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Studentenumfrage „Das Glas ist halbvoll“

03.06.2008 ·  Karriere, Kinder, Rentenfalle? Deutschlands Studenten sind trotz aller Unwägbarkeiten bei der Alterssicherung oder der Vereinbarkeit von Familie und Beruf optimistisch. Vor allem die Karrierechancen machen ihnen Hoffnung.

Von Nina Brodbeck
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Wenn es um ihre beruflichen Zukunftsperspektiven geht, sind Deutschlands Studenten derzeit so optimistisch wie lange nicht. Das ist eines der Ergebnisse der aktuellen „Continental-Studentenumfrage“, die an diesem Dienstag veröffentlicht wurde. Rund 1000 Studenten sind dafür vom Marktforschungsunternehmen TNS/ Infratest im Auftrag des Automobilzulieferers befragt worden. Im Mittelpunkt standen neben Fragen zu Beruf und Karriere die Themen Familie und Alterssicherung.

Demnach erwarten 75 Prozent der Befragten nach ihrem Abschluss „sehr gute“ bis „gute“ Karriereaussichten. Das ist der höchste Wert seit dem Start der Umfrage vor fünf Jahren. Dieser Optimismus der künftigen Arbeitnehmer ist offenbar auch den Arbeitgebern recht. „Das Glas ist eher halbvoll als halbleer“ fasst etwa Johann-Dietrich Wörner, der Vorstandschef des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums, den Stimmungstrend zusammen. „Gut so“, findet er. „Wir brauchen junge Leute, die motiviert sind.“

Guten Chancen machen bequem

Doch während die verbesserte Lage auf dem heimischen Arbeitsmarkt die Hoffnungen auf eine Karriere in Deutschland deutlich ansteigen lassen hat, scheint aus dem gleichen Grund die Bereitschaft abzunehmen, aus beruflichen Gründen für mindestens ein Jahr ins Ausland zu gehen. Zwar schätzen sich rund 45 Prozent der Studenten als „absolut mobil“ oder „eher mobil“ ein. Geht es dabei aber nicht um einen Wohnortwechsel innerhalb Deutschlands, sondern um einen Auslandsaufenthalt, dann geht die Bereitschaft dazu merklich zurück. Continental-Personalvorstand Heinz-Gerhard Wente vermutet dahinter eine Bequemlichkeit, die er angesichts des harten internationalen Wettbewerbs für unangebracht und auch gefährlich hält. „Die Konjunktur kann sich schnell ändern. Ein Schuss Mobilität und Flexibilität ist deshalb karrierefördernd, das machen wir unseren Mitarbeitern klar.“

Um fit für die Anforderungen der Globalisierung zu werden und den Blick für andere Kulturen zu schärfen, sollten Studenten seiner Meinung nach möglichst schon während des Studiums für eine Weile ins Ausland gehen. „Das ist allerdings nur attraktiv, wenn diese Auslandaufenthalte fest ins Curriculum integriert sind“, schränkt Reiner Anderl ein, der Vizepräsident der TU Darmstadt. Auch müssten Prüfungen, die an ausländischen Universitäten absolviert werden, in Deutschland unbedingt anerkannt werden (Auslandsaufenthalt gilt als zweitbeste Lösung).

Ausland nicht gleich Ausland

Die Bereitschaft zu einem beruflichen Standortwechsel hängt jedoch auch vom Zielland ab. Mit anderen Worten: Für Studenten ist Ausland nicht gleich Ausland. Während 76,6 Prozent der Befragten die Schweiz und 56,6 die Vereinigten Staaten für attraktiv halten, sieht es bei China oder den osteuropäischen Ländern anders aus. „Die Studenten schauen sehr genau hin, wie sich die Länder politisch und sozialpolitisch entwickeln“, sagt Heinz-Gerhard Wente. Eine negative Entwicklung lasse die Attraktivität sinken. Doch nicht nur das. Auch die zu erwartende Wohnsituation entscheidet über Sympathiewerte. Maßgeblich sei vor allem die Frage, ob es in der Nähe des Arbeitsplatzes gute Kindergärten und Schulen gebe.

Überhaupt hat das Thema Familie einen hohen Stellenwert bei den Befragten. Immerhin drei Viertel von ihnen wollen Kinder, 14,2 Prozent sind noch unentschieden, 6,5 Prozent sagen „wahrscheinlich nicht“ und nur 2,2, Prozent „auf keinen Fall“. Aus Karrieregründen würden nur 23,8 Prozent auf die Gründung einer Familie verzichten. Für rund 73 Prozent käme dies aber „auf keinen Fall“ in Frage. Bei beiden Grundsatzfragen unterscheiden sich übrigens die Aussagen von Frauen und Männern kaum.

Sie wissen es, aber sie handeln nicht danach: Eine überwältigende Mehrheit der Studenten rechnet offenbar damit, dass es zu weiteren einschneidenden Änderungen im Rentesystem kommen wird, die sich negativ auf die Höhe ihrer Rente und das Renteneintrittsalter auswirken werden. Gleichzeitig zeigen sie aber deutlich weniger Interesse am Thema Alterssicherung als noch vor drei Jahren. Nur ein Drittel der Studenten fühlt sich überhaupt in Sachen Sozialreform im Bilde. Beide Werte sind im Vergleich zu 2005 spürbar gefallen. „Das Bewusstsein für die Thematik der privaten Altersversorgung muss bei den Studenten noch geschärft werden“, mahnt TU-Vizepräsident Anderl. Heinz-Gerhard Wente stimmt ihm zu, gewinnt der Sache aber auch etwas Positives ab: „Wir sind froh, dass nicht alle Hochschulabsolventen, die zu uns kommen, sofort über das Thema Rente sprechen wollen, sondern erstmal die Gegenwart und ihren Berufsweg im Blick haben.“

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