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Ratgeberautor Bernd Kramer : „Der Doktortitel gehört abgeschafft“

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Auf dem Weg zum Doktor versehen redliche Doktoranden jeden Halbsatz ihrer Arbeit mit einer Quelle - aus Angst vor einem versehentlichen Plagiat. Bild: dpa

Wer den Doktortitel gerne hätte, dem stehen viele Wege offen. Nicht alle sind legal. Buchautor Bernd Kramer über ehrliche und dunkle Wege, schnell an den „Dr.“ zu kommen.

          Herr Kramer, Sie haben das soeben erschienene Buch „Der schnellste Weg zum Doktortitel“ (Riemann) geschrieben. Ist zu einem Plagiat in diesen Zeiten noch zu raten, nach all den öffentlich gewordenen Betrugsfällen?

          Die Wachsamkeit ist sicher größer geworden. Unter den redlichen Doktoranden gibt es inzwischen die Tendenz, sich für jeden Halbsatz eine Quelle zu suchen, und zwar aus lauter Angst vor einem versehentlichen Plagiat. Es gibt auch andere Auswüchse wie Phantomzitate: Die zitierte Literatur gibt es gar nicht, oder dort steht nicht das, was man zu zitieren behauptet. Aber man kann durchaus auch raffiniert plagiieren.

          Interessant. Wie geht das?

          Das Klügste ist wohl, sehr lange Passagen wortwörtlich zu kopieren und in keiner Fußnote darauf hinzuweisen. Bei kurzen plagiierten Passagen fallen hingegen die Stilbrüche auf, und mit einer Fußnote bringt man den kritischen Leser erst auf das Original.

          Wie wäre es mit der Idee, Arbeiten aus anderen Sprachen übersetzen zu lassen und sie hier einzureichen?

          Das kommt tatsächlich vor. Aber Vorsicht: Oft fällt es den Autoren auf. Denn das sind oft diejenigen, die als einzige wirkliches Interesse am Thema haben.

          Können Sie unseren Lesern einen Ghostwriter empfehlen?

          Nur, wenn sie genug Geld haben. Ich telefonierte für die Recherche meines Buchs mit einer Agentur für Ghostwriter. Sie fragten mich: Welches Fach, mit oder ohne empirischen Teil? Wenn man das will, vermitteln sie die Statistiker für die Datenarbeit gleich mit. Die Arbeit sollte rund 10.000 Euro kosten. Und wäre in einem halben Jahr fertig.

          Wie bekommt man damit den Titel?

          Es gibt immer noch Promotionsvermittler, die Doktorand und Professor zusammenbringen. Ob das immer mit rechten Dingen zugeht, darüber kann man spekulieren. Seit dem Fall eines Professors in Hannover, der von einer Vermittlungsfirma bestochen wurde, ist das Geschäft aber spürbar zurückgegangen. Einige Unis haben in der Promotionsordnung festgehalten, dass der Doktorand keinen Vermittler beauftragt haben darf.

          Der Kauf eines Ehrendoktortitels - ist dieser Weg noch möglich in Zeiten der digitalen Überwachung?

          Direkt kaufen kann man den Ehrendoktor nicht, aber es gibt immer wieder Unis, die sich nicht zu schade sind, eine Geldspende mit dem Titel zu belohnen. Zuletzt hat das die Uni Lübeck demonstriert, als sie Annette Schavan den „Dr. h. c.“ verliehen hat. Als Bildungsministerin hatte Schavan mit dem Geld der Steuerzahler zuvor die Uni-Medizin gerettet. Sie musste den Ehrendoktor nicht mal aus der eigenen Tasche zahlen. Auch aus der Wirtschaft gibt es viele Beispiele: Carsten Maschmeyer bekam für eine Spende an die Uni Hildesheim den Ehrendoktor, Hasso Plattner von der Uni Potsdam.

          Der einfachste Weg zum Titel, steht in Ihrem Buch, sei ein Medizinstudium.

          Zumindest die Doktorarbeit ist viel einfacher als die in anderen Fächern. Das ist nicht nur ungerecht, sondern zeigt auch, wie absurd die gesellschaftliche Hochachtung vor dem Titel ist.

          Sollte man den Doktortitel abschaffen?

          Unbedingt. Das wäre das beste Mittel gegen all die Schummeleien. Forschen kann man auch, ohne dafür einen Titel verliehen zu bekommen. Andere Berufe kennen solche Ritterschläge auch nicht. Der Doktortitel ist vor allem ein Ausdruck sozialer Selektion.

          Arbeiten Sie an Ihrem Doktortitel?

          Ich schreibe lieber über den Doktortitel statt für einen Doktortitel.

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