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Studentenorganisationen : Engagement statt Lebenslaufkosmetik

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Bei der Sife-Weltmeisterschaft präsentieren Studenten-Teams aus der ganzen Welt Top-Managern internationaler Unternehmen ihre ehrenamtlichen Projekte. Bild: Scott Indermaur

Unternehmen schätzen es, wenn Bewerber in einer Studentenorganisation mitgearbeitet haben. Die melden sich dort auch eifrig an. Doch einige polieren nur ihren Lebenslauf auf.

          Smog, verstopfte Straßen und stundenlange Verspätungen – das Leben und Arbeiten in der indonesischen Hauptstadt Jakarta war für die gebürtige Rheinländerin Thu Huynh Anh höchst gewöhnungsbedürftig. „Normalerweise bin ich eher zu früh als zu spät dran, typisch deutsch eben“, sagt die Studentin der Betriebswirtschaftslehre. „In meinem Praktikum musste ich lernen, mich einer ganz fremden Kultur anzupassen. Das war die größte Bereicherung.“

          Auch für ihr späteres Berufsleben nahm die 25 Jahre alte Kölnerin in den viereinhalb Monaten, in denen sie in der Novartis-Tochtergesellschaft Sandoz gearbeitet hat, viel mit. Sie durfte in der Personalabteilung ein Online-Bewerbungsportal mitentwickeln. „Eine tolle Chance“, findet Huynh Anh. „In Deutschland dürfen Praktikanten selten so selbständig handeln.“

          Das Praktikum ließ sich Huynh Anh von Aiesec vermitteln. Der Verein mit rund 60 000 Mitgliedern ist nach eigenen Angaben die größte studentische Organisation auf der Welt. Im Sinne der Völkerverständigung, gleichwohl gegen 350 Euro Gebühr, vermittelt Aiesec Auslandspraktika für Studierende aller Fachrichtungen. Engagement ist erwünscht: Huynh Anh hat vor ihrer Indonesien-Reise mehrere Semester im Kölner Lokalkomitee von Aiesec mitgearbeitet und anderen geholfen, eine Stelle im Ausland zu finden.

          Vielen Pseudo-Engagierten geht es gar nicht um die Organisation

          Längst nicht alle Studenten meinen es so ernst wie Huynh Anh, wenn sie sich in Studenten-Organisationen anmelden. Nicht wenige möchten vor allem ihren Lebenslauf aufpolieren, um bei künftigen Arbeitgebern zu punkten. Das Pseudo-Engagement wird für die Initiativen zum Problem.

          „Lebenslaufkosmetik steht leider manchmal im Vordergrund“, sagt Felix Grasser, Präsident von Elsa Deutschland. Die European Law Students’ Association wuchs in den vergangenen zehn Jahren allein in Deutschland um 6500 Mitglieder. Grasser müsste das eigentlich freuen. Doch der Mannheimer Jurastudent empfängt nicht mehr jeden Kommilitonen mit offenen Armen: Parallel zum zeitintensiven Bachelor- und Masterstudium schafften es heute nur wenige, sich intensiv einzusetzen, sagt er.

          Bild: Peter von Tresckow

          Die Organisationen wachsen dennoch unaufhaltsam. Zu den größten gehören neben Elsa und Aiesec der Bundesverband Deutscher Studentischer Unternehmensberatungen (BDSU) und die Initiative „Students in Free Enterprise“ (Sife). Seit 2003 sind mehr als dreißig Sife-Ableger an deutschen Hochschulen gesprossen.

          Die Mitglieder der Organisationen üben sich in nützlicher Projektarbeit: Sie organisieren Kongresse, Veranstaltungen und Praktika im Ausland. Um Hochschulpolitik geht es hingegen kaum. Vielmehr möchten die Studenten die an der Hochschule gelernte Theorie in der Praxis anwenden lernen.

          Bayer, Porsche, Lufthansa und viele andere Unternehmen fördern die Organisationen. Sie sponsern Projekte, beraten und bieten Praktikumsstellen. Im Gegenzug hoffen die Personaler in den Betrieben möglichst früh eine Bindung zu „High Potentials“ aufzubauen. „Das ist eine ausgezeichnete Möglichkeit, um uns als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren“, sagt Alexandra Kutschenreuter, Sprecherin des Chemiekonzerns BASF. Sie lobt den engen Austausch mit den organisierten Studenten: „Chancen auf Stellen und Praktika entstehen so allemal.“

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