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Schlüsselqualifikationen : Parlieren geht über Studieren

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Bild: F.A.Z. - Tresckow

Die Vermittlung von „Soft Skills“ ist zur Pflicht an deutschen Hochschulen geworden. Viele Arbeitgeber begrüßen das. Kritiker befürchten dagegen die Verwässerung der reinen Lehre.

          Rahel Kinne studiert Geschichte und Germanistik im sechsten Semester - und hat während ihres Studiums außerdem die PR-Strategie für ein Jugendkulturzentrum entwickelt, eine einstündige Radiosendung geplant und die Online-Präsenz amerikanischer Konsumgüterhersteller analysiert. Am "Zentrum für Schlüsselqualifikationen" der Universität Mannheim (ZfS) hat die 21 Jahre alte Studentin diese Praxiserfahrungen gesammelt als Pflichtteil ihres ansonsten eher geisteswissenschaftlich-theoretisch ausgelegten Studiums.

          "Es ist befreiend, sich auch einmal mit Themen fernab des normalen Unialltags zu beschäftigen", sagt sie. "Außerdem kann man dabei ausprobieren, was man später vielleicht einmal beruflich machen wird." Ihr Bachelor-Studium schreibt vor, dass von etwas mehr als 180 Credit Points insgesamt 12 beim Erwerb sogenannter berufsrelevanter Schlüsselqualifikationen gesammelt werden. Fächerübergreifend stehen den Mannheimer Hochschülern im ZfS entsprechende Angebote zur Verfügung, von Fremdsprachen über Medienpraxis bis zu Präsentations- und Kommunikationstechniken. "Für uns ist das alles andere als eine Pflichtübung", berichtet Rahel Kinne. "Alle, die ich kenne, sind froh, dass es dieses Angebot gibt."

          Pflicht: Praxisrelevante Kompetenzkurse

          Dass Geisteswissenschaftler im Studium zum Besuch praxisrelevanter Kompetenzkurse verpflichtet werden, wäre noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen. Doch mittlerweile haben die "Soft Skills" an den deutschen Hochschulen Einzug gehalten. Schuld daran ist der Bologna-Prozess: Die Bildungsminister aus 29 europäischen Ländern unterzeichneten am 19. Juni 1999 in Bologna einen Vertrag, um einen homogenen und durchlässigen europäischen Hochschulraum zu schaffen. Eine der vereinbarten Maßnahmen: Auch überfachliche, berufsfeldorientierte Kompetenzen, die ein Fachstudium sinnvoll ergänzen - Schlüsselqualifikationen also -, sollen im Studium vermittelt werden. Selbständigkeit, Kreativität, Verantwortungs- und Leistungsbereitschaft werden ausdrücklich als Beispiele genannt.

          Mehr als 80 Prozent der deutschen Hochschulen haben inzwischen die Vermittlung von Schlüsselkompetenzen in ihre Lehrpläne aufgenommen oder zumindest ein Konzept dafür vorliegen. Die Hochschulen integrieren die "Soft Skills" entweder direkt in die Lehrpläne ihrer Studiengänge oder rufen "Career Center" ins Leben, die entsprechende Workshops und Seminare fachübergreifend anbieten. Bis Ende 2010 - dem angepeilten Ziel für die europaweite Umstellung auf die Bachelor- und Master-Struktur - wird die Quote bei rund 90 Prozent aller Studiengänge liegen, schätzen Experten.

          Als eigenständige Qualifikationsziele hervorgehoben

          "Erst mit den notwendigen Schlüsselqualifikationen können die Studierenden mit ihrem fachlichen Wissen auch kompetent umgehen, es erfolgreich einsetzen", begründet Margret Wintermantel, die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz, die Aufnahme der Kompetenzvermittlung in das Aufgaben-Portfolio der Hochschulen. "Sie müssen lernen, mit unterschiedlichen Kooperationspartnern konstruktiv zusammenzuarbeiten und Verantwortung zu übernehmen." Sicher hätten Studenten schon immer erworbenes Wissen mündlich und schriftlich präsentiert, in Projekten gearbeitet und selbständig Fallbeispiele bearbeitet. "Doch diese Fähigkeiten werden nun in den neuen Studiengängen deutlich als eigenständige Qualifikationsziele hervorgehoben und entsprechend systematischer vermittelt."

          Die Ausprägung an den Hochschulen fällt höchst unterschiedlich aus. "Das beginnt mit kleinen Lösungen, bei denen die Soft-Skill-Vermittlung über einen Fremdsprachenkurs mit 10 Credit Points abgegolten wird, und endet bei Studiengängen, in denen bis zu 30 Prozent der Studienleistungen aus außerfachlichen beruflichen Kompetenzen bestehen", berichtet Ludwig Voegelin vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE Consult). Er berät Universitäten bei der Umstellung ihrer Studiengänge auf die Bachelor- und Master-Struktur und weiß daher, welche Schwierigkeiten einzelne Fachbereiche mit der Integration von Schlüsselqualifikationen in ihre Lehrpläne haben. "Jahrhundertealte Gewohnheiten müssen neu gedacht werden, das fällt einigen Lehrenden doch sehr schwer."

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