Home
http://www.faz.net/-gyq-y4t6
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Selbständigkeit Noch Student, schon Gründer

Zwischen Vorlesung und Prüfung noch ein Unternehmen führen? Unvorstellbar für die meisten Studenten. Kein Spaziergang, aber gut zu schaffen, finden drei studentische Unternehmensgründer.

© Privat Vergrößern Erfolgreich im Hochzeitstaubengeschäft: Markus Weigl

Seine Kommilitonen an der Handelshochschule in Leipzig schütteln immer noch den Kopf, wenn Markus Weigl ihnen seinen Businessplan vorstellt. Wie bitte, das Geschäftsmodell basiert nicht auf dem Internet? Es zielt nicht darauf ab, die Personalkosten so niedrig wie möglich zu halten? Wie soll das denn funktionieren? „Es finanziert sich jedenfalls“, erwidert Weigl dann. Vor knapp sechs Jahren, er war gerade 19 Jahre alt, hat er das Unternehmen „Hochzeitstauben Sachsen“ gegründet. Rund 200 weiße Brieftauben fliegen heute für ihn und seine Kunden in Leipzig, Halle, Chemnitz und Dresden, eine Geschäftsführerin hat er angestellt, außerdem arbeiten Honorarkräfte für ihn. „Bald kommen Berlin und Erfurt dazu“, sagt Weigl. „Später Paris und Wien.“

Sebastian Balzter Folgen:    

Wachstumsstrategien dürften auch den anderen 165.000 BWL-Studenten in Deutschland nicht fremd sein, in der Theorie zumindest. Aber nur wenige wagen wie Weigl, der sein Diplom an der Fachhochschule Mittweida gemacht hat und seit September in Leipzig eingeschrieben ist, schon vor dem Examen den Sprung in die Selbständigkeit. Im Gründungsmonitor der Förderbank KfW wird ihre Zahl gar nicht erst eigens ermittelt. Immerhin 14 Prozent aller Gründer waren 2009 jünger als 25 Jahre, was ungefähr dem Anteil dieser Altersgruppe an der Gesamtbevölkerung entspricht. Aber wer noch keinen Beruf hat, gründet der Untersuchung zufolge deutlich seltener als andere. „Das ging natürlich nur mit Abstrichen beim Studium“, räumt Markus Weigl ein. In vielen Veranstaltungen spielte für ihn nur das eine Rolle, was später auch in der Prüfung gefragt war. Vom Füttern früh am Morgen bis zum Kundengespräch am Abend arbeitet er bis zu 90 Stunden in der Woche für sein Unternehmen, wenn der Stundenplan es zulässt. Weigl fällt das nach eigener Auskunft leicht, weil er mit der Taubenzucht sein Hobby zum Beruf gemacht hat. „Ich könnte mein Unternehmen nie verkaufen!“, beteuert er.

Mehr zum Thema

„Am Anfang dachte ich, jede Mail müsste in 10 Minuten beantwortet sein“

Einen Schuss Herzblut weniger, aber genauso großen Einsatz steckt Jacqueline Schwenk in ihre Gründung: Zusammen mit zwei Kommilitonen von der Ludwig-Maximilians-Universität in München hat sie vor zwei Jahren die Unternehmensberatung Con-Q gegründet. Damals war die heute Dreiundzwanzigjährige noch mitten im Bachelorstudium Volkswirtschaftslehre. Den Bachelor hat sie seit vier Monaten in der Tasche, jetzt studiert Schwenk noch Rechtswissenschaften dazu. Ziel: Staatsexamen. Daneben berät sie Kunden wie die Deutsche Messe in Hannover, die sich von den Studenten Szenarien für ausländische Märkte entwickeln ließ. „Am Anfang dachte ich, jede Mail müsste innerhalb von 10 Minuten beantwortet sein“, sagt Schwenk. „Inzwischen kann ich unterscheiden, was sofort getan werden muss und was nicht.“

Jacqueline Schwenk © Privat Vergrößern Jacqueline Schwenk hat eine Unternehmensberatung gegründet

Das ist längst nicht ihre einzige Lehre. Zusammen mit ihren beiden Partnern hat Jacqueline Schwenk den „Gründungsratgeber von Gründern für Gründer“ geschrieben, ein mehr als 200 Seiten dickes Handbuch mit praktischen Tipps und lebensnahen Beispielen. Dennoch sieht sie ihre berufliche Zukunft eher nicht in der Selbständigkeit. „Ich führe zwar Projekte gerne durch, akquiriere sie aber nicht so gerne selbst“, sagt Schwenk dazu. „Und die Sicherheit einer festen Stelle ist auch nicht zu verachten.“ Eine der wichtigsten Folgen der Gründung sei vermutlich, dass sie sich schon so früh über solche Fragen klar geworden sei.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Deutsche und amerikanische Unis Wenn Studenten sich beschweren

Die Einladung an die Eltern, den Campus zu besuchen, ist in den Vereinigten Staaten gang und gäbe. Doch das ist sicher nicht der gravierendste Unterschied zwischen deutschen und amerikanischen Universitäten. Mehr Von Mark Roche

23.10.2014, 05:00 Uhr | Beruf-Chance
Studenten boykottieren Unterricht

In Hongkong haben Hunderte Studenten für demokratische Wahlen demonstriert. Geplant ist ein einwöchiger Boykott des Unterrichts. Mehr

23.09.2014, 15:50 Uhr | Politik
Verschwundene Studenten Mexikanischer Gouverneur tritt zurück

Der Fall der verschwundenen Studenten in Mexiko fordert sein erstes politisches Opfer: Der in die Kritik geratene Gouverneur des Bundesstaates Guerrero stellt sein Amt zur Verfügung. Mehr

24.10.2014, 09:15 Uhr | Politik
Zweisitzer mit großem Kofferraum Uni München baut eigenes Elektroauto

Knapp 80 Doktoranden und über 500 Studenten forschten und entwickelten gemeinsam mit Ingenieuren und Wissenschaftlern von 14 Unternehmen aus der Automobilindustrie. Herausgekommen ist ein Zweisitzer mit großem Kofferraum. Mehr

22.10.2014, 15:22 Uhr | Technik-Motor
Mexiko Der lange Arm der Kartelle

Das Verschwinden von 43 Lehramtsstudenten legt offen, wie sehr Politik und Polizei in Mexiko durch das organisierte Verbrechen unterwandert sind. Mehr Von Matthias Rüb

20.10.2014, 12:56 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 17.08.2010, 00:05 Uhr