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Studentenwettbewerbe Klauen bei den Kreativen

 ·  Viele Studenten wollen in Wettbewerben künftige Arbeitgeber beeindrucken. Manche Unternehmen nutzen das aus - und sichern sich mehr Rechte an den Ideen als nötig.

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Dicke Nashörner, eine Giraffe, die in der weiten Savanne steht, und ein grinsender Fußballer, der einen Fallrückzieher macht – diese Motive zierten im Sommer Nutella-Gläser zur Fußballweltmeisterschaft in Südafrika. Der Hersteller Ferrero entwarf die Etiketten allerdings nicht selbst, sondern rief einen Wettbewerb für Studenten aus. Sie sollten ihre Kreativität beweisen. Fünf Motive gewannen und wurden mit einem Preisgeld von 2500 Euro belohnt; vom kommerziellen Nutzen schloss Ferrero die Studenten aus. Sie mussten zusichern, dass mit dem Preisgeld sämtliche Ansprüche auf weitere Bezahlung erlöschen.

Solche Wettbewerbe gelten gerade in der Kreativbranche als eine Gelegenheit, einen guten Eindruck bei potentiellen Arbeit- und Auftraggebern zu hinterlassen. Der Zulauf ist deshalb groß. „Die Studenten bringen neue Ideen, bekommen oft kaum Geld dafür und werden ausgenutzt“, kritisiert Sabine Zentek die gängigen Regeln. Sie ist Anwältin und Vorsitzende des Vereins Fidius, der sich für faire Designwettbewerbe einsetzt. Ferrero etwa verstoße gegen den im Urheberrechtsgesetz festgehaltenen Grundsatz der angemessenen Vergütung, kritisiert Zentek. Auch der in vielen Wettbewerbsbestimmungen enthaltene Paragraf, dass mit der Einreichung des Entwurfs sämtliche Nutzungsrechte an das Unternehmen übergehen, ist ihr ein Dorn im Auge. „Das geht gar nicht“, schimpft sie. „So sichern sich die Unternehmen einen billigen Pool an neuen Einfällen.“ Boris Buchholz, der Sprecher der Allianz Deutscher Designer (AGD), teilt diese Meinung. „Unternehmen sollten außerdem keine Rechte an Werken bekommen, die nicht einmal einen Preis gewinnen“, fügt er hinzu.

Das sehen die Unternehmen erwartungsgemäß anders. Ferrero etwa erklärt, die Übertragung der Nutzungsrechte sei zwingend erforderlich gewesen, da die Entwürfe das Nutella-Logo enthielten und aus markenrechtlichen Gründen keine andere Nutzung in Frage komme. Sabine Zentek hält das für eine Ausrede. „Gerade weil die Studenten das Nutella-Logo nicht verwenden dürfen. Sie begingen dann eine Markenverletzung.“ Das Design an sich aber sei trotzdem das Werk der Studenten. Diese hätten aber nicht das Geld, um Musterprozesse zu führen und die gängige Praxis zu ändern. Zentek sieht deshalb den Gesetzgeber in der Pflicht.

Die Teilnehmer treten sämtliche Nutzungsrechte ab

Ähnlich wie für viele Designwettbewerbe lauten die Regeln auch für den Marketing-Wettbewerb „Brandstorm“ des Kosmetikkonzerns L’Oréal: Die Teilnehmer treten sämtliche Nutzungsrechte ab und verlieren die Rechte an Entwicklungen, die aus ihren Vorschlägen entstehen könnten. Für den Wettbewerb haben die Teilnehmer in diesem Jahr eine Kampagne für Männerkosmetik der Marke Diesel entwickelt. Der Konzern stellte ihnen dafür vertrauliches Material wie Marktdaten und Logos zur Verfügung. Um die eigenen Rechte und Interessen zu schützen, müsse sich das Unternehmen die Nutzungsrechte sichern, begründet L’Oréal die Regeln. „Es würde vollkommen ausreichen, wenn L’Oréal die Teilnehmer verpflichten würde, die Interna nicht weiterzugeben und geschützte Vorlagen nicht zu verwerten“, wendet Sabine Zentek ein. „Aber L’Oréal lässt sich durch die Übertragung der Nutzungsrechte ganz klar die Option offen, die eingereichten Gestaltungen kommerziell zu nutzen, ohne die Studenten zu entlohnen.“ Der Konzern hingegen versichert, der Wettbewerb diene nur der Rekrutierung talentierter Köpfe. Ähnlichkeiten zwischen Ideen der Studenten und Produkten seien zufällig.

Sowohl Sabine Zentek, die Anwältin, als auch Boris Buchholz vom AGD fordern von den Hochschuldozenten der einschlägigen Fächer, Wettbewerbe mit unfairen Teilnahmebedingungen nicht länger zu bewerben. „Viele Professoren kümmern sich aber nicht darum“, berichtet Zentek. Deshalb müssten die Studenten selbst das Kleingedruckte noch genauer lesen als bisher – und nach positiven Beispielen wie dem Bayrischen Staatspreis für Nachwuchsdesigner Ausschau halten. Hier sind Kriterien und Anforderungen genau definiert, die Namen der Jurymitglieder werden veröffentlicht, die Öffentlichkeitswirkung ist erheblich – und das Preisgeld nicht zu verachten: Je 7500 Euro bekamen die acht Gewinner 2010.

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