http://www.faz.net/-gyl-75d4e

Schüler-Unternehmen : Hängematten aus Fahrradschläuchen

  • -Aktualisiert am

Bild: Peter von Tresckow

Wenn Schüler Firmen gründen, üben sie nicht nur wirtschaftliches Denken. Sie lernen auch soziale Kompetenzen, selbst wenn nach einem Jahr Schluss ist.

          Der Internetauftritt war noch nicht fertig, die Preiskalkulation gerade mal 24 Stunden her, da war die Ware schon restlos ausverkauft. Ein einziger Pausenstand im Rahmen eines Schulkonzerts hatte genügt, um mehr als vierzig handgefertigte Seifen unter Lehrern, Eltern und Mitschülern zu vertreiben. Ein schöner Erfolg für die Soapcreaters. Doch es gab ein Problem: „Die neue Internetlieferung mit den Zutaten ist noch nicht eingetroffen, die Schulküche dauerbesetzt und jede Produktion aufwendig“, sagt Nele Steinbrecher. Die 15-Jährige ist Vorstandsvorsitzende der Schülerfirma, die Seifen aus natürlichen Zutaten herstellt und vertreibt. Unternehmenssitz ist das Hamburger Gymnasium Oberalster (GOA), aber die Seifenproduktion hat keinen eigenen Raum. Mal treffen sich die Zehntklässler in einem Klassenzimmer, mal in der Schulküche der benachbarten Grundschule. Zwischengelagert werden die Seifen auch schon mal privat in den Zimmern der beteiligten Mitarbeiter.

          Mit einer Mischung aus Professionalität und Improvisation gehen Jahr für Jahr Hunderte von Schülerfirmen in Deutschland an den Start - innerhalb eines Schuljahrs verschwinden dann viele wieder vom Markt. So will es zumindest das Gründungsprogramm namens Junior, das vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln organisiert wird und das mittlerweile in 15 Bundesländern etabliert ist. Die Schüler sollen eine Geschäftsidee erarbeiten, ein Unternehmen aufbauen, am Markt positionieren und nach neun Monaten wieder ordnungsgemäß auflösen. „Nachhaltig ist nicht gleich langjährig“, sagt Projektmanagerin Juliane Kriese. Junior will mit dem Programm Schlüsselqualifikationen wie Teamfähigkeit und Eigenverantwortung fördern und zudem mehr wirtschaftliches Denken und Unternehmergeist in die Schulen bringen. „Dafür reicht ein Jahr aus.“

          Nur eine Doppelstunde Zeit, um ein Unternehmen zu führen

          Für Nele ist Soapcreators Teil des Unterrichts: „Ich habe den Kurs Wirtschaft gewählt, weil ich mir davon eine Berufswahl-Orientierung verspreche“, sagt sie. Der Wahlkurs macht nur eine Doppelstunde in Neles Stundenplan aus. Wenig Zeit, um ein Unternehmen zu führen. „Das ist schon sehr komplex. Aber es reicht, um erste Erfahrungen zu sammeln“, sagt Kursleiterin Monika Scheurmann. Die Wirtschaftslehrerin hat schon acht Schülerfirmen begleitet, mit vielen Höhen, Tiefen und einer Menge für die Schule untypischen Lernerfahrungen. So habe ein Kurs einmal ganz selbständig und demokratisch den Vorstand ausgetauscht, weil es der alten Unternehmensführung an Rückhalt fehlte: „Das war eine meiner Sternstunden an der Schule.“

          Jeden Monat Ein- und Ausgaben protokollieren, die Lohnbuchhaltung führen und auf dem Höhepunkt der Existenz einen Geschäftsbericht abliefern - das Projekt Junior behandelt die Schüler wie echte Unternehmer, das setzt Verantwortung und Engagement voraus. „Früher bin ich da immer sehr hinterher gewesen, dass alles fertig wird, und habe sogar in den Ferien noch Mails verschickt. Heute sage ich den Schülern, ihr dürft auch scheitern, und halte mich stärker zurück“, erzählt Scheurmann.

          Weitere Themen

          Trump Junior hatte Kontakt zu Wikileaks Video-Seite öffnen

          „Hi Don“ : Trump Junior hatte Kontakt zu Wikileaks

          Der älteste Sohn von US-Präsident Donald Trump stand im Wahlkampf in Kontakt mit der Internetplattform Wikileaks, die Trumps Gegnerin Hillary Clinton mit Enthüllungen schwer zusetzte. Donald Trump Junior veröffentlichte das Protokoll seiner Online-Kommunikation mit Wikileaks im Wahljahr 2016; er reagierte damit auf einen Medienbericht, in dem von geheimen Kontakten zwischen ihm und der Plattform die Rede war.

          Mit Abschluss zum Abschluss Video-Seite öffnen

          Filmkritik „Fack Ju Göhte 3“ : Mit Abschluss zum Abschluss

          Mit „Fack Ju Göhte 3“ kommt der letzter Teil der Reihe um die bildungsfernen Schüler der Münchner Göthe-Gesamtschule und ihrem unkonventionellen Lehrer Zeki Müller in die Kinos. Filmfreunde werden sicherlich einen emotionalen Bogen vermissen. Der Zielgruppe dürfte das jedoch egal sein – der Film wird auch so ein Erfolg.

          Topmeldungen

          Anne Will diskutiert in ihrer Sendung am 19. November 2017 mit ihren Gästen über die Jamaika-Sondierungsgespräche.

          TV-Kritik: Anne Will : Ende eines Schauspiels

          Diese Nacht verkündet der FDP-Vorsitzende das Scheitern der Sondierungsgespräche. Für eine solche Situation gibt es ein im Grundgesetz exakt definiertes Verfahren. Das scheinen aber nicht einmal die Politiker zu verstehen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.

          Folgende Karrierechanchen könnten Sie interessieren: