14.03.2010 · Wie gelingen Existenzgründungen? Unternehmungslustige Studenten der TU München können auf ihrem Weg in die Selbständigkeit sogar auf den Zuspruch von Milliardärin Susanne Klatten zählen.
Von Ursula KalsDraußen im Foyer der Reithalle in Schwabing heißt ein vier Meter hoher Wasserfall die 500 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft mit einem grünen Schriftzug aus perlenden Strahlen willkommen. Die Kombination aus klassischem Wasserspiel und moderner Technik ist eine Geschäftsidee von „conspecto technologies“, einem Spin-Off der Technischen Universität München (TUM). „Man hat in Unternehmen oft einen Brunnen und viel Infomaterial. Warum nutzt man das nicht als attraktive Präsentation?“, sagt Tobias Holzner, 27 Jahre alt und Betriebswirtschaftsstudent, das Konzept. Zusammen mit seinen Mitstreitern hat er Bilder ertüftelt, die durch die computergesteuerte Freigabe und Unterbrechung der Strahlen in freifallendem Wasser entstehen, und das Produkt bis zur Prototypenphase gebracht. Begleitet wurden die conspecto-Gründer dabei wie 49 andere Teams vom Zentrum für Innovation und Gründung ihrer Hochschule mit dem Namen Unternehmer-TUM.
Die originelle Idee dürfte ganz nach dem Geschmack von Susanne Klatten sein. Die BMW-Erbin, die als reichste Frau Deutschlands gilt, engagiert sich als Gesellschafterin des Zentrums für die Innovations- und Gründerkultur. Denn ohne diesen Erfindergeist gäbe es weder Zündkerzen, Schwimmflügel, Aspirin, Dieselmotoren noch medizinische Navigationsgeräte, zählt Klatten in ihrem Vortrag in der Schwabinger Reithalle Erfindungen von Absolventen der TUM auf, die nach ihrer Ansicht „die Welt verändert“ haben.
„Wachstumsmotor Start-Ups - wie Gründer die Wirtschaft in Fahrt bringen“ lautet der Titel des Forums, zu dem Unternehmer-TUM eingeladen hat. Susanne Klatten beendet ihre Rede mit zwei Meldungen: Ein neu gegründeter Freundeskreis „Pro Unternehmertum“, in dem sich bekannte Persönlichkeiten als Vorbilder engagieren, und ein Tochterunternehmen, die Unternehmertum Projekt GmbH, sollen helfen, gezielt unternehmerische Talente aufzubauen, um Anwendungsfelder für neue Technologien aus den Forschungslaboren zu nutzen.
„O Gott, Bub. Warum tust du mir das an?“
„Wie gelingen Gründungen?“, fragt Moderatorin Claudia Schick danach die Teilnehmer der Podiumsdiskussion. „Indem man eine Atmosphäre dafür schafft. Indem man Rahmenbedingungen schafft, in denen die Mutigen sich trauen“, antwortet Wolfgang Herrmann, der Präsident der TUM. „Unternehmertum muss gewollt sein von der Führung der Universität und den Meinungsbildnern unter den Professoren. Es muss vorzeigbare Spinner geben, die aus einer fixen Idee schon etwas gemacht haben.“
Etwas aus seiner Idee gemacht hat Rupert Stuffer. „Ich war Exot“, berichtet er. „Wir sind damals zu dritt naiv in das Gründen hineingestolpert und haben uns gegenseitig positiv in die Sache reingesteigert.“ Der Maschinenbauingenieur hat noch während seines Studiums die Actano GmbH gegründet, deren Geschäftsführer er heute ist. 200 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen, das unter anderem Produktentstehungsprozesse mit IT-Leistungen optimiert. Am meisten gelernt habe er aus „Krisen und ihrer Mischung aus Druck und Kreativität“, sagt Stuffer - und hat mit seiner bodenständigen Art die Sympathie des Publikums auf seiner Seite. An eine Vollkaskomentalität glaube er ohnehin nicht, der Sprung ins Unternehmertum sei deshalb heute nicht mehr so groß. „Ich hoffe, dass der eine oder andere sich was traut.“
Ganz so optimistisch ist die allgemeine Stimmung in Zeiten der Finanzkrise aber nicht. Wie bekommen Einsteiger jetzt überhaupt Kredite? Eine Mutter, deren Sohn nach seinem Abschluss verkündete, sich jetzt selbständig machen zu wollen, spricht die Bedenken offen aus: „O Gott, Bub. Warum tust du mir das an?“ Viel zu tun für die Unternehmer-TUM.
Ursula Kals Jahrgang 1964, Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.
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