dem Stockwerk, auch als bekennender Frühaufsteher unterscheidet er sich von den Nachbarn. Die Kommunikation funktioniert offenbar trotzdem gut: Den Korkenzieher, den sich der Professor am Vorabend geliehen hat, legt er am Morgen in aller Frühe wieder vor die Tür nebenan. Dann muss er los, ein Treffen mit dem hessischen Finanzminister steht im Terminkalender. „Ein Startpaket mit Tellern, Tassen und den wichtigsten Küchenwerkzeugen wäre nicht verkehrt“, sagt er noch. „Das kostet doch auch nicht die Welt.“

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