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Studentische Wohnungsnot : 1000 Bewerber für Wohnheimzimmer in Berlin

  • Aktualisiert am

Ein Wohnheimplatz ist nur schwer zu bekommen. Bild: Matthias Lüdecke

Jeder fünfte Studienanfänger braucht bis zum Beginn des nächsten Semesters noch einen Wohnheimplatz, hat das Studentenwerk heute vorgerechnet. Die Lage sei dramatisch, besonders in großen Uni-Städten wie Berlin.

          Knapp fünf Monate vor Beginn des nächsten Semesters fehlt es nach Angaben des Deutschen Studentenwerks an bezahlbarem Wohnraum für die rund 500.000 Studienanfänger. „Jeder vierte Studienanfänger braucht einen Wohnheimplatz“, sagte der Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks, Achim Meyer auf der Heyde, am Mittwoch in Heidelberg. Ein Brennpunkt sei Berlin, wo die Mieten in klassischen studentischen Wohngebieten wie Kreuzberg und Neukölln weiter stiegen. Die Warteliste für Wohnheimplätze in der Hauptstadt ist lang. Wie das Studentenwerk mitteilte, hatten sich zuletzt mehr als 1000 Studenten um ein Zimmer beworben.

          Dringend benötigt würden insgesamt 25.000 zusätzliche Plätze in Wohnheimen in ganz Deutschland, sagte der Studentenwerk-Chef während einer Tagung mit mehr als 130 Fachleuten aus 58 Uni-Städten. Derzeit unterhalten die Studentenwerke 188.000 Wohnheimplätze, etwa 20.000 sind in Bau.

          Die Nachfrage bleibe auch deswegen hoch, weil Deutschland für internationale Studierende wieder ein attraktiver Standort sei, sagte Meyer auf der Heyde. Diese seien besonders auf Wohnheimplätze angewiesen. Je größer das Wohnheimangebot für Studenten, desto größer werde auch das Angebot an Wohnraum für andere einkommensschwache Bevölkerungsgruppen, die dann nicht mehr mit den Studenten um die Wohnungen auf dem freien Markt konkurrieren müssten.

          Grüne fordern Aktionsplan

          Das Studentenwerk appellierte an den Bund, das geplante Programm zur Förderung des Wohnheimbaus zügig umzusetzen. Der Studentenwerk-Chef würdigte die Bemühungen vor allem in Bayern, Thüringen, Hessen und Baden-Württemberg, das Angebot an Wohnheimplätzen auszubauen. Seit 2007 sei die Zahl der Studienanfänger um 50 Prozent gestiegen, die Zahl der staatlich geförderten Wohnheimplätze dagegen nur um 5 Prozent. Diese Schere dürfte sich nicht weiter öffnen, forderte Meyer auf der Heyde.

          Der Tübinger Bundestagsabgeordnete Christian Kühn (Grüne) sagte dazu, ein bundesweiter Aktionsplan für studentisches Wohnen sei überfällig. „Wenn man Eliteuniversitäten mit Bundesmitteln fördern kann, dann muss man auch ausreichend Wohnheimplätze dazu bereitstellen.“ Die hochschulpolitische Sprecherin der Linken im Bundestag, Nicole Gohlke, kritisierte, dass die anstehende Bafög-Novelle die vorgesehenen Mittel für Mietkosten lediglich von 224 auf 250 Euro erhöhe - damit könnten die Studierenden weder jetzt noch in Zukunft ihre Miete bezahlen. Sie forderte ein Bund-Länder-Programm zum Bau von mindestens 45.000 zusätzlichen Wohnheimplätze in den nächsten vier Jahren.

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