04.09.2010 · In 31 deutschen Städten legt in diesem Sommer die MS Wissenschaft an, ein umgebauter Binnenfrachter. In diesem Jahr drehen sich die interaktiven Exponate um die zukünftige Energieversorgung. Die Ausstellung an Bord leitet die Studentin Maria Stratemeier.
Von Kathrin MeyerEin Ruck durchzieht die Wohnung. Dann verstummt das sonore Brummen des Motors, das Maria Stratemeier die ganze Nacht über sanft in den Schlaf gewiegt hatte. Wenig später ein schepperndes Geräusch: Die Planke ist ausgefahren, die MS Jenny legt an. Die 25 Jahre alte Studentin, die in Bamberg für Germanistik mit dem Schwerpunkt Deutsch als Fremdsprache eingeschrieben ist, verbringt nun schon ihren vierten Sommer auf dem umgebauten Binnenfrachter, der von Mai bis Oktober als MS Wissenschaft unterwegs ist. In diesem Jahr steuert das Schiff 31 deutsche und drei österreichische Städte an. „Das macht die Arbeit hier so besonders“, sagt Stratemeier. „Jeder Tag bringt neue Eindrücke.“ Das passt zu ihr: Gerne würde sie nach dem Examen an einer deutschen Schule im Ausland unterrichten. In welchem Land, auf welchem Kontinent? „Ich lasse das einfach mal auf mich zukommen.“
Aber nicht nur der Job der Studentin ist ungewöhnlich, auch die Fracht des Schiffs ist es: Seit 2002 transportiert es für die Initiative Wissenschaft im Dialog, zu der sich Organisationen wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft, die Fraunhofer-Gesellschaft und der Stifterverband für die deutsche Wissenschaft zusammengeschlossen haben, in seinem Rumpf Ausstellungen zu wissenschaftlichen Themen. In diesem Jahr drehen sich die interaktiven Exponate auf 600 Quadratmetern um die zukünftige Energieversorgung. Biomasse, Kernfusion und Kernspaltung, fossile Brennstoffe und effiziente Energienutzung - gezeigt wird, welchen Beitrag die Forschung leistet, um die Energieversorgung der Zukunft gleichzeitig möglichst sicher, wirtschaftlich und umweltschonend zu gestalten.
Durchschnittlich 650 Besucher am Tag
Das Bundesministerium für Bildung fördert das Ausstellungsschiff, auf dem in diesem Jahr erstmals die Diskussionsreihe „Dialog an Deck“ mit Energieexperten angeboten wird, mit 800.000 Euro im Jahr. Täglich besuchen mehrere hundert Besucher die Ausstellung, durchschnittlich sind es 650 am Tag. Legt das Schiff an, sind die vier Studenten gefragt, die als Ausstellungsbetreuer angestellt sind. Zwei von ihnen kennen sich wegen ihrer Studienschwerpunkte mit der Thematik der Exponate besonders gut aus. Maria Stratemeier ist in diesem Jahr aufgrund ihrer Erfahrung erstmals Ausstellungsleiterin und damit die Chefin im Team der Studenten. Sie kümmert sich nicht nur um die Ausstellung und die Besucher, sondern auch um Personalführung und -planung. Und wenn es an einem der Ausstellungsstücke ein Problem gibt, dann telefoniert sie mit den Fachleuten an den Forschungseinrichtungen, von denen die Exponate stammen.
Am Abend kochen die Studenten häufig gemeinsam oder erkunden die Stadt, in der die MS Wissenschaft gerade haltmacht. Zu lange dürfen solche Landgänge allerdings nicht dauern, schließlich wollen am nächsten Tag wieder viele Besucher durch die Ausstellung geführt werden. „Auf einem knapp zehn Meter breiten Schiff wohnt man schon etwas enger zusammen“, sagt Maria Stratemeier. „Da ist gegenseitiges Vertrauen die Basis, um im Team zusammenarbeiten zu können.“
Neben den Studenten leben auf dem Frachter das Kapitänsehepaar und ein Steuermann, der für die Reparaturen am Schiff und das Manövrieren zuständig ist. „Natürlich ist dieser Arbeitsplatz etwas bewegter als in einem Büro an Land“, räumt Stratemeier ein. Aber die Fahrt auf Binnengewässern sei nicht zu vergleichen mit Fahrten über das offene Meer. Wellengang gebe es höchstens einmal, wenn die MS Wissenschaft von einem Sportboot überholt werde. „Wer Bus fahren kann“, sagt Maria Stratemeier, „der kann auch Frachtschiff fahren.“