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Studentische Berater : Zwischen Klausuren und Consulting

  • -Aktualisiert am

Badische Jungberater: Der versammelte Vorstand von „Fuks“, der fachübergreifenden Unternehmensberatung Karlsruher Studenten. Bild: privat

Jede Menge Hochschul-Gruppen investieren neben dem Studium viel Zeit in kostenlose Beratung für Vereine oder Firmen. Warum tun die das?

          Schwarzes Sakko, weißes Hemd – Max Schumann legt Wert auf den gepflegten Auftritt. Das unterstreicht die Seriosität bei seinen Gesprächen mit Geschäftsführern, Sozialarbeitern oder Pädagogen, die nicht selten doppelt so alt sind wie der Student selbst: Der 22-Jährige ist Vorstandsvorsitzender der „SUN Non-Profit Consulting“, einer studentischen Unternehmensberatung, die ausschließlich pro bono arbeitet. Unter dem Motto „Sie helfen Menschen, wir helfen Ihnen!“ werden seit 2001 Vereine, Pflegeeinrichtungen und soziale Einrichtungen kostenlos beraten – von immer wieder neuen Studierenden und jährlich wechselnden Vorständen. Die erste Anlaufstelle ist dabei der erste Vorsitzende: „Ich übernehme die Vorgespräche, die Vertragsgestaltung und die Zusammenstellung des Projektteams“, sagt Max Schumann.

          Gerade hat die „Kooperation Arbeiten, Lernen und Ausbildung“, kurz: Koala, bei ihm angerufen. Der Hamburger Verein hat ein Pilotprojekt zur Begleitung von jugendlichen Geflüchteten während ihrer beruflichen Ausbildung durchgeführt und für gut befunden. Nun soll dafür ein langfristiges Finanzierungskonzept erstellt werden – mit Hilfe von jungen Studenten der BWL oder Informatik. Schumann, Student der Wirtschaftsinformatik im sechsten Semester, hat schon im Erstkontakt das Thema Öffentlichkeitsarbeit hinzugefügt: „Je nachdem, ob ich Online-Fundraising oder gezielt Unternehmen nach Patenschaften frage, sind andere Marketingmaßnahmen vonnöten.“

          Marketing muss der Vorstandschef allerdings zunächst einmal in eigener Sache liefern: Ein vierköpfiges Beratungsteam soll unter den rund 50 aktiven SUN-Mitgliedern gefunden und gehalten werden. Dafür schreibt Schumann die Eckpunkte des Projektes intern aus und preist es auf einem Meeting an. Die Aufgabe sei gesellschaftlich relevant und praxisnah, das Timing spannend: „Der Kunde hat sich schon viele Gedanken gemacht, Modelle erprobt und mit Stiftungen zusammengearbeitet“, lobt der Student. „Wir fangen nicht bei null an.“ Schon im Juni sollen erste Zusagen für Gelder vorliegen, so die Zielvorgabe. Zwei Monate später will die Ausbildungsbegleitung starten.

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          So viel Tempo und Agilität ziehen. Schumann kann ein Team zusammenstellen, das inzwischen die Arbeit aufgenommen hat. Die Versalien in SUN stehen für die Studentische Unternehmensberatung der Nordakademie, einer dualen Hochschule bei Hamburg. Die Studenten haben alle einen Arbeitgeber und ein geregeltes Einkommen – das macht es ihnen leicht, auf ein Beratungshonorar zu verzichten. Aber sie haben auch extrem wenig Zeit. „Das Studium geht vor“, weiß Schumann. Es gibt schon mal Studenten, die den Aufwand unterschätzen und sich dann aus einem Beratungsprojekt verabschieden. Dann kann der Vorstand nur appellieren: „Die Kunden verlassen sich auf uns. Es hängen eine Menge Personen davon ab, für die ihr verantwortlich seid!“

          Als studentische Unternehmensberatung, die ausschließlich honorarfrei arbeitet, ist das norddeutsche Beispiel einzigartig. Dennoch macht die ehrenamtliche Beratung durchaus Karriere bei den studentischen Beratungen: „15 Prozent aller geleisteten Beratertage in unserem Verband sind pro bono“, sagt Sarah Hölscher, „das ist sehr verbreitet.“ Die BWL-Studentin ist Vorstandsvorsitzende im BDSU, dem Bundesverband Deutscher Studentischer Unternehmensberatungen. Der Verband vertritt 32 Mitgliedsvereine in ganz Deutschland, SUN ist allerdings nicht darunter. „Wir haben ein strenges Qualitätsmanagement“, sagt die 24-Jährige. Vereine, die sich für eine Mitgliedschaft bewerben, müssen Projektabläufe, Kontrollschleifen, Wissensmanagement sowie die interne Aus- und Weiterbildung dokumentieren: „Werden die Leute wirklich ausgebildet, gibt es Pflichtschulungen und ein Anwartschaftsprojekt, das sind zentrale Fragen.“

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