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Selbständigkeit Kreativ gründen will gelernt sein

Kreative verlassen sich häufig auf die staatliche Kulturförderung. Dabei lässt sich auch als Kulturunternehmer Geld verdienen. Darauf bereiten immer mehr Kunsthochschulen ihre Studenten systematisch vor.

© F.A.Z. / Tresckow Vergrößern

Wie beantrage ich eine Steuernummer? Wie schreibe ich einen Kostenvoranschlag für den Kunden? Wie lege ich darin die Nutzungsrechte meiner kreativen Leistung fest - und wie erkläre ich meinem Auftraggeber, wieso mein Entwurf tatsächlich wert ist, was er kostet? Fragen wie diese gehören für Claudia Haßfurther zur Tagesordnung. Sie betreut und berät an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel in der Initiative „exist - Existenzgründungsbegleitung in der Kreativwirtschaft“ Produktdesigner und freie Künstler auf dem Weg in die Selbständigkeit.

„Wir wollen früher ansetzen als andere Workshops, in denen man schon eine eigene Idee mitbringt und einen konkreten Businessplans entwickelt“, erklärt Haßfurther den fünftägigen Workshop mit dem schmissigen Titel „my plan - lerne heute, gründe morgen“, den die Kunsthochschule zusammen mit der Universität und der Fachhochschule Flensburg anbietet. „Studenten sollen die Hemmung vor Selbständigkeit und Gründung verlieren, indem wir ihnen ein umfassendes Bild davon geben.“ Die zehn Kommilitonen der Kunsthochschule befassen sich während des Workshops damit, wie man Gründungsideen entwickelt, die Chancen der Idee am Markt analysiert, ein Geschäftsmodell erstellt und sich selbst und sein Produkt vermarktet.

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Die Kulturförderung unterstützt meist nur begrenzte Projekte

Damit dürfen sie sich als Trendsetter fühlen. Denn bislang greifen vor allem Künstler aus dem Schauspiel und der bildenden Kunst, aber auch Kreative aus Film und Design häufig auf die staatlich geförderte Kulturförderung zurück, auf Preise, Stipendien und Wettbewerbe, um sich finanziell über Wasser zu halten, während sie an einem neuen Film arbeiten, ein Musikstück komponieren oder ein Produkt designen. Doch die Kulturförderung unterstützt meist nur begrenzte Projekte und nicht den Künstler und seine langfristige Entwicklung als solche. Ist das Kunstwerk, das Design oder der Film fertig, fließt auch kein Geld mehr.

Sebastian Tiedemann © Anne-Christin Sievers Vergrößern „Ich kann mir definitiv vorstellen, später zu gründen”, sagt Interior-Design-Student Sebastian Tiedemann

Das macht die Gründung eines Unternehmens und die Unterstützung durch die Wirtschaftsförderung als Alternative interessant. Auch so lassen sich kreative und künstlerische Vorhaben umsetzen - diese Auffassung setzt sich jedenfalls an vielen Kunsthochschulen immer mehr durch, die ihre Studenten möglichst früh auf Selbständigkeit und Gründung vorbereiten. Die Muthesius Kunsthochschule im hohen Norden ist nicht allein mit ihrer Initiative. So unterstützt das Projekt „kultur.unternehmen.dortmund“ Studenten der Dortmunder Hochschulen mit „Culturepreneurship-Coaches“ und hat das neue, interdisziplinäre Fach „Kulturarbeit und Kreativwirtschaft“ eingerichtet. An der Hochschule für Gestaltung (HfG) in Offenbach wiederum sind die Kurse zur Existenzgründung, die seit acht Jahren fakultativ angeboten worden sind, seit zwei Jahren als Wahlpflichtfach fest in das Studium integriert. Und das Career & Transfer Service Center der Universität der Künste (UdK) in Berlin bietet beispielsweise Akademien zum Marketing für Künstler und eine Fortbildung für Galeristen und Firmengründer zum Management im Kunstmarkt an.

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