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Spitzenforschung Der lange Weg zum deutschen MIT

22.11.2006 ·  Zwei Milliarden Dollar Budget, tausend Professoren, sieben aktive Nobelpreisträger, Patente und Ausgründungen ohne Zahl: das Massachusetts Institute of Technology (MIT) im amerikanischen Cambridge weckt bei Forschungsstrategen diesseits des Atlantiks die Phantasie, wenn nicht Neid.

Von Christian Schwägerl
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Zwei Milliarden Dollar Budget, tausend Professoren, sieben aktive Nobelpreisträger, Patente und Ausgründungen ohne Zahl: das Massachusetts Institute of Technology (MIT) im amerikanischen Cambridge weckt bei Forschungsstrategen diesseits des Atlantiks die Phantasie, wenn nicht Neid. In Karlsruhe will man nun von badischem Boden aus die Verfolgungsjagd aufnehmen. Für das Vorhaben, die 1825 gegründete Technische Hochschule mit dem fünfzig Jahre alten Energieforschungszentrum zum "Karlsruhe Institute of Technology" (KIT) zusammenzulegen, gab es im Oktober gleich einen ersten Platz im Exzellenzwettbewerb von Bund und Ländern sowie eine Zusage über 96 Millionen Euro Fördermittel.

Eine Fusion ist vom Tisch

Doch die vollständige Fusion der vom Land getragenen Universität und des weitgehend bundesfinanzierten Helmholtz-Zentrums, von der die KIT-Initiatoren und viele Exzellenzjuroren geträumt hatten, ist nun wieder vom Tisch. Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) hat die baden-württembergische Landesregierung und die Spitzen von Universität und Forschungszentrum bei einem Gespräch in Berlin darauf eingeschworen, es zunächst mit einer "strategischen Partnerschaft" zu versuchen. Statt einer Fusion ist nun eine Holding das Ziel, in der beide Institutionen ihre "Kräfte bündeln", wie Schavan erklärt. Vergangenheit ist damit auch die Idee, einen gemeinsamen Präsidenten an die Spitze des KIT zu stellen, ähnlich mächtig und unabhängig wie die agile MIT-Präsidentin Susan Hockfield. Die Leitungen der Karlsruher Universität und des Forschungszentrums sollen getrennt bleiben, aber "ineinander verschränkt" werden, um gegenseitig Einfluß auf Strategien und Budgetpläne nehmen zu können, heißt es jetzt. Damit weist Schavan insbesondere DFG-Präsident Ernst-Ludwig Winnacker in die Schranken, der jüngst erklärt hatte, die außeruniversitären Zentren etwa der Helmholtz-Gemeinschaft oder der Max-Planck-Gesellschaft sollten künftig in Hochschulen inkorporiert und von diesen geleitet werden, weil sie "eigentlich zusammengehören" und weil die deutsche Universitätsforschung zu ihrer früheren Stärke zurückfinden müsse.

Schavan will außeruniversitäre Forschung behalten

Schavan teilt zwar das Ziel, die Universitätsforschung zu stärken, will aber die außeruniversitären Forschungsschmieden nicht aufgeben. Deshalb sollen sich die Karlsruher nun zunächst auf Inhalte konzentrieren und überlegen, mit welchen Forschungsgebieten sie zur Weltspitze aufschließen wollen. Die Energieforschung wird dabei eine besondere Rolle spielen, denn Schavan will das Helmholtz-Zentrum auf erneuerbare Energien, Kerntechnik und Fusionsforschung ausrichten. Der Weg zu einem deutschen MIT ist noch lang, nicht nur wegen der Fallstricke zwischen Bund und Ländern. MIT-Präsidentin Hockfield hat dreimal soviel Geld und Professoren wie Karlsruhe, und sie hat, weil sie über sechs Milliarden Dollar Stiftungsvermögen verfügt, auch die Freiheit, unabhängig von der Forschungsbürokratie allein nach Maßstäben der Wissenschaft zu agieren.

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