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Selbständigkeit Noch Student, schon Gründer

Zwischen Vorlesung und Prüfung noch ein Unternehmen führen? Unvorstellbar für die meisten Studenten. Kein Spaziergang, aber gut zu schaffen, finden drei studentische Unternehmensgründer.

© Privat Erfolgreich im Hochzeitstaubengeschäft: Markus Weigl

Seine Kommilitonen an der Handelshochschule in Leipzig schütteln immer noch den Kopf, wenn Markus Weigl ihnen seinen Businessplan vorstellt. Wie bitte, das Geschäftsmodell basiert nicht auf dem Internet? Es zielt nicht darauf ab, die Personalkosten so niedrig wie möglich zu halten? Wie soll das denn funktionieren? „Es finanziert sich jedenfalls“, erwidert Weigl dann. Vor knapp sechs Jahren, er war gerade 19 Jahre alt, hat er das Unternehmen „Hochzeitstauben Sachsen“ gegründet. Rund 200 weiße Brieftauben fliegen heute für ihn und seine Kunden in Leipzig, Halle, Chemnitz und Dresden, eine Geschäftsführerin hat er angestellt, außerdem arbeiten Honorarkräfte für ihn. „Bald kommen Berlin und Erfurt dazu“, sagt Weigl. „Später Paris und Wien.“

Sebastian Balzter Folgen:

Wachstumsstrategien dürften auch den anderen 165.000 BWL-Studenten in Deutschland nicht fremd sein, in der Theorie zumindest. Aber nur wenige wagen wie Weigl, der sein Diplom an der Fachhochschule Mittweida gemacht hat und seit September in Leipzig eingeschrieben ist, schon vor dem Examen den Sprung in die Selbständigkeit. Im Gründungsmonitor der Förderbank KfW wird ihre Zahl gar nicht erst eigens ermittelt. Immerhin 14 Prozent aller Gründer waren 2009 jünger als 25 Jahre, was ungefähr dem Anteil dieser Altersgruppe an der Gesamtbevölkerung entspricht. Aber wer noch keinen Beruf hat, gründet der Untersuchung zufolge deutlich seltener als andere. „Das ging natürlich nur mit Abstrichen beim Studium“, räumt Markus Weigl ein. In vielen Veranstaltungen spielte für ihn nur das eine Rolle, was später auch in der Prüfung gefragt war. Vom Füttern früh am Morgen bis zum Kundengespräch am Abend arbeitet er bis zu 90 Stunden in der Woche für sein Unternehmen, wenn der Stundenplan es zulässt. Weigl fällt das nach eigener Auskunft leicht, weil er mit der Taubenzucht sein Hobby zum Beruf gemacht hat. „Ich könnte mein Unternehmen nie verkaufen!“, beteuert er.

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„Am Anfang dachte ich, jede Mail müsste in 10 Minuten beantwortet sein“

Einen Schuss Herzblut weniger, aber genauso großen Einsatz steckt Jacqueline Schwenk in ihre Gründung: Zusammen mit zwei Kommilitonen von der Ludwig-Maximilians-Universität in München hat sie vor zwei Jahren die Unternehmensberatung Con-Q gegründet. Damals war die heute Dreiundzwanzigjährige noch mitten im Bachelorstudium Volkswirtschaftslehre. Den Bachelor hat sie seit vier Monaten in der Tasche, jetzt studiert Schwenk noch Rechtswissenschaften dazu. Ziel: Staatsexamen. Daneben berät sie Kunden wie die Deutsche Messe in Hannover, die sich von den Studenten Szenarien für ausländische Märkte entwickeln ließ. „Am Anfang dachte ich, jede Mail müsste innerhalb von 10 Minuten beantwortet sein“, sagt Schwenk. „Inzwischen kann ich unterscheiden, was sofort getan werden muss und was nicht.“

Jacqueline Schwenk © Privat Vergrößern Jacqueline Schwenk hat eine Unternehmensberatung gegründet

Das ist längst nicht ihre einzige Lehre. Zusammen mit ihren beiden Partnern hat Jacqueline Schwenk den „Gründungsratgeber von Gründern für Gründer“ geschrieben, ein mehr als 200 Seiten dickes Handbuch mit praktischen Tipps und lebensnahen Beispielen. Dennoch sieht sie ihre berufliche Zukunft eher nicht in der Selbständigkeit. „Ich führe zwar Projekte gerne durch, akquiriere sie aber nicht so gerne selbst“, sagt Schwenk dazu. „Und die Sicherheit einer festen Stelle ist auch nicht zu verachten.“ Eine der wichtigsten Folgen der Gründung sei vermutlich, dass sie sich schon so früh über solche Fragen klar geworden sei.

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